In der momentanen Situation haben viele Frauen mit Brustkrebs Sorgen und Angst vor einer Infektion mit Covid-19. Dies ist verständlich, da Krebspatienten laut Robert-Koch-Institut zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf gehören. Aus dieser Angst heraus wollen manche Patientinnen notwendige und wichtige Therapien aufschieben oder unterbrechen. Laut Experten ist diese Reaktion aber der falsche Weg, denn der Schutz vor einer Infektion mit dem Corona-Virus sollte der Behandlung einer lebensbedrohlichen Krankheit wie Krebs nicht im Weg stehen. Außerdem zeigt jetzt eine neue Fallstudie aus New York, dass die befragten Frauen mit Brustkrebs offenbar gute Chancen auf eine unkomplizierte Genesung von Covid-19 hatten. Eine stationäre Einweisung fand deutlich seltener statt als die Forscher erwartet hatten. 

Wichtig zu wissen: Frauen stecken sich mit dem Corona-Virus statistisch gesehen seltener an als Männer und die Verläufe sind milder. Nach den Erkenntnissen der Gendermedizin reagiert das weibliche Immunsystem aggressiver, wodurch Frauen durchschnittlich einen Vorteil haben. 

Fallstudie New York: Verlauf von Covid-19 bei Brustkrebs

Laut einer aktuellen Fallstudie aus New York wiesen viel weniger Brustkrebs-Patientinnen einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 auf, als ursprünglich erwartet. Forscher der Universität Columbia werteten die Daten von insgesamt 4515 an Covid-19-Erkrankten aus, davon 27 Personen mit Brustkrebs.

Das Ergebnis: Nur ein Viertel der Krebspatientinnen musste stationär behandelt werden, eine Intensivtherapie war nicht erforderlich. 

Fazit: Diese Fallstudie stellt eine gute Nachricht für alle Brustkrebspatientinnen dar, allerdings müssen weitere Studien folgen. Frauen mit Brustkrebs sollten besonders gut auf sich achten und die Hygieneregeln befolgen, aber offenbar brauchen sie keine zu große Angst vor einem schweren Verlauf bei Covid-19 haben. 

Gendermedizin: Das Immunsystem von Frauen

Neueste Forschungen im Bereich der Gendermedizin haben ergeben, dass Frauen vor allem bis zu den Wechseljahren ein aktiveres und stärkeres Immunsystem haben als Männer. Dies gilt sowohl für das angeborene, als auch für das erworbene Immunsystem im Erwachsenenalter. Dabei spielen die Sexualhormone eine große Rolle, aber auch epigenetische und  genetische Faktoren: 

  • Auf X-Chromosomen befinden sich zahlreiche Gene, die das Immunsystem regulieren. Beide X-Chromosome sind bei Frauen offenbar schützend aktiv, wodurch mehr Gene für das Immunsystem abgelesen werden können. Außerdem können Mutationen auf einem X-Chromosom durch das zweite X-Chromosom bei Frauen ausgeglichen werden. 
  • Das Hormon Östrogen ist bei Frauen bis zur Menopause in hoher Konzentration vorhanden, anders als bei Männern. Es verstärkt die Immunantwort und stimuliert die Bildung von Abwehrzellen.

Dies sind nur zwei der möglichen Gründe, weshalb das Immunsystem bei Frauen aktiver ist und den Körper effektiver vor Virus-Infektionen schützt. Ein kleiner Nachteil ist jedoch, dass Frauen dadurch, statistisch gesehen, etwas anfälliger für Autoimmunerkrankungen sind als Männer. 

Tipp: Krebspatientinnen sollten ihr Immunsystem durch regelmäßigen Sport und Bewegung an der frischen Luft, aber auch durch eine immunstärkende Ernährung unterstützen. Dazu gehören beispielsweise nach Chemotherapie vor allem eisenhaltige Nahrungsmittel: Denn fehlt Eisen, bildet der Körper weniger Antikörper und roten Blutfarbstoff, der Sauerstoff transportiert. Ein hohes Maß an Eisen befindet sich zum Beispiel in Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchten und bestimmten Gemüsesorten, wie Spinat. Um die Eisen-Aufnahme im Darm zu verbessern, sollten diese Nahrungsmittel mit Vitamin C kombiniert werden. Ein Glas Orangensaft ohne Zucker oder ein Spritzer Zitrone in Wasser reichen aus. Außerdem schützt Vitamin C den Körper vor Infektionen durch Viren und Bakterien, da es eine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung hat.