Unsere Haare befinden sich in einem fortlaufenden Zyklus aus Wachstum, Verhornung und Ruhephase. Die in der Haarwurzel nachwachsenden Zellen, schieben das Haar aus der Haut heraus. Sobald die Zellteilung aufhört, fällt das Haar nach einer kurzen Übergangszeit einfach aus.

Dieser "normale" Haarausfall kann bei gesunden Erwachsenen 70 bis 100 Haare pro Tag betreffen und macht sich in der Haarmenge nicht bemerkbar, weil immer wieder neue Hare nachwachsen.

Anders sieht es bei der Chemotherapie aus: Die eingesetzten Wirkstoffe greifen vor allem Zellen mit hoher Teilungsrate an. Dazu gehören Krebszellen, aber leider auch die Zellen an der Haarwurzel. Wie stark die Haare ausfallen, hängt von verschiedenen Faktoren ab und ist individuell verschieden

Wichtig zu wissen

Eine gerade veröffentlichte Übersichtsstudie zeigt, wie wichtig eine gute Aufklärung für die psychische Verarbeitung sein kann. Dennoch wird dies offenbar nicht immer angeboten. Fragen Sie also Ihren behandelnden Arzt, was Sie zum Schutz Ihrer Haare vorbeugend oder zur Überbrückung der haarlosen Zeit tun können, zum Beispiel durch Kosmetik oder Haarersatz.

Manchmal hilft ein Wechsel der Perspektive mit einem neuen Blick auf das Problem, zum Beispiel so: "Haarausfall ist belastend, aber nicht lebensbedrohlich und geht vorbei!".  

Aktuelle Forschung im Überblick

Abhängig davon welche Zytostatika während der Chemotherapie eingesetzt werden und in welcher Kombination bzw. Dosierung, gestaltet sich der Haarausfall in unterschiedlichem Maß. Fragen Sie deshalb im Vorfeld der Therapie-Planung nach, ob ein "haarschonendes Therapie-Schema" bei Ihnen in Frage kommt. 

Aber auch andere Krebsbehandlungen greifen die Haare an, zum Beispiel die Antihormontherapie mit Tamoxifen bei hormonsensitivem Brustkrebs oder die neuen molekularbiologischen Therapien (targeted therapies). Auch hier sollten Sie den möglichen Haarausfall rechtzeitig zum Thema machen und sich psychisch vorbereiten. 

Kühlhauben während der Infusion

Die Behandlung mit einer Kühlhaube zählt heute zu den als sicher geltenden, vorbeugenden Maßnahmen zum Schutz vor Haarausfall. Sie ist allerdings keine Kassenleistung. Damit die Kühlung besser vertragen wird, sollten Sie am Tag der Chemotherapie auf Haarwäschen, Föhnen und alles, was die Kopfhautdurchblutung steigert, verzichten.

Die Methode: Sie erfolgt individuell und je nach Modell durch eine sensorgesteuerte Kühlung der Kopfhaut während der gesamten Chemotherapie. Dabei wird die Kopfhaut ca. 30  Minuten vor Beginn langsam und schonend auf eine Temperatur von 3°C bis 5°C herunter gekühlt und mit Hilfe von Sensoren konstant gehalten. Dies verlangsamt den Stoffwechsel der Haarzellen und senkt so das Anfluten von Zytostatika in der Haarwurzel. 

Aktuelle Forschung: Im Gegensatz zu anderen Verfahren konnte eine Verringerung des Haarausfalls durch Kühlkappen nachgewiesen werden, ohne die Wirkung der Chemotherapie zu beeinträchtigen. 

Einen Studie an japanischen Frauen bestätigte jetzt erneut eine gewisse Wirkung. Ohne die Verwendung einer Kühlhaube während der Chemotherapie mittels Infusion hatten 61 Prozent der teilnehmenden Frauen einen deutlichen Haarausfall (Grad 3), mit Kühlung dagegen nur 46 Prozent. Andere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit, keine Perücke zu benötigen bei dem Einsatz einer Kühlhaube bei rund 50 Prozent liegt. 

Fazit: Ob dieser moderate Effekt den Preis und mögliche Nebenwirkungen des Kühlens wie Kopfschmerzen wert sind, muss jede Frau selbst entscheiden.

Andere Verfahren 

Die Übersichtsstudie wertete außerdem folgende Maßnahmen aus: 

Die Methoden: Kopfhautkompression durch "Scalp-Manschetten", die einen ähnlichen Effekt wie die Kühlung haben sollen, indem sie die Durchblutung mechanisch reduzieren. Hinzukommen medikamentöse Verfahren, zum Beispiel mit dem Haarwuchsmittel Minoxidil, oder die zusätzliche Einnahme von Hirse (Panicum miliaceum).  

Die Forschung: Diese Verfahren haben sich in ihrer Wirksamkeit bislang nicht oder nur im Tierversuch bestätigen lassen. Dennoch können allgemeine Maßnahmen, zum Beispiel eine Vitamin B haltige Ernährung, das Wachstum der Haarzellen sicherlich günstig beeinflussen. 

Haarausfall während der Chemotherapie

Der Haarausfall macht sich meist 1 bis 3 Wochen nach dem Beginn der Therapie bemerkbar. Zunächst sind die Kopfhaare betroffen, anschließend die übrige Behaarung am Körper. Als Folge der Chemotherapie kann das Haar der Kopfhaut, aber auch Wimpern, Augenbrauen und Schamhaare, in der Haut oder kurz darüber abbrechen. Dies gilt übrigens nicht für die rund zehn Prozent der Haare, die sich zum Zeitpunkt der Chemotherapie in der Ruhephase befinden. Juckreiz und manchmal auch eine höhere Empfindlichkeit der Haut können sich durch den Verlust der Haare entwickeln.

Die gute Nachricht: Diese Form von Haarausfall ist fast immer vorübergehend. Denn in der Regel wachsen die Haare nach einer Chemotherapie wieder nach.

Meist beginnt das Haar 1 bis 3 Monate nach der Chemotherapie wieder zu wachsen und ist nach circa einem halben Jahr wieder derart, dass keine Bedeckung - falls diese bis dahin getragen wurde - mehr nötig ist. Laut Studien aus Japan brauchen ältere Frauen nach der Menopause allerdings etwas mehr Geduld als jüngere, denn hier dauert es länger, bis alle Haare wieder nachgewachsen sind.

Tipp:

Seifen und heißes Wasser trocknen die Haut aus und verstärken die Beschwerden. Hilfreich ist es deshalb, während dieser Zeit, wenn überhaupt, nur sehr milde Shampoos oder Duschgele zu verwenden und die Haut gut zu pflegen. Wenn möglich, waschen Sie sich einfach nur mit lauwarmem Wasser. Da offenbar die Versorgung mit Nährstoffen auch eine wichtige Rolle spielt empfiehlt es sich, auch zum Schutz der Haare, sich in dieser Zeit besonders gesund und ausgewogen zu ernähren.