Die "Anti-Hormontherapie" bei Brustkrebs mit Tamoxifen oder Aromatasehemmern führt häufig zu Gelenkschmerzen und stand bisher im Verdacht sogar eine Rheumatoide Arthritis auszulösen. Durch die Krebsbehandlung eventuell eine chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung zu entwickeln, belastet Brustkrebspatientinnen in hohem Maße. Diese Sorge ist nun überflüssig, wie Forscher aus Stockholm zeigen konnten.  

Rheumaforscher geben Entwarnung 

Ob eine Antihormontherapie das Risiko für eine Rheumatoide Arthritis erhöht, haben jetzt Forscher vom renommierten Karolinska Institut Stockholm in einer großangelegten Studie mit Daten von 15.921 Frauen geprüft. Das Ergebnis: Es besteht kein Zusammenhang zwischen einer Antihormontherapie bei Brustkrebs und einer neu auftretenden Rheumatoiden Arthritis. Experten haben nun auf dem Europäischen Kongress für Rheumatologie in Frankfurt für Frauen mit hormonsensitivem Brustkrebs Entwarnung gegeben und dazu aufgerufen, durch die Therapie verursachte Gelenkschmerzen nach neuesten Empfehlungen rechtzeitig zu behandeln. 

Daran erkennen Sie eine Rheumatoide Arthritis 

Die Rheumatoide Arthritis beginnt oft mit Morgensteifigkeit der kleinen Gelenke, zum Beispiel der Finger und Zehen, greift dann aber in Schüben nach und nach den ganzen Körper an. Neben Gelenkschmerzen und Schwellungen kann sich eine Rheumatoide Arthritis zusätzlich durch allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit, Nachtschweiß und Gewichtsverlust bemerkbar machen, die genauso auch bei Brustkrebs auftreten. Die Überschneidung dieser Symptome erschwert eine frühzeitige und eindeutige Diagnose. 

Tipp:

Gegen Gelenkschmerzen während der Therapie mit Aromatasehemmern oder Antiöstrogenen helfen laut Rheumatologen gängige Schmerzmittel, die der behandelnde Arzt frühzeitig verordnen sollte. Außerdem lindern körperliche Bewegung und Akupunktur nachweislich auch die Schmerzen und sorgen zudem noch für eine bessere Beweglichkeit der betroffenen Gelenke. Nutzen Sie diese Chance und verbinden Sie das Angenehme mit dem Nützlichen: Schon ein täglicher Spaziergang und das regelmäßige Kreisen und Bewegen der Hände und Füße hilft gegen Gelenkschmerzen.  

Faktenwissen: Das macht die Anti-Hormontherapie bei Brustkrebs

Zwei Drittel der Brustkrebstumore reagieren auf das weibliche Sexualhormon Östrogen, indem sie stärker wachsen. Dieses relativ neue Wissen nutzt die "Anti-Hormontherapie" und blockiert die Wirkung von Östrogen, zum Beispiel um einen Rückfall nach der ersten Krebstherapie zu verhindern. 

Dazu entwickelten Forscher spezielle Medikamente, die Östrogen auf verschiedene Weise daran hindern, das Wachstum der Brustkrebszellen zu fördern. Dazu gehören: 

  • Antiöstrogene/ Selective Estrogen Receptor Modulators (SERM), wie Tamoxifen 
  • Aromatasehemmer, wie Anastrozol, Letrozol oder Exemestan
  • GnRH-Analoga

Sie sind verträglicher als Chemotherapie, aber dennoch erleben viele Frauen die Nebenwirkungen durch die lange Therapiedauer als sehr belastend. Dazu zählen je nach Medikament beispielsweise bei Aromatasehemmern Muskel- und Gelenkbeschwerden und Osteoporose. 

Antiöstrogene besetzen die Andockstelle von Östrogen am Tumor, sodass Östrogene nicht mehr an den Brustkrebszellen andocken und wirken können. Die Produktion der Sexualhormone wird aber nicht blockiert. Zu den so genannten Selective Estrogen Receptor Modulators (SERM) gehört das Medikament Tamoxifen oder seit neuerem für fortgeschrittenen Brustkrebs Fulvestrant, das Andockstellen für Östrogen vollständig blockiert und außerdem noch ihre Anzahl reduziert, während bei Tamoxifen eine Restaktivität bestehen bleibt. 

Aromatasehemmer blockieren das Enzym Aromatase, das Östrogen-Vorstufen in aktive Östrogene umwandelt. Dadurch drosseln sie die Östrogenproduktion außerhalb der Eierstöcke in Muskel- und Fettzellen. Es wird Frauen mit Brustkrebs nach den Wechseljahren gegeben, im frühen und fortgeschrittenen Stadium oder nach einer Operation. Denn nach den Wechseljahren produzieren die Eierstöcke kaum oder kein Östrogen mehr, während es in geringeren Mengen trotzdem noch in Muskel, Fett- und Brustdrüsengewebe hergestellt wird.

GnRH-Analoga greifen im Gehirn ein und besetzen dort die Andockstellen in der Hirnanhangdrüse für das körpereigene Gonadotropin-Releasing-Hormon. Dadurch ist der Rezeptor blockiert, aber der Körper schüttet keine Signale aus, dass Sexualhormone produziert werden sollen.