Neben älteren, oft höher dosierten Präparaten, erhöhen auch moderne hormonelle Verhütungsmittel das Brustkrebsrisiko, wenn auch nur in niedrigem Ausmaß. Das geht aus einer Untersuchung von Forschern um Dr. Lina Mørch mit dänischen Frauen hervor. Umgerechnet gibt es bei 7.690 Frauen, die hormonell verhüten, einen Brustkrebsfall pro Jahr mehr - im Vergleich zur gleichen Zahl von Frauen, die nicht hormonell verhüten. 

In Deutschland setzen mehr als 55 Prozent der erwachsenen und etwa 70 Prozent der jugendlichen Paare auf hormonelle Verhütungsmethoden. Sie enthalten künstlich hergestellte, weibliche Hormone, die fast identisch sind mit den körpereigenen Hormonen Östrogen und Gestagen. Die hormonellen Präparate beeinflussen den Monatszyklus der Frau und unterdrücken den Eisprung. 
Am häufigsten wird die Pille genutzt - meist als Mikropille oder Minipille. Außerdem gibt es Vaginalringe, Verhütungspflaster, Verhütungsstäbchen, Hormonspiralen sowie die Drei-Monats-Spritze. Diese wird den Frauen alle drei Monate in Oberarm oder Gesäß gespritzt und enthält ebenfalls künstliche Hormone.

Daten von 1,8 Millionen dänischen Frauen

Für ihre Studie hat das Forscherteam die Daten von rund 1,8 Millionen dänischen Frauen ausgewertet. Sie waren zwischen 15 und 49 Jahre alt und wurden durchschnittlich knapp elf Jahre lang beobachtet. In dieser Zeit wurden 11.517 Brustkrebs-Fälle festgestellt.

Die Forscher stellten fest, dass das absolute Risiko, durch eine hormonelle Verhütung Brustkrebs zu bekommen, trotzdem eher klein ist: Demnach erkranken 13 von 100.000 Frauen an Brustkrebs, die ein Jahr lang hormonell verhütet haben. Das macht unter 7.690 Frauen, die hormonell verhüten, einen zusätzlichen Brustkrebsfall im Jahr aus.

Risiko steigt mit Anwendungsdauer

Allerdings scheint das Risiko mit der Dauer der Anwendung zu steigen: Wer weniger als ein Jahr hormonell verhütet hatte, dessen Risiko war um neun Prozent erhöht. Bei mehr als zehn Jahren erhöhte sich das Risiko um 38 Prozent. Dagegen stellten die Forscher keine Risikounterschiede zwischen den einzelnen Präparaten fest.

Zusätzlich zur Anwendungsdauer stieg das Risiko mit dem Alter. Über alle Altersgruppen hinweg erkrankten 13 von 100.000 Frauen, die ein Jahr lang hormonell verhütet hatten. Bei den unter 35-Jährigen waren es dagegen nur zwei von 100.000. Bei den über 40-Jährigen fanden die Forscher die meisten Brustkrebsfälle. Das hat aber weniger mit der hormonellen Verhütung zu tun. Vielmehr steigt mit dem Alter das generelle Risiko, dass sich Brustkrebszellen bilden.

Frauen, die älter als 40 Jahre sind, könnten dennoch eher nicht-hormonelle Verhütungsmittel (zum Beispiel Kupferspirale, Kondom) in Betracht ziehen, so Prof. David Hunter von der Oxford Universität in einem Kommentar zur Studie. Bei ihnen sei nicht nur das Risiko für Brustkrebs, sondern auch für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht. Auch hier können hormonhaltige Verhütungsmittel das Risiko erhöhen.