Neu im Kampf gegen Krebs sind Immuntherapien. Sie haben laut Forschung das Potential, Krebserkrankungen erfolgreich zu bekämpfen. Erste Studien konnten zeigen, dass Checkpoint-Inhibitoren kombiniert mit Chemotherapie die Überlebenszeit von Frauen mit triple-negativem Brustkrebs verlängern.

Was sich erst mal positiv anhört, hat aber auch Nachteile: Das aktivierte Immunsystem kann sich gegen den eigenen Körper richten. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) kommt es während und nach der Behandlung häufiger als erwartet zu rheumatischen Beschwerden. 

So wirken Immuntherapien: 

Krebszellen können das körpereigene Immunsystem daran hindern, sie unschädlich zu machen. Hier setzt die neu entwickelte Immuntherapie bei Krebs an: Checkpoint-Inhibitoren blockieren wichtige Schaltstellen des Immunsystems, die sich auf den T-Zellen (Lymphozyten) befinden.

Checkpoints haben normalerweise die Aufgabe, die Immunreaktion des Körpers zu beenden und ihn damit zu schützen. Diese „Bremsen“ des Immunsystems setzen die neuen Medikamente außer Kraft. Dadurch kann das Immunsystem weiter aktiv bleiben und die Krebszellen bekämpfen.  

Wenn Nebenwirkungen ein positives Zeichen sind 

Je besser Checkpoint-Inhibitoren wirken, desto stärker sind die Nebenwirkungen, so erklärte es der DGRh-Präsident Prof. Dr. Hendrik Schulze-Koops kürzlich auf einer Expertentagung. Die Wirksamkeit der Checkpoint-Inhibitoren hat daher für viele unangenehme Folgen: Rund zwei Drittel der Patienten, bei denen sich der Tumor gut zurückgebildet hatte, entwickelten durch die Therapie Muskel- und Gelenkschmerzen.

Wenn Sie solche rheumatischen Beschwerden an sich feststellen, werden Sie sich am besten schnellstmöglich an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin. 

Je früher zum Arzt, desto besser 

Die Nebenwirkungen der Checkpoint-Inhibitoren können innerhalb kurzer Zeit, aber auch Monate später und sogar nach dem Ende der Therapie auftreten. Sobald sich rheumatische Beschwerden entwickeln, sollte so früh wie möglich ein Rheumatologe hinzugezogen werden. Muskel- und Gelenkschmerzen lassen sich heute gut mit Medikamenten behandeln, die auch bei Rheuma eingesetzt werden, wie Kortison und  Methotrexat. Außerdem kann die Immuntherapie zeitweise unterbrochen werden, damit die Nebenwirkungen abklingen. 

Wichtig zu wissen: Eine Therapiepause gefährdet laut Experten nicht die Wirksamkeit der Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren. Deshalb sollten Sie Ihrem Arzt gegenüber die Muskel- und Gelenkschmerzen immer angeben. Nur durch frühzeitige und gezielte Gegenmaßnahmen können Sie Langzeitschäden an Gelenken verhindern und Ihre Lebensqualität erhalten oder verbessern.