Jede Patientin wünscht sich, dass ihre Ärztinnen und Ärzte die neuesten medizinischen Entwicklungen kennen und eine optimale, aber auch sichere Behandlung anbieten. Leitlinien dienen Ärzten als Orientierungshilfe und haben zum Ziel, die Qualität der medizinischen Versorgung stetig weiterzuentwickeln.

Was leisten Leitlinien?

Leitlinien bieten dem Arzt Entscheidungshilfen und Behandlungsempfehlungen, die

  • systematisch entwickelt,
  • wissenschaftlich begründet,
  • praxisorientiert und
  • von nachgewiesener Wirksamkeit sind.

Die Leitlinien werden regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und gegebenenfalls fortgeschrieben.

Wie kommen Leitlinien zustande?

In der medizinischen Forschung und in klinischen Studien müssen hohe, international gültige, wissenschaftliche Standards eingehalten werden ("good clinical practice", GCP). Die Ergebnisse dieser Studien in Verbindung mit klinischer Erfahrung dienen als Basis für Entscheidungen, wie Patienten nach dem derzeitigen Stand am besten medizinisch versorgt werden. Diese sogenannten evidenzbasierten Behandlungsempfehlungen werden in Form von Leitlinien erarbeitet und zusammengefasst.

Wer formuliert die nationalen Leitlinien?

Medizinische Leitlinien werden in Deutschland von verschiedenen Institutionen entwickelt und verbreitet. Dazu gehören beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) oder die Ärztliche Selbstverwaltung (Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung). Aber auch einzelne Fachgesellschaften oder spezialisierte Arbeitsgemeinschaften erstellen medizinische Behandlungsempfehlungen zu spezifischen Erkrankungen.

Die AWMF definiert vier Klassen von Leitlinien: S1-Leitlinien, S2k-Leitlinien (k = konsensbasiert), S2e-Leitlinien (e = evidenzbasiert) und S3-Leitlinien. Eine S3-Leitlinie stellt die höchsten Anforderungen an die wissenschaftliche Überprüfbarkeit.

Wie hilfreich sind Leitlinien?

Leitlinien haben Empfehlungscharakter und sind im Gegensatz zu Richtlinien nicht verbindlich. Speziell für die Behandlung von Brustkrebs konnte aber eine Studie zeigen, dass die Überlebensrate von Patientinnen bei einer Leitlinien-konformen Behandlung deutlich höher war als bei Frauen, deren Behandlung von den Empfehlungen abwich. Eine Leitlinien-konforme Behandlung bedeutet allerdings nicht, dass der Arzt alle Punkte aus der Leitlinie eins zu eins umsetzen muss.

Die Grundlage für eine bestmögliche Behandlung sind Leitlinienempfehlungen in Verbindung mit dem Erfahrungswissen des Arztes. Und nicht zuletzt muss die individuelle Situation einer jeden Patientin mit berücksichtigt werden.

Leitlinien: Auch für Patienten interessant

Manche Leitlinien werden nicht nur für Ärzte, sondern zusätzlich speziell für Patienten aufbereitet. Zum Thema Brustkrebs gibt es eine Patientenleitlinie zum Download (Stand: Dezember 2017). Aber auch Ärzteleitlinien können für Patienten interessant sein: Im September 2018 wurde eine aktualisierte Version der S3-Leitlinie zum Thema „Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“ veröffentlicht.

Die Inhalte der Disease Management Programme werden in der sogenannten DMP-Anforderungen-Richtlinie (DMP-A-RL) festgehalten und beziehen sich dabei immer auf den aktuellen Stand der Leitlinien. So wird eine möglichst gute und qualitätsgesicherte Behandlung gewährleistet.