Während einer Krebsbehandlung stärkt das richtige Maß an Sport und Bewegung den Körper, verbessert nachweislich die Stimmung und verringert anschließend das Risiko für einen Rückfall. Bei Brustkrebs spielen insofern nicht nur Operation, Medikamente und Bestrahlung eine maßgebliche Rolle, sondern auch körperliche Aktivität und Sport. Denn 'Bewegungsfreude' ist offenbar auf unterschiedlichen Ebenen heilsam.

Wichtig zu wissen: Frauen mit metastasiertem Brustkrebs haben häufig Angst zu trainieren, da früher sportliche Aktivität bei Metastasen kritisch gesehen wurde. Laut Experten der Universität Köln sieht die Empfehlung heute anders aus: Sport hat Studien zufolge offenbar auch bei Metastasen einen positiven Effekt und verringert die Sterberate. Das richtige Training, beispielsweise in Einrichtungen mit speziellem Onko-Sport, kann nachweislich den Verlauf von Brustkrebs und sogar die Wirkung der Therapie verbessern. 

So wirkt Sport bei Brustkrebs

Anders als in gesundem Gewebe, fehlt in Krebszellen meist Sauerstoff und es kommt zu einer Übersäuerung. Das lässt den Tumor schneller wachsen und begünstigt Fatigue-Symptome. Sport verstärkt die Durchblutung des Körpers, erhöht den Sauerstoffgehalt und reduziert laut Experten der Universität Köln freie Radikale, die u.a. das Erbgut schädigen. Die Entstehung und das Wachstum von Krebszellen werden durch Sport gebremst. 

Körperliche Aktivität verbraucht außerdem Energie in Form von Glukose. Dadurch steht den Krebszellen weniger Glukose zur Verfügung, dessen Abbauprodukte sie für ihr Wachstum benötigen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Sport die Verdauung anregt und so die Darmpassage verkürzt. Krebserregende Stoffe bleiben auf diese Weise kürzer im Darm. 

Regelmäßiges Training senkt laut Forschern den Östrogenspiegel im Blut oder Gewebe. Dieser Effekt wird bei einer medikamentösen Therapie gezielt als Hormonblockade eingesetzt. Sport hat eine vergleichbare Wirkung, was entscheidend bei hormonsensiblem Brustkrebs ist. 

Außerdem hat Sport auch auf das Immunsystem einen positiven Effekt. Durch anhaltenden Stress sinkt die Zahl und Aktivität von Immunzellen im Blut. Sport gleicht dies aus und bewirkt beispielsweise, dass so genannte 'Killerzellen' aktiver und vor allem aggressiver werden. Killerzellen sind ein wichtiger Teil des Immunsystems und entscheidend im Kampf gegen Krebs, da sie bösartige Zellen erkennen und vernichten. 

Nebenwirkungen nebenwirkungsfrei beeinflussen

Zu den typischen Nebenwirkungen bei der Brustkrebs-Therapie zählen Depressionen, Ängste, Lymphödeme und Fatigue-Symptome, wie Müdigkeit und Erschöpfung. Diese Beschwerden sind zwar nicht lebensbedrohlich wie ein Tumor, können aber den Alltag und die Lebensqualität stark einschränken. Die klassische Behandlung bekämpft diese Nebenwirkungen häufig mit Medikamenten, die wiederum neue Nebenwirkungen verursachen können. 

Nach aktuellem Stand der S3-Leitlinie für Brustkrebs, soll Sport und Bewegung ab sofort als Medizin vorbeugend und zur Behandlung von Nebenwirkungen eingesetzt werden. Denn durch regelmäßige körperliche Aktivität lassen sich die typischen Nebenwirkungen der Krebstherapie nachweislich effektiv und schonend lindern, ohne unerwünschte Nebenwirkungen auszulösen. Zum Beispiel: 

Lymphödeme: Bei krebsbedingtem Lymphödem sammelt sich Lymphflüssigkeit im Gewebe und schränkt dadurch die Beweglichkeit des Armes auf der operierten Seite schmerzhaft ein. Spannt sich die Muskulatur bei Bewegung an, kann die Flüssigkeit leichter abfließen und die Schwellung geht zurück. Bei Wassersport wie Aquafitness kommt noch der hydrostatische Druck des Wassers hinzu, was den Abtransport der Lymphe zusätzlich intensiviert. 

Fatigue-Symptome: Regelmäßiges Training verbessert die Ausdauer und die allgemeine Leistungsfähigkeit. Müdigkeit und Erschöpfung treten dadurch seltener auf oder sind deutlich weniger belastend.

Sportlich aktiv sein bedeutet insgesamt weniger Nebenwirkungen und stellt dadurch eine enorme Verbesserung der Lebensqualität dar, körperlich wie psychisch. Dabei ist es allerdings wichtig, auf die individuelle Belastbarkeit zu achten. Es ist nicht sinnvoll, seine Grenzen zu überschreiten, sondern eine sportliche Intensität zu wählen, bei der man sich wohl fühlt. 

Wichtig zu wissen: Um eine Überlastung zu vermeiden, sollten Frauen während einer Behandlung mit potenziell herzschädigenden Medikamenten das Maß ihrer "Bewegungsmedizin" gut dosieren. Experten raten in dieser Situation eine Sportart zu wählen, die das Herz nicht zu sehr belastet. Geeignet wären beispielsweise Wandern, Nordic Walking, Yoga oder einfach entspanntes Spazierengehen.