Brustkrebs stellt von Anfang an das gesamte Leben auf den Kopf und belastet nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Oft entwickelt sich ein Teufelskreis aus Ängsten, körperlichen Beschwerden und sozialen Problemen. Hier greift das relativ junge Fachgebiet der Psychoonkologie ein und unterbricht die Negativspirale aus seelischen und körperlichen Erkrankungen. Dies kann vorbeugen und in Krisenzeiten für mehr Stabilität sorgen, stellt aber auch langfristig eine wichtige Voraussetzung dar, um die Krebserkrankung besser zu bewältigen. 

Wichtig zu wissen: Psychoonkologie ist kein "Luxus", sondern gehört nach derzeitigem Wissensstand zu einer guten, effektiven Krebstherapie mit dazu. Deshalb haben sich zahlreiche medizinische Fachgesellschaften auf eine gemeinsame Empfehlung für Ärzte verständigt: Die S3-Leitlinie Psychoonkologie. Laut Referenten des Jubiläumssymposiums war dies ein politisch wichtiger Schritt, damit Krebspatienten während ihrer Erkrankung zukünftig noch besser und vor allem ganzheitlich versorgt werden. 

Moderne Krebstherapie ist ganzheitlich

Den Tumor möglichst schnell zu entfernen oder zu bekämpfen, erscheint vielen Patientinnen als wichtigste Maßnahme, wenn die Diagnose Brustkrebs gestellt wird. Das stimmt, aber laut Forschung ist es aus drei Gründen damit allein nicht getan: 

  1. Brustkrebs belastet in hohem Maße psychisch und erzeugt Ängste, z.B. vor einem Rückfall oder einer Verschlechterung. 
  2. Jede medizinische Therapie gegen Krebs kann sich quasi als "Nebenwirkung" auch auf die Psyche auswirken oder bringt soziale Probleme mit sich, wie Arbeitsunfähigkeit oder auch Armut. 
  3. Für viele Überlebende stellt Brustkrebs eine chronische Erkrankung dar, mit der sie noch Jahre danach leben lernen müssen.

Führende Onkologen und Experten verschiedener Fachrichtungen sind sich heute einig: Eine wirksame Krebstherapie kann nur dann wirklich gesund machen, wenn psychische Nebenwirkungen von Therapien, wie Ängste, Depressionen oder Fatigue, aber auch Geldsorgen und Partnerschaftsprobleme ebenfalls berücksichtigt und gezielt mitbehandelt werden. Konkret gehört dazu das Angebot einer psychosozialen Krebsberatung genauso, wie die Unterstützung der Angehörigen, eine psychotherapeutische Begleitung und konkrete Tipps, wie sich die Krankheit in den verschiedenen Phasen besser bewältigen lässt. 

Die Geburt der Psychoonkologie

Vor 40 Jahren wurde an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg eines der ersten Zentren in Deutschland gegründet, die eine psychologische Betreuung und Nachsorge für Krebspatienten anbieten. Seitdem hat sich daraus das eigenständige und in der Medizin akzeptierte Fachgebiet der Psychoonkologie entwickelt. Wichtige Meilensteine auf dem Weg dorthin waren laut Referenten des Jubiläumssymposiums: 

  • Verankerung der Psychoonkologie im Nationalen Krebsplan und Ausbau der Versorgung
  • Erstellung einer umfangreichen Empfehlung für Ärzte (S3-Leitlinie Psychoonkologie)
  • Teilfinanzierung der psychosozialen Krebsberatungsstellen durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen ab 2020

Tipp: Nicht jede Klinik richtet sich nach den Empfehlungen der S3-Leitlinie und das erleben Patientinnen als verunsichernd. Deshalb rieten Fachleute in Heidelberg, wenn möglich in ein onkologisches Zentrum zu gehen. Denn Kliniken und Praxen, die als “Onkologische Zentren“ ausgezeichnet sind, müssen heute automatisch auch eine psychoonkologische Versorgung anbieten und in ihre Therapie integrieren. Ansonsten gibt es im Internet auf der Seite des Deutschen Krebsinformationsdienstes ein Verzeichnis von ambulanten Praxen, die Betroffene psychoonkologisch begleiten (Link siehe Quelle).