Durch die "brusterhaltende Operation" wird der Tumor selbst und benachbartes Gewebe entfernt. Um sicherzugehen, dass keine Tumorzellen übrigbleiben, wird am Ende der Operation oder danach die betroffene Stelle zusätzlich noch bestrahlt. Dieses Vorgehen galt bis vor kurzem als Standardtherapie für alle Patientinnen. Die radiologischen Fachärzte konnten nur zwischen verschiedenen Bestrahlungsmustern wählen, die sich in Dosis und Zeitabständen unterschieden. Dies hat sich nun mit der neuen S3 Leitlinie für Ärzte zur Behandlung von Brustkrebs geändert. Die Studien wurde jetzt auf dem 34. Deutschen Krebskongress in Berlin vorgestellt. 

Teilbrustbestrahlung: Standard für Frauen mit geringem Risiko 

Neue Erkenntnisse u.a. der Europäischen Gesellschaft für Strahlentherapie erlauben es nun, Frauen mit geringem Rückfallrisiko anders zu behandeln. Aus medizinischer Sicht haben sie keine Nachteile zu befürchten, wenn während oder nach der Operation statt der gesamten Brust nur eine Teilbestrahlung erfolgt. Dadurch wird die gesamte Strahlenbelastung gesenkt, das umliegende Gewebe geschont und so das Risiko für Nebenwirkungen vermindert.  

Ein niedriges Rückfallrisiko haben Frauen mit Brustkrebs:

  • nach der Menopause 
  • mit kleinem Tumor (Tumorstadium T1-2)
  • mit wenig bis mäßig bösartigem Tumor (Grading des Tumors G1-2) 
  • bei Ansprechen des Tumors auf Hormontherapie (Hormonrezeptor-positiver Tumor)

Wichtig zu wissen: Eine Strahlentherapie ohne Operation kommt nur dann in Frage, wenn eine Operation nicht möglich ist, beispielsweise weil der Tumor zu weit fortgeschritten ist oder wenn das OP-Risiko zu groß wäre. 

Gleichwertige Alternative: Teilbrustbestrahlung durch die Haut 

Eine Teilbrustbestrahlung wurde bisher während der Operation durchgeführt, entweder als so genannte Brachytherapie mit einer Strahlenquelle, die in den betroffenen Bereich eingebracht wurde, oder als einmalige Bestrahlung der betroffenen Stelle. Nach neuen Daten ist aber eine Teilbestrahlung über die Haut nach der Operation ebenso effektiv wie während der OP, verkürzt aber die OP-Zeit je nach Strahlentherapie zwischen 20 bis 40 Minuten und mehr. Dies ist vor allem für Frauen ein großer Vorteil, die unter Herz- und Lungenerkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes leiden. Diese aktuellen Ergebnisse wurden nun in die neue S3 Leitlinie zur Strahlentherapie von Brustkrebs (Stand Februar 2020) eingefügt und erweitern für Frauen mit geringem Rückfallrisiko das Therapieangebot. 

Und die Rückfallquote? Die Rückfallquote ist lokal nicht erhöht, nur an weiter entfernten Bereichen. Dieser Unterschied ist aber so gering, dass er laut Forschern keine Bedeutung hat. Denn das Gesamtüberleben zeigte zwischen den Vergleichsgruppen keinen Unterschied, beide Therapiemethoden sind also in etwa gleich sicher. Im Zweifel sollten Patientinnen mit einem geringen Rückfallrisiko, für die eine Teilbestrahlung über die Haut in Frage kommt, ihren behandelnden Arzt oder Strahlentherapeut darauf ansprechen.