In Deutschland liegt das Brustkrebsrisiko einer Frau bei durchschnittlich zehn Prozent. Dieses Risiko ist nur dann deutlich höher, wenn ein so genannter "erblich bedingter Brustkrebs" vorliegt. Dies ist aber viel seltener der Fall, als Betroffene meinen. 

Nicht immer ist ein Gentest nötig 

Bei rund einem Viertel aller Frauen mit Brustkrebs sind auch noch andere Familienangehörige an Brustkrebs erkrankt. Dieses gehäufte Auftreten kann eine genetische Ursache haben, muss aber nicht. Erblich bedingter Brustkrebs liegt nur dann vor, wenn sich spezielle Genveränderungen, sogenannte Mutationen, nachweisen lassen.

Wenn Sie sich Sorgen machen, ob bei Ihnen ein genetisches Risiko vorliegt, sollten Sie mit Ihrer Frauenärztin darüber sprechen. Nur bei folgender Risikokonstellation könnte ein erblicher Brustkrebs vorliegen, bei dem ein Beratungsgespräch bzw. Gentest für Sie oder Ihre Angehörigen sinnvoll wäre:

In Ihrer Familie mütterlicherseits oder väterlicherseits gibt es mindestens:

  • 3 Frauen mit Brustkrebs*
  • 2 Frauen mit Brustkrebs, davon 1 Erkrankung < 51. Lebensjahr
  • 1 Frau mit Brustkrebs und 1 Frau mit Eierstockkrebs*
  • 2 Frauen mit Eierstockkrebs*
  • 1 Frau mit Brust- und Eierstockkrebs*
  • 1 Frau mit Brustkrebs ≤ 35 Jahren
  • 1 Frau mit beidseitigem Brustkrebs ≤ 50 Jahren
  • 1 Mann mit  Brustkrebs und 1 Frau mit Brust- oder Eierstockkrebs*

*unabhängig vom Alter

Wichtig zu wissen: Sowohl Frauen als auch Männer können Träger von BRCA-Mutationen sein, die sie aber nur in 50 Prozent der Fälle vererben. Sollte ein BRCA-Test positiv ausfallen, sollten Sie sich von einem spezialisierten Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs beraten lassen. Eine Übersicht finden Sie auf der Homepage www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de

Das bedeutet ein positiver Gen-Test

Zu den bereits bekannten, gut erforschten Risiko-Genen für Brustkrebs zählen die Gene BRCA1 und BRCA2. Die Kürzel stehen für die englischen Abkürzungen BR für Breast (Brust) und CA für Cancer (Krebs). Allerdings konnten Forscher in letzter Zeit weitere Gene entdecken, zum Beispiel RAD51C. Von erblich bedingtem Brustkrebs spricht man erst, wenn diese Genveränderungen in allen Körperzellen auftreten und nicht nur im Tumor selbst. Frauen, bei denen diese Genveränderungen vorliegen, haben ein deutlich höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Je älter eine Frau ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass sie an Brustkrebs erkrankt. 

Wird bei einer gesunden Frau eine BRCA-Mutation nachgewiesen, muss sie nicht zwangsläufig erkranken. Eine gesunde Lebensweise mit fettreduzierter Ernährung und ausreichend Bewegung kann viel dazu beitragen, das Brustkrebsrisiko zu senken.

Wichtig zu wissen: Nach neusten Erkenntnissen erkranken Frauen mit BRCA-Mutationen sehr viel häufiger an einem nicht hormonsensiblen Brustkrebs. Bei dieser Form von Brustkrebs fehlen wichtige Angriffspunkte für die Therapie und er ist deshalb schwer zu behandeln.

Aber genau hier scheinen die neuen Checkpoint-Hemmer zu helfen. Experten empfehlen jungen Frauen mit hohem familiärem Risiko, möglichst früh einen Gen-Test durchführen zu lassen, um diese Form von Brustkrebs frühzeitig erkennen und bestmöglich bekämpfen zu können.