Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD kommt es häufig, trotz bestmöglicher Therapie, zu immer neuen, schweren Krankheitsschüben. Die Forschenden am Lung Health Center der Universität Alabama wollten deshalb mit ihrer Studie prüfen, ob sich diese so genannten "Exazerbationen" durch die Einnahme von Betablockern reduzieren lassen. Vorabstudien legten diese Vermutung nahe, aber das Gegenteil war der Fall.

Amerikanische BLOCK-COPD-Studie vorzeitig gestoppt

Das Forscherteam suchte mehr als 500 Teilnehmende an 26 US-Zentren mit einer mittel- bis schweren COPD aus, die ein hohes Risiko für Exazerbationen aufwiesen. Eine klassische Indikation für die Therapie mit Betablockern bestand nicht, beispielsweise eine Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck. Die Teilnehmenden waren durchschnittlich 65 Jahre alt und ansonsten gesund. Die Hälfte nahm täglich den Betablocker Metoprolol in retardierter Form ein, die andere Hälfte ein Placebo-Mittel.

Die Teilnehmenden entwickelten, anders als vermutet, deutlich mehr statt weniger Krankheitsschübe und die COPD bedingte Atemnot verschlechterte sich in vielen Fällen. Manche der Teilnehmenden mussten auf einer Intensivstation behandelt und teilweise auch beatmet werden. Aus diesen Gründen beendeten die Forschenden die Studie vorzeitig. 

Fazit: Die Warnung vor Betablockern gilt nur für Menschen mit einer COPD, die ein hohes Risiko für schwere Krankheitsschübe haben. Darauf weisen die Forschenden ausdrücklich hin. Wer zugleich unter Herz- und Gefäßerkrankungen leidet, sollte trotzdem eine Umstellung auf Betablocker in Erwägung ziehen. Denn in diesem Fall liegt, anders als bei den Teilnehmenden der BLOCK-COPD-Studie, eine klare Indikation für die Therapie mit Betablockern vor. 

Neu: Spezielle Betablocker für Herzerkrankungen bei COPD-Betroffenen

Die Therapie mit Betablockern ist möglich und sicher, erfordert aber bei Lungenerkrankungen wie COPD und Asthma immer eine sorgfältige, individuelle Abwägung von Nutzen gegenüber Risiken. 

Grundsätzlich sollten bei COPD nur bestimmte, "kardioselektive" Betablocker zum Einsatz kommen, die überwiegend auf das Herz und kaum auf die Lunge wirken. 

Die ärztlichen Leitlinien für die Therapie einer COPD empfehlen, auf "nichtselektive" Betablocker ganz zu verzichten. Aber auch die neueren, selektiven Wirkstoffe sollten nur dann verordnet werden, wenn die Vorteile größer als mögliche Risiken sind. 

Wichtig zu wissen: Die Dosis des Betablockers sollte zu Beginn der Behandlung langsam gesteigert und die Atmung engmaschig überwacht werden. Dazu gehört eine häufigere Messung der Lungenfunktion als die sonst bei COPD empfohlene Kontrolle in einem Abstand von 6-12 Monaten. Zu diesem Schluss kommen unterschiedliche Forscherteams. 

Basiswissen: Betablocker

Betablocker blockieren die körpereigenen Beta-Rezeptoren, die für die Aktivierung des Nervensystems sorgen. Das sogenannte "sympathische Nervensystem" gehört zum "vegetativen Nervensystem", das wichtige Funktionen des Körpers unbewusst steuert. Ein aktivierter Sympathikus bewirkt unter anderem, dass sich die Blutgefäße verengen, die Bronchien weitstellen, das Herz schneller schlägt und der Blutdruck steigt. Betablocker verhindern dies und sind deshalb ein wichtiges Arzneimittel beispielsweise bei Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen.

Wichtig zu wissen: Heute stehen "kardioselektive Betablocker" zur Verfügung, die speziell auf Beta-1-Rezeptoren am Herzen wirken und nicht oder kaum Beta-2-Rezeptoren der Lunge blockieren. Dadurch können sie die gewünschte Wirkung am Herzen erzielen, ohne aber die Lungenfunktion einzuschränken. Aus diesem Grund sollten bei COPD laut Experten nur kardioselektive Betablocker zum Einsatz kommen, wie Bisoprolol, Metoprolol oder Nebivolol.