Ob und wer später eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bekommt, zeichnet sich bei drei von vier Patienten schon in der Kindheit ab. Ist ein bestimmter Lungenfunktions-Wert - der sogenannte FEV1-Wert - schon in der Kindheit schlechter als der Durchschnitt, erhöht sich das COPD-Risiko deutlich, so das Ergebnis zweier Untersuchungen, die im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht wurden.

Der FEV1-Wert (auch: Einsekundenkapazität) wird bei jedem Lungenfunktionstest gemessen. Die Patienten müssen in einer Sekunde so viel Luft ausatmen wie sie können. Ärzte nutzen den Test oft für Langzeituntersuchungen, um zu sehen, wie sich die Lunge entwickelt. Für die aktuelle Untersuchung hat ein australisches Forscherteam um Shyamali Dharmage von der Universität Melbourne die FEV1-Werte aus Langzeituntersuchungen von 8.583 tasmanischen Kindern (und späteren Erwachsenen) im Alter von 7, 13, 18, 45, 50 und 53 Jahren analysiert.

Typische Verschlechterung der Lungenfunktion

Mithilfe der FEV1-Messwerte je Patient erstellten sie einen Kurvenverlauf von dessen Lungenfunktion und verglichen dann die Kurvenverläufe aller Patienten. Es stellte sich heraus, dass es über alle Patienten hinweg sechs charakteristische Verläufe gab. Drei bedeuteten, dass das COPD-Risiko später erhöht war:

  1. Early below average, accelerated decline (übersetzt: früh unterdurchschnittlich, schneller Rückgang): Kinder aus dieser Gruppe hatten schon mit sieben Jahren einen ungewöhnlich niedrigen FEV1-Wert, der sich immer weiter verschlechterte. Hierzu gehörten vier Prozent der Teilnehmer. Die Hälfte von ihnen hatte mit 53 Jahren COPD.
  2. Persistently low (übersetzt: dauerhaft niedrig): Diese Gruppe hatte durchgängig schlechte Werte und machte sechs Prozent der Teilnehmer aus. 13 Prozent von ihnen bekamen COPD.
  3. Below average (übersetzt: unterdurchschnittlich): 32 Prozent der Teilnehmer gehörten zur Gruppe mit unterdurchschnittlichen FEV1-Werten. Hier erkrankten sechs Prozent an COPD.

In Summe traten etwa drei Viertel aller COPD-Erkrankungen in diesen Gruppen auf. Erstaunlich war, dass in diesen Gruppen die Lungenfunktion schon mit sieben Jahren schlechter war.

Geschädigte Kinderlunge gleich höheres COPD-Risiko?

Die Forscher schließen daraus, dass es schon in der Kindheit Faktoren gibt, die die Lunge schädigen und das spätere COPD-Risiko erhöhen. Als die Forscher die drei Gruppen mit den häufigen COPD-Erkrankungen unter die Lupe nahmen stellten sie fest, dass diese Kinder häufiger Asthma, Bronchitis, Lungenentzündung, allergischen Schnupfen oder Ekzeme hatten. Vielleicht waren sie auch durch Eltern mit Asthma erblich belastet.

Möglicherweise hat auch das Rauchen der Eltern die Kinderlunge dauerhaft geschädigt. Denn der Anteil der "Raucher-Mütter" war in den Gruppen höher, die öfter COPD bekamen. Aus Sicht der Forscher könnte das COPD-Risiko gesenkt werden, wenn die Eltern nicht rauchen.

Auch eine frühzeitige Behandlung von Asthma bei Kindern könne eine spätere COPD verhindern, mutmaßen die Wissenschaftler.