Eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung verursacht Beschwerden, die den Alltag verändern. Wer unter Atemnot und Husten, Gewichtsverlust, Schlafstörungen und Dauermüdigkeit leidet, muss früher oder später sein Leben radikal umstellen und oftmals auf liebgewonnene Aktivitäten verzichten. Dies fällt verständlicherweise schwer und kann bei der Verarbeitung ein Gefühl der "Trauer" oder Überlastung auslösen, aus der sich dann leicht eine depressive Verstimmung entwickeln kann - so der Fachbegriff für die Vorform - oder eine handfeste Depression.

Aber anstatt sich Hilfe zu holen, ziehen sich viele Betroffene zurück und als Folge verschlechtern sich laut aktueller Studien beide Erkrankungen, die Depression und die COPD. In einer großen amerikanischen Studie (National Emphysema Treatment Trial) konnte gezeigt werden, dass es bei COPD-Patienten mit einer Depression öfter zu einer stationären Behandlung kam und die Leistungsfähigkeit (6-Minuten-Gehstrecke) stark abnahm. Diesen Teufelskreis aus COPD und Depression gilt es zu durchbrechen, indem Sie Symptome rechtzeitig erkennen und geeignete Maßnahmen ergreifen.  

Wichtig zu wissen:

US-Experten konnten nachweisen, dass Depressionen und Angsterkrankungen bei COPD in einem Zusammenhang mit Fragen rund um Tod und Sterben gehäuft auftreten, auch zu Beginn der Erkrankung. Offenbar scheint es hilfreich, Sorgen und Ängste über den weiteren Verlauf der COPD anzusprechen und wenn möglich zu klären. 

Daran erkennen Sie eine Depression

Studien zeigen, wie schwierig es mitunter für Ärzte ist, bei einem normalen Kontrolltermin eine Depression als Zweiterkrankung zu diagnostizieren. Hier ist Ihre Mithilfe gefragt: Sobald Sie bei sich eine Depression vermuten, sollten Sie Ihren Arzt darauf ansprechen. Die typischen Beschwerden einer Depression können sich aber mit den Symptomen einer COPD überschneiden. Damit Sie trotzdem erkennen, wenn sich eine Depression ankündigt oder entwickelt hat, sollten Sie darauf achten, ob folgende Gefühle immer wieder auftreten:

  • gereizt sein oder wütend 
  • sich längere Zeit immer wieder traurig oder hoffnungslos fühlen 
  • Gedanken an Selbstmord haben
  • übermäßig empfindlich auf Kritik reagieren
  • sich als schuldig oder wertlos empfinden

Typische Symptome einer Depression sind: 

  • Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen
  • Konzentrationsprobleme oder Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen
  • Fehlendes Interesse an Menschen oder Aktivitäten
  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit 
  • Erhöhter oder verminderter Appetit
  • Psychosomatische Beschwerden wie Verdauungsprobleme, Kopf- oder Rückenschmerzen

Wichtig zu wissen:

Wenn Männer eine Depression entwickeln, kann sich dies laut gendermedizinischer Forschung anders als bei Frauen öfter auch als Unruhe, Gereiztheit und Problemen sich zu entspannen äußern. Viele Männer suchen die "Lösung" dann in einem gesteigerten Alkoholkonsum. 

Depression betrifft viele COPD-Patienten 

Psychische Erkrankungen gelten immer noch oft als "peinlich" oder "selbstverschuldet". Zu Unrecht, denn eine solche Einstellung ist kontraproduktiv und sogar gefährlich: Eine Depression für sich zu behalten und sich dafür zu schämen bedeutet, sie nicht früh genug zu behandeln und länger als nötig darunter zu leiden. Depressionen sind übrigens weiter verbreitet als viele Menschen meinen, also besteht kein Grund sich dafür als "Problempatient" zu fühlen. Wissenschaftlichen Studien zufolge leiden rund 40 Prozent der COPD-Patienten an einer mehr oder weniger ausgeprägten Depression, auch schon in der Frühphase der Erkrankung. Insofern muss es Ihnen nicht unangenehm sein, dem Arzt davon zu berichten und Angehörige um Unterstützung zu bitten. Die Therapie von Depressionen gehört zu einer optimalen COPD-Behandlung immer mit dazu. 

Eine fachgerechte, moderne Behandlung der Depression besteht generell aus verschiedenen Elementen, die je nach Befund zusammengestellt werden. Dazu gehören eine medikamentöse Therapie, Psychotherapie oder Verhaltenstherapie, aber auch Selbsthilfegruppen und Reha-Sport für COPD. Sollten Medikamente erforderlich sein, ist es sinnvoll auf Antidepressiva der Kategorie Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer zu verzichten. Laut Deutscher Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) treten bei diesen Medikamenten öfter Nebenwirkungen auf, wie Schläfrigkeit, Erbrechen und eine Beeinträchtigung des Immunsystems, die bei einer COPD nicht tolerabel sind.  

Tipps gegen Winterdepression:

Wer sich in den dunklen Monaten immer wieder depressiv fühlt, kann gegen diese "saisonale Depression" etwas tun. Tanken Sie Licht und gehen Sie täglich an der frischen Luft spazieren. Jeder Sonnenstrahl fördert die Vitamin D Bildung, was die Stimmung hebt und das Immunsystem stärkt.