Oft bleibt es nicht bei COPD, sondern es entwickeln sich außerdem noch so genannte "Begleiterkrankungen", wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen. Wer davon betroffen sein könnte, lässt sich derzeit noch nicht sicher eingrenzen. Dadurch gestaltet sich die Therapie einer COPD oftmals schwierig und muss immer wieder neu abgewogen und überdacht werden. Ärzte und Forscher sind sich heute einig, dass die Versorgung von COPD-Patienten nicht nach "Schema-F" erfolgen sollte. Je individueller behandelt werden kann, desto besser ist es für das Wohl des Patienten. 

Systemmedizin für eine bessere Versorgung 

Die so genannte "Systemmedizin" unterscheidet sich grundlegend von der bisherigen klassischen Medizin, die Daten in erster Linie bei bestehenden Krankheiten erfasst. Laut Forschern will die Systemmedizin anders vorgehen: Eine gezielte Vorbeugung zu entwickeln gehört dazu, ebenso wie eine Einbeziehung von Patienten. Die Basis dafür liefert ein möglichst großer, geprüfter und sicherer Datenpool, der unterschiedliche Krankheitsfaktoren räumlich und zeitlich voneinander getrennt nutzbar macht. Daraus berechnet eine Software dann computergestützte Modelle, die Ärzten für die Praxis zur Verfügung stehen. Mit diesen Modellen können verschiedene Kombinationen von Faktoren simuliert werden, also ein individueller, digitaler Testlauf für eine mögliche Therapie. 

Gemeinsam forschen: Das EU-Projekt SysMed-COPD

Laut einer aktuellen europäischen Studie sind Verbesserungen bei der Diagnostik und Behandlung in Richtung einer ganzheitlichen, individuell angepassten Versorgung dringend erforderlich. Aus diesem Grund wurde jetzt ein öffentlich geförderter, internationaler Forschungsverbund "Systemmedizin" gegründet. Das Ziel von SysMed-COPD: Die ärztliche Versorgung von COPD-Patienten soll mittels einer Software verbessert werden. 

Das Forscher-Team

Dem vom Forschungsministerium geförderten Verbund Systemmedizin gehören wissenschaftliche Arbeitsgruppen aus Deutschland, den Niederlanden und Norwegen an, sowie ein Technologieunternehmen aus Österreich. Die Leitung für das Thema COPD hat das Institut für Lungenforschung an der Universität Marburg. Durch gemeinsame Aktivitäten soll die Forschung in wichtigen Themenbereichen europaweit koordiniert werden.

Aus Fehlern lernen 

Aktuell bauen die Forscher des EU-Projektes die weltweit größte Datenbank zu COPD auf. Dazu erheben sie bei COPD-Patienten in einer Langzeitstudie regelmäßig wichtige klinische und molekulare Daten, beispielsweise durch bildgebende Verfahren und Labortests. Diese Informationen sollen dabei helfen, ein Computerprogramm zu entwickeln, das die Therapieentscheidung der behandelnden Ärzte unterstützt. Dabei kommt die neue Technologie des "maschinellen Lernens" oder auch "künstlichen Intelligenz" zum Einsatz, bei der sich der Computer durch neue Daten selbst korrigiert und weiterentwickelt. 

Im nächsten Schritt erstellen die Forscher computerbasierte dynamische Modelle, die künftig den Behandlungserfolg oder Risiken bei den drei zentralen COPD-Krankheitsfaktoren Entzündung, Ausbreitung und Geweberegenerierung vorhersagen. In Zukunft soll diese Software auch zur Planung von vorbeugenden Maßnahmen genutzt werden.