Der Kampf um ausreichend Luft und Sauerstoff begleitet Menschen mit COPD täglich. Wer unter chronischer Atemnot leidet muss sich im Alltag immer mehr einschränken, wenn die Krankheit fortschreitet. Sport und Bewegung sind dann unter Umständen kaum noch möglich, was wiederum den Verlauf der COPD verschlechtert.

Lungenfachärzte suchen  deshalb nach wirksamen Therapien, die auch eine schwere Atemnot effektiv lindern und in den Griff bekommen. Dabei spielen Überlegungen zum "Nutzen-Risiko-Verhältnis" eine wichtige Rolle.

Ein Arzneimittel muss optimal wirken, aber es darf dabei nur so wenig Nebenwirkungen verursachen wie möglich. Nicht immer ist beides möglich, vor allem bei starken Medikamenten wie Morphin. Ein niederländisches Forschungsinstitut hat jetzt einen Ausweg aus diesem Dilemma gefunden.  

Die Dosis macht den Unterschied

Morphin gehört als Medikament zu den sogenannten "Opiaten", die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen und nur mit strenger Indikation verordnet werden dürfen. Morphin wird in erster Linie auf Grund seiner schmerzlindernden Wirkung bei der Therapie von akuten oder chronischen Schmerzen eingesetzt, wie sie nach Operationen, in der Krebsbehandlung und im Endstadium palliativ vorkommen.

Als erwünschter Nebeneffekt wirkt Morphin zusätzlich noch angstlindernd und dämpft dabei auch das zentrale Nervensystem. Auf diese Weise wirkt es natürlich auch auf das Atemzentrum und reduziert dort den Hustenreiz. Das ist einerseits positiv und reduziert Luftnot, aber kann in zu hoher Dosierung auch zu einer gefährlichen Unterdrückung der Atmung führen und den CO2-Gehalt erhöhen.

Bei einer solchen "Atemdepression" kommt es zu einer stark verlangsamten Atmung und zur Kurzatmigkeit. Beides ist bei COPD genauso wie bei gesunden Menschen nicht tolerierbar. Eine neue randomisiert-kontrollierte Studie zeigte jetzt aber, dass die Angst vor einer Atemdepression durch die Therapie mit Morphin mit der richtigen Dosierung unbegründet ist. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal JAMA Innere Medizin veröffentlicht und geben Menschen mit COPD und Atemnot einen Anlass zur Hoffnung. 

Niederländische Morphin-Studie

Die Studie des Ciro-Therapiezentrums untersuchte die Wirkung und Nebenwirkungen von niedrigdosiertem, retardiertem Morphin bei Atemnot, die durch COPD verursacht wurde. Das Team befragte insgesamt 111 Menschen mit COPD, die durchschnittlich 65 Jahre alt waren. Alle Probanden litten trotz Therapie an einer moderaten bis schweren Atemnot.

Nach einem Zeitraum von vier Wochen verglichen die Forscher die Daten der Teilnehmer, die zweimal am Tag 10 mg Morphin erhielten, mit den Daten der Vergleichsgruppe. Ihnen wurde ein Scheinmedikament verabreicht. Das Ergebnis war signifikant: Die Belastbarkeit der Lunge hatte sich unter Morphin deutlich verbessert, beispielsweise fiel das Treppensteigen viel leichter. Ebenso hatte sich die Atemnot verbessert. 

Fazit: Die Therapie der Atemnot mit niedrigdosiertem Morphin mit verzögertem Eintritt der Wirkung (Retard) verursacht zwar eine, für diesen Wirkstoff typische Verstopfung, aber hatte überraschenderweise keine respiratorischen, das heißt die Atmung betreffende Nebenwirkungen, wie zum Beispiel eine Atemdepression. 

So können Sie die Therapie unterstützen 

Eine gute und effektive medikamentöse Therapie der Atemnot bei COPD ist enorm wichtig, um die Krankheit in den Griff zu bekommen. Aber auch das eigene Verhalten und die innere Haltung haben einen großen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung und die Atemnot. Selbst aktiv zu werden, hilft dem Gefühl der Ohnmacht bei Atemnot besser zu begegnen. Mit den folgenden drei Maßnahmen können Menschen mit COPD die Atemnot lindern oder vorbeugen: 

Eine sichere Atmosphäre schaffen

Eine akute Atemnot wird oft durch Stress verstärkt oder sogar ausgelöst. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich zu Hause und wenn möglich beruflich eine Atmosphäre zu schaffen, in der man möglichst gut und stressfrei leben kann. 

Zur Ruhe kommen

Mit Hilfe von Achtsamkeitstraining und Meditation lässt sich Stress abbauen, der sich im Laufe des Tages angesammelt hat. Ähnlich wie Zähneputzen sollte dies zur täglichen "Seelenhygiene" werden. Dadurch wird die mentale Technik des Meditierens so gut geübt, dass sie auch im Notfall entspannt zur Verfügung steht. 

Keine Angst vor körperlichen Belastungen

Viele Menschen mit Atemnot neigen dazu, körperlichen Belastungen aus dem Weg zu gehen, was wiederum die Atemnot begünstigt. Aus diesem Grund sind regelmäßige körperliche Aktivitäten auch bei Beschwerden besonders wichtig. Dabei gilt es, auf das eigene Körpergefühl zu hören und sich nicht zu überfordern. Dabei hilft es, Sport und Bewegung so zu gestalten, dass sie Spaß machen und zugleich trainieren.