Gerade im Winter kann sich durch Kälte, virale oder bakterielle Infekte eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung plötzlich verschlechtern. In der Regel kennen Patienten solche "schlechten Tage" und haben gelernt damit umzugehen, indem sie zum Beispiel ihre Notfallmedikamente einsetzen. Reagieren die Atemwege aber auch darauf nicht, können zunehmende Luftnot und Husten Panik auslösen, was die Lungenfunktion und das Allgemeinbefinden weiter verschlechtert. Angehörige sind in solchen Situationen oft das Zünglein an der Waage: Geraten sie auch in Panik, belastet dies zusätzlich. Bewahren sie aber Ruhe und wissen, was zu tun oder zu sagen ist, kann die Unterstützung durch Angehörige nicht nur entlastend sein, sondern auch Leben retten. Besprechen Sie deshalb mit nahen Menschen einen Notfallplan, der Angehörigen im Ernstfall als Erinnerungsstütze dient. 

So erstellen Sie gemeinsam einen Notfallplan

Ein Notfall ist immer eine aufregende, hektische Situation, übrigens auch für Ärzte und Sanitäter. Deshalb sollte ein schriftlicher Notfallplan mit den erforderlichen Informationen für alle Beteiligten gut sichtbar aufbewahrt werden, am besten griffbereit im Notfallset. Schreiben Sie dort nach einer ärztlichen Beratung das Wichtigste auf und besprechen Sie den Ablauf in einem ruhigen Moment mit ihren Angehörigen. 

Wichtige Informationen:

  1. Adresse Hausarzt/ Lungenfacharzt/ Klinik  
  2. Aktuelle Dauermedikation (hierzu gehören alle Arzneimittel, die Sie einnehmen) 
  3. Notfallmedikamente mit Dosierungsschema 
  4. Patientendaten (Name, Alter, etc.) und Datum der Erstellung (Stand xx) 

Folgende Maßnahmen können auf dem Notfallplan stehen:

  1. Ruhe bewahren und beruhigen - Sagen Sie im Beisein des Betroffenen auf eine ruhige Weise nur Positives, wie "Bleib ganz ruhig, das schaffen wir schon". (Ein lachender Smiley ist hier eine gute Erinnerung) 
  2. Atmung und Körperhaltung: Leiten Sie eine tiefe ruhige Atmung bzw. die Lippenbremse an und erinnern Sie an den Kutschersitz, wenn der Betroffene zu schnell und zu flach atmet und sichtbar unter Luftnot leidet. 
  3. Frische Luft oder ein Luftzug lindern laut Studien die Atemnot. Öffnen Sie also am besten ein Fenster und holen Sie einen kleinen Handventilator oder fächeln Sie dem Betroffenen etwas Luft zu. (Exakte Beschreibung von Atemtechniken aus der Patientenschulung hier kurz aufschreiben) 
  4. Notfallset: Holen Sie das bereitgestellte Notfallset mit dem kurzwirksamen bronchialerweiternden Notfallspray bzw. Medikament und der Inhalierhilfe. (Genaues Dosierungsschema, das mit dem Arzt abgesprochen ist, hier einfügen und regelmäßig beim Arztbesuch aktualisieren)
  5. Notarzt rufen: Nehmen die Beschwerden zu und die Maßnahmen bleiben erfolglos oder treten Warnzeichen wie blau verfärbte Lippen und Schwellungen auf, sollten Sie den Betroffenen je nach Befinden sofort zum Arzt bringen oder einen Notarzt anrufen.

Notfall vermeiden, Warnzeichen ernstnehmen

Plötzliche Verschlechterungen - "Exazerbationen einer COPD", wie Mediziner dies nennen - kündigen sich häufig mit folgenden Warnzeichen an:

  • Zunahme der Atemnot
  • Verstärkung des Hustens
  • Veränderung des Auswurfs (Menge, Farbe, Zähigkeit)
  • Abnahme der körperlichen Belastbarkeit
  • Steigender Verbrauch an Notfallspray
  • Verschlechterung der Peak-Flow-Werte
  • Anzeichen eines Infektes (z.B. Fieber, gelb-grüner Auswurf)

Um einen wirklichen Notfall zu vermeiden, sollten Sie diese Zeichen unbedingt ernst nehmen und sich mit Ihrem Lungenfacharzt in Verbindung setzen. Manchmal reicht es schon, die Dosierung Ihrer Medikamente etwas zu erhöhen oder einen Infekt richtig zu behandeln und die Lunge stabilisiert sich wieder. 

Unser Tipp:

Sanitäter erleben immer wieder, dass Angehörige sehr aufgeregt sind und mitunter selbst Symptome entwickeln. Deshalb sollten sie im Notfall auch gut auf sich selbst achten, also ruhig atmen trotz Atemnot des Betroffenen und sich durch positive Botschaften selbst motivieren, die Nerven zu bewahren. Ein Hinweis darauf im Notfallplan ist sinnvoll.