Vielen Menschen mit einer stabilen chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) bringt es nichts, wenn sie über lange Zeit eine Sauerstofftherapie bekommen. So lautet das Fazit einer Analyse, die im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Demnach sind die Patienten weder fitter oder haben eine bessere Lungenfunktion, noch müssen sie seltener ins Krankenhaus. Auch ihre Lebensqualität verbesserte sich nicht.

Das bedeutet aber nicht, dass die Langzeit-Sauerstofftherapie nutzlos ist. Es kommt vielmehr darauf an, dass die richtigen Patienten die Sauerstofftherapie bekommen. Das verdeutlicht auch die aktuelle Studie.

Studie mit 738 COPD-Patienten

An der Untersuchung des Forscher-Teams um Prof. Richard. K. Albert von der Abteilung für Lungenheilkunde und Intensivmedizin der Universität von Colorado (USA) haben 738 COPD-Patienten aus 42 Klinik-Zentren teilgenommen. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei gleich große Gruppen aufgeteilt. Die eine bekam Langzeit-Sauerstoff ("Sauerstoff-Gruppe"), die andere keinen Sauerstoff ("Kontroll-Gruppe").

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Teilnehmer der Sauerstoff-Gruppe keine Vorteile hatten: Sie mussten genauso oft ins Krankenhaus wie die Kontrollgruppe ohne Sauerstoff. Und sie litten nicht seltener an vorübergehenden Verschlechterungen der Krankheit, sogenannten COPD-Exazerbationen. Zudem hatten sie keine bessere Lungenfunktion und auch beim sogenannten Sechs-Minuten-Gehtest - einem speziellen Fitnesstest - schnitten sie nicht besser ab. Auch die Lebensqualität verbesserte sich nicht.

Keine Wirkung feststellbar - warum? 

An der Studie nahmen nur Patienten teil, die genug Sauerstoff im Blut hatten. Ihr Sauerstoff-Sättigungsgrad, ein Maß für die Sauerstoff-Konzentration im Blut, lag bei mindestens 89 Prozent und ging hoch auf bis zu 93 Prozent. Es handelte sich um Patienten, denen es vergleichsweise gut ging. Die Behandlungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin sehen eine Sauerstofftherapie aber erst bei einem deutlich niedrigeren Sauerstoff-Sättigungsgrad vor. Also bei Patienten, denen es sehr schlecht geht.

Nach Meinung von Experten sei deswegen nach wie vor sicher, dass Patienten mit einem niedrigen Sauerstoff-Sättigungsgrad eine Sauerstofftherapie nutzt. Je größer der Sauerstoffmangel ist, desto mehr kann auch eine Sauerstofftherapie helfen und den Mangel zumindest teilweise ausgleichen. 

So spricht sich auch Dr. Magnus Ekström vom Institut für Atemwegserkrankungen und Allergologie der Lund-Universität Karlskrona (Schweden) in einem Kommentar zur Studie weiterhin für die Langzeit-Sauerstofftherapie aus. Sie helfe COPD-Patienten, die chronisch, sprich länger als drei Wochen und auch in Ruhe, unter schwerem Sauerstoffmangel leiden.