Bei einer chronischen obstruktiven Lungenerkrankung kommt es zu einer dauerhaften Verengung der Atemwege, wodurch besonders das Ausatmen erschwert ist. Atemnot oder Husten sind typische Folgen, die sich bei körperlichen Aktivitäten noch verstärken. Viele COPD-Patienten vermeiden es deshalb, sich sportlich zu betätigen oder einfach nur den Alltag bewegungsfreundlicher zu gestalten. Dadurch verschlimmert sich aber das Krankheitsbild nachweislich. Laut Experten des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) sind regelmäßiger Sport für den Verlauf einer COPD entscheidend, da jede Form von "mehr" Bewegung einen positiven Effekt auf die körperliche und psychische Belastbarkeit hat. 

Sport-Studie Deutsches Zentrum für Lungenforschung (DZL)

Der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und dem Krankheitsverlauf der COPD wurde in einer Studie des DZL genauer erforscht. Die Forscher führten dazu eine Langzeitstudie durch, wobei die Teilnehmer über einen Zeitraum von drei Jahren mehrfach jeweils eine Woche lang einen Bewegungsmesser bei sich trugen. Dieser erfasste die körperliche Aktivität und den Kalorienverbrauch.

Das Ergebnis: Mit abnehmender körperlicher Aktivität reduzierte sich im Verlauf einer COPD auch die Muskelmasse deutlich. Nimmt die Muskelmasse in den Atemwegen ab, sinkt bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung die Belastbarkeit der Lunge und die Beschwerden nehmen zu. Durch das Vermeidungsverhalten entsteht also ein Teufelskreis, der aber durch mehr Aktivität überwunden werden kann. 

Sport und Bewegung ohne Atemnot

Der erste Schritt aus dem Teufelskreis besteht darin einen Weg zu finden, regelmäßig Sport zu treiben ohne in Atemnot zu geraten. Durch die Kontinuität beim Sport steigt die Motivation sich mehr zu bewegen, die Atemmuskulatur wird trainiert und mit der Zeit erweitern sich Bewegungsradius und körperliche Belastbarkeit. Diese "Aufwärtsspirale" können Sie durch folgende Tipps in Gang setzen: 

Basics für sportliche Aktivitäten: 

  • Vorher in Ruhe oder vielleicht sogar im Sitzen aufwärmen
  • Trainingsintensität langsam steigern und sich nicht überanstrengen
  • Morgens oder am frühen Abend trainieren 
  • Notfallmedikamente griffbereit halten

Je nach Schwere der Erkrankung, sollte der Einstieg variabel gewählt werden. Bei einer stabilen COPD eignen sich vor allem Ausdauersportarten, beispielsweise Wandern, Walken oder Schwimmen. Dadurch wird nicht nur die Lunge trainiert, sondern auch der Kreislauf in Schwung gebracht und das Herz gestärkt. Je geringer die Belastbarkeit, desto wichtiger ist ein individuell passendes, schonendes Krafttraining, um Muskelmasse aufzubauen. Vor Beginn sollten sich Betroffene von ihrem Lungenfacharzt beraten lassen. 

Tipp: Vielen Menschen mit COPD hilft es, wenn sie vor oder nach dem Sport Atemübungen durchführen. Dazu gehören vor allem zwei effektive Übungen, die unkompliziert in das Training integriert werden können und auch bei beginnender Atemnot hilfreich sind: 

 "Kutscher-Sitz": Setzten Sie sich aufrecht auf einen Stuhl, stützen Sie mit leicht nach vorne gelehntem Oberkörper beide Arme auf den Knien ab und atmen Sie in Ruhe ein und aus. Dies aktiviert Ihre Atemhilfsmuskulatur. 

 "Lippenbremse": Legen Sie bei der Ausatmung die Lippen locker aufeinander und atmen Sie langsam und vollständig gegen den Widerstand der Lippen aus. Hierbei entsteht ein Strömungsgeräusch. Durch die Lippenbremse wird der Luftdruck in den Bronchien erhöht und die Verengung der Atemwege verhindert. 

Starthilfe für einen guten Anfang

Aller Anfang ist meist schwer, deshalb sollten sich COPD-Patienten den Start so einfach wie möglich gestalten. Hilfreich ist beispielsweise ein einfacher Schrittzähler, den man als App auf das Handy laden kann. Durch diese Methode lässt sich das erreichte Tagespensum besser einschätzen und es motiviert durch handfeste Zahlen. Andere Hilfsmittel wie beispielsweise E-Bikes können beim Ausdauersport von Vorteil sein, wenn die Intensität langsam gesteigert werden soll. Lungensportgruppen eignen sich besonders gut, wenn eine Anleitung gewünscht wird. Das gemeinsame Trainieren motiviert und unterstützt, um am Ball zu bleiben. 

Wichtig zu wissen: COPD-Erkrankte sollten bei körperlichen Belastungen immer auch ihre momentane Tagesverfassung berücksichtigen. Grundsätzlich gilt, dass die Betroffenen das Maß der sportlichen Intensität an ihre individuellen körperlichen Grenzen anpassen sollten. Und: Bewegung darf Spaß machen!