An der COPD-Entstehung sind Entzündungen des Lungengewebes maßgeblich beteiligt. Hauptursache dieser Entzündungen ist eine chronische Belastung mit schädlichen Gasen oder Partikeln wie zum Beispiel Zigarettenrauch. Als Reaktion auf den Reiz reagiert die Lunge mit vermehrter Schleimproduktion und Reizhusten. Außerdem kommt es zu krankhaften Veränderungen der Atemwege, in deren Folge auch Lungenbläschen zerstört werden. Sie stehen nicht mehr für den Gasaustausch und damit für die Atmung zur Verfügung. Auch ein aktives und empfindliches Immunsystem ist an der COPD-Entstehung beteiligt, da die Zahl von Immunzellen in der Lunge von Betroffenen stark erhöht ist.

Versuche mit Mäusen

Wissenschaftler vom Comprehensive Pneumology Center (CPC) am Helmholtz Zentrum München konnten nun in Tierversuchen mit Mäusen zeigen, dass ein weiterer Faktor eine Rolle spielt: das Alter. Denn mit zunehmendem Alter scheinen die Entzündungsprozesse in den Lungenzellen natürlicherweise zuzunehmen. Dieser Effekt verstärkte sich, wenn die Lunge zusätzlich durch Zigarettenrauch belastet war. 

In ihren Versuchen schauten sich die Wissenschaftler um Prof. Dr. Oliver Eickelberg die Immunzellen in der Lunge von Mäusen genauer an, die maßgeblich an den Entzündungsprozessen beteiligt sind. Sie stellten fest, dass die Abwehrzellen alter Tiere auf Zigarettenrauch deutlich gereizter reagierten als die Immunzellen junger Mäuse.

Die Lungen älterer Tiere reagierten empfindlicher

Das Immunsystem löste als Folge des Rauchs stärkere Entzündungen in den Lungenzellen aus, da die Abwehrzellen der älteren Tiere anfälliger waren. Es zeigte sich auch, dass die älteren Mäuse, verstärkt durch den Zigarettenrauch, deutlich mehr Lungenschäden entwickelten als die Jungtiere. 

So war die Lungenfunktion der älteren Tiere schlechter und ihr Lungengewebe stärker geschädigt. Außerdem bekamen sie häufiger ein Lungenemphysem. Dabei sind die Lungenbläschen, in denen der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid stattfindet, zum Teil zerstört und überdehnt. Ihre Oberfläche wird immer kleiner. Betroffene können nicht mehr gut ausatmen, weil die kleinen Bronchien, die in die Lungenbläschen münden, in sich zusammenfallen. Außerdem überbläht sich die Lunge zunehmend. Ein Lungenemphysem tritt häufig zusammen mit einer chronisch-obstruktiven Bronchitis auf. Beide Krankheiten werden unter dem Begriff COPD zusammengefasst. 

Die Ergebnisse zeigten, so die Wissenschaftler, dass altersbedingte Entzündungen die COPD beschleunigen können und dass die Immunantwort gealterter Lungen daran maßgeblich beteiligt ist. Sie verbessern das Verständnis für die Erkrankung auf molekularer und zellulärer Ebene und schaffen die Voraussetzung dafür, gezielt Wirkstoffe gegen COPD zu entwickeln. Denn gegen die Krankheit gibt es bis heute wenige Behandlungen, die direkt an den Ursachen ansetzen.