Um das schöne Wetter zu genießen, zieht es gerade im Sommer viele Menschen nach draußen. Ein frisches Glas Bier oder ein kühler Wein gehören für einen Großteil der Deutschen zum "Genuss" meist dazu. Laut Experten wird dabei die negative Wirkung von Alkohol auf Körper und Psyche immer noch unterschätzt. 

Ein Blick in die Statistik zeigt: Auch wenn der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol in den letzten Jahren gesunken ist, zählt Deutschland im europäischen Vergleich nach wie vor zu den absoluten Spitzenreitern und der Pro-Kopf-Verbrauch liegt weit über dem Durchschnitt anderer Länder. Was für Gesunde schon problematisch ist, hat aber neuesten Erkenntnissen zufolge vor allem für Menschen mit Typ-2-Diabetes besonders negative Folgen. 

Festlich und schön, aber trotzdem giftig 

Alkohol ist und bleibt ein Zellgift, auch wenn er in leuchtenden Farben und schönen Gläsern noch so verlockend aussieht. Nach der Aufnahme des Alkohols vom Darm ins Blut, hemmt er die Freisetzung von Glukose aus der Leber und blockiert die Ausschüttung von Glukagon. Diese Gegenspieler des Insulins haben aber die Aufgabe, bei einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel diesen durch energiereiche Glukose aus gespeichertem Glykogen rasch wieder zu normalisieren. Bei Typ-2-Diabetes führt Alkohol deshalb schnell zu einer Unterzuckerung, aber das ist noch nicht alles.

Anders als vermutet, beeinflusst die Kombination aus Alkohol und Diabetes auch das Herzkreislauf-System. Je mehr Alkohol konsumiert wird, desto größer ist das Risiko an Bluthochdruck zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kamen jetzt Forscher der Universität von North Carolina, die in einer Querschnittstudie vorbeugende Maßnahmen prüften. 

ACCORD-Studie: Diabetes & Herzkreislauferkrankungen 

Ein maßvoller Konsum von Alkohol führt schon bei gesunden Menschen zu einem leicht erhöhten Risiko für Bluthochdruck, aber wie sieht es mit Typ-2-Diabetes aus? Dieser Frage gingen jetzt Forscher der Universität North Carolina im Rahmen der ACCORD-Studie nach - "Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes". In die Auswertung flossen die Daten von insgesamt 10.000 Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes.

Das Ergebnis: Bei einem moderaten, aber regelmäßigen Konsum von Alkohol (= 8 bis 14 Standard-Drinks pro Woche) lag die Wahrscheinlichkeit, mit der Zeit an Bluthochdruck zu erkranken, bereits bei 79 Prozent. Ab 15 Standard-Drinks pro Woche stieg das Risiko sogar noch stärker an. 

Fazit: Auch wenn Querschnittsstudien weniger aussagekräftig sind als Beobachtungsstudien, konnte erstmals nachgewiesen werden, dass selbst moderater Alkoholkonsum bei Typ-2-Diabetes den Blutdruck ungünstig beeinflusst. Für Diabetes gilt deshalb der Rat, Alkohol nur selten zu trinken und in Maßen. 

Ein Standardglas enthält 10 bis 12 Gramm Alkohol. Folgende Mengen gelten pro Standardglas:

  • Bier: 0,3 l
  • Wein: 0,125 l
  • Sekt: 0,1 l
  • Schnaps: 4 cl

Risikoarmer Konsum von Alkohol bedeutet: Mindestens 2 alkoholfreie Tage pro Woche und ein tägliches Limit von 1 Standardglas für Frauen und Männer über 65 Jahren. Für jüngere Männer sind 2 Standardgläser an 5 Tagen pro Woche erlaubt.

Unterzuckerung vermeiden 

Mit Diabetes wäre es angesichts der zahlreichen, negativen Auswirkungen von Alkohol - von Unterzuckerung bis hin zu erhöhter Unfallgefahr - sicherlich die vernünftigste Lösung, vollständig auf Alkohol zu verzichten. Die gesparten Kalorien könnten außerdem das Abnehmen erleichtern, was sich auf den Blutzuckerspiegel eindeutig positiv auswirkt. Wer Alkohol dennoch nicht ganz aus seinem Leben streichen will, sollte die folgenden Tipps beachten:

Kein Alkohol ohne Essen

Trinken Sie Alkohol am besten nur während der Mahlzeiten, denn zum Beispiel Kohlenhydrate können eine Unterzuckerung verhindern. 

Traubenzucker und Co. mitnehmen

Spüren Sie die typischen Symptome einer Unterzuckerung, wie Zittern oder Schweißausbrüche, sollten Sie sofort Gegenmaßnahmen ergreifen können. Nehmen Sie sich deshalb zum Beispiel Bonbons aus Traubenzucker mit, wenn Sie ausgehen und vorhaben, Alkohol zu trinken.

Zusätzliche Messung vor der Nacht

Prüfen Sie den Blutzucker bevor Sie schlafen gehen, denn die Wirkung von Alkohol auf den Blutzuckerspiegel kann lange anhalten. Dadurch können Sie bei Bedarf reagieren, so dass es nicht zu einer Unterzuckerung im Schlaf kommt. 

Bewegung einkalkulieren

Trinken Sie Alkohol und bewegen sich mehr als sonst, beispielsweise bei einer Tanzveranstaltung, wird die Gefahr der Unterzuckerung durch den Alkohol noch verstärkt. Hilfreich ist es deshalb, bei solchen Anlässen oder nach dem Sport keinen Alkohol zu trinken. 

Wichtig zu wissen:

Die Gefahr einer Unterzuckerung steigt übrigens mit der Menge an Alkohol, aber auch mit den Prozenten. Je hochprozentiger ein Getränk, desto größer ist die Gefahr einer Unterzuckerung.