In den ersten zwölf Lebensmonaten sollten Eltern ihr Neugeborenes besonders gut vor Atemwegserkrankungen wie etwa Entzündungen der Nasen- und Rachenschleimhhaut schützen. Diese können das Risiko für Typ-1-Diabetes erhöhen. Das Risiko gilt aber nur dann, wenn mindestens ein Elternteil an Typ-1-Diabetes erkrankt ist - die genetische Weitergabe also erhöht ist.

Bei Typ-1-Diabetes produziert das Abwehrsystem fälschlicherweise Antikörper gegen die Insulin-bildenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse, die durch diese Stück für Stück zerstört werden. Die sogenannte Inselautoimmunität entwickelt sich oft schon im Alter von sechs Lebensmonaten bis drei Jahren. 

Die Studie "BABYDIET" hat nach Ursachen gesucht. Die Forscher analysierten dazu die Daten von 148 Kindern, bei denen mindestens ein Elternteil zu Studienbeginn an Typ-1-Diabetes erkrankt war. Außerdem waren die betroffenen Eltern Träger bestimmter Risikogene.

Tägliche Infektionsprotokolle von 148 Kindern in den ersten drei Jahren

Für die Untersuchung führten die Eltern in den ersten drei Lebensjahren ihrer Kinder tägliche Infektionsprotokolle. Insgesamt dokumentierten sie mehr als 90.000 Tage und 1.245 Infektionen, die nach Atemwegsinfektionen, Magen-Darm-Infektionen und sonstigen Infektionen unterschieden wurden. Außerdem notierten sie, wenn Fieber auftrat und die Medikamente, die ihre Kinder in dieser Zeit einnahmen. Darüber hinaus wurde das Blut der Kleinkinder alle drei Monate auf Antikörper gegen die Insulin-produzierenden Zellen untersucht.  

Das Ergebnis: Kleinkinder, bei denen die Forscher zwischen sechs Monaten und drei Jahren entsprechende Antikörper fanden, hatten vorher auffällig häufig Atemwegsinfektionen - vor allem Entzündungen der Nasen- und Rachenschleimhaut. Besonders hoch war das Risiko, wenn die Kinder im ersten Lebensjahr mehr als fünfmal einen Atemwegsinfekt hatten. 

Entzündungs-Milieu verantwortlich?

Aufgrund ihrer Untersuchungen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass kein bestimmter Krankheitserreger das Risiko für Typ-1-Diabetes erhöht. Sie mutmaßen, dass die hohe Zahl an Infektionen im frühen Kindesalter ausschlaggebend ist. Möglicherweise schaffe sie ein "Entzündungs-Milieu", dass das Risiko bei genetisch vorbelasteten Kindern erhöht. Warum sie den Zusammenhang nur bei Atemwegsinfekten fanden - bei allen anderen Infekten dagegen nicht - können die Forscher nicht erklären. Hier bedürfe es weiterer Forschungen.

Die Analyse zeige jedoch, dass häufige Atemwegserkrankungen im ersten Lebensjahr das Risiko für Typ-1-Diabetes erhöhen können. Dazu passt auch, dass die Zahl der Infektionen nach den ersten sechs Lebensmonaten stark anstieg. Fast zeitgleich fanden die Forscher auch die ersten Kinder mit den zerstörerischen Antikörpern gegen die insulin-produzierenden Zellen.