Mit dem schönen botanischen Namen "Darmflora" bezeichnen Mediziner alle Mikroorganismen, die in Ihrem Darm leben. Heute sind den Forschern mehr als 400 verschiedene Darmbakterienarten bekannt, die meist an der Darmwand im Dickdarm angesiedelt sind. Schützende Darmbakterien haben für Ihre Gesundheit wichtige Funktionen. Je mehr verschiedene Bakterienarten, desto besser. Denn sie verdauen je nach Bakterientyp nicht nur die unterschiedlichen Bestandteile der aufgenommenen Nahrung, sondern sie halten auch schädliche Darmbakterien in Schach, vorausgesetzt sie sind in der Überzahl.

Wenn das Gleichgewicht im Bauch aus dem Lot kommt

Neue Forschung hat im Tierversuch und jetzt auch bei Patienten gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen Typ1-Diabetes und der Darmflora gibt. Verändert sich die Zusammensetzung der Bakterien im Darm, zum Beispiel durch ungesunde Ernährung, regelmäßigen Konsum von Alkohol, Antibiotika oder auch Medikamente gegen Sodbrennen, nimmt die Zahl und die Menge der schützenden Bakterienstämme ab und die so genannten "pathogenen" , das heißt krankmachende, Keime nehmen zu. Dadurch entsteht im Darm eine anhaltende Entzündung, die der Betroffene aber nicht direkt wahrnehmen kann. Die Entzündungszellen können jedoch die Bauchspeicheldrüse angreifen, was dann zu Typ1-Diabetes führen kann oder eine bestehende Erkrankung verschlechtert. Die Ergebnisse der Studie wurden in der renommierten US-Fachzeitschrift Science Reports veröffentlicht. 

So reguliert der Darm das Immunsystem

Um die Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems gut zu regulieren, ist eine gute Darmflora ebenfalls entscheidend. Mediziner sprechen hier von einer "immunologischen Toleranz". Das bedeutet, spezielle Regulationsmechanismen im Darm sorgen dafür, dass es nicht zu einem Angriff der Abwehrzellen auf den eigenen Körper kommt, wie dies bei Allergien oder Autoimmunerkrankungen, wie Typ1-Diabetes der Fall ist. An dieser Toleranz sind schützende Darmbakterien beteiligt.

Wichtig zu wissen: Wie sich diese neuen Erkenntnisse für die Therapie von Typ1-Diabetes nutzen lassen, wird derzeit von Experten diskutiert. Eine offizielle Empfehlung für Pro- und Präbiotikakuren mit nützlichen Darmbakterien ist deshalb verfrüht. Dennoch können Sie durch eine gesunde Ernährung und durch den gezielten Wiederaufbau der Darmflora zum Beispiel nach Antibiotika selbst aktiv werden.