Wie hängen Diabetes und die Psyche zusammen?

Eine chronische Erkrankung wie Typ-2-Diabetes ist schon rein körperlich herausfordernd: Medikamente sind ständige Begleiter, der Blutzuckerspiegel muss überwacht werden, die Reaktionen des Körpers sind zu beobachten. Auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Ernährung und eine eventuell notwendige Umstellung des Lebensstils erfordern Disziplin. Zusätzlich drohen diabetische Folgeerkrankungen.

All diese Faktoren können auch die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Manch einer fühlt sich überfordert und ausgegrenzt, was langfristig das Selbstwertgefühl belasten kann. Unerkannt und unbehandelt wirkt sich das wiederum körperlich aus, denn dadurch wird es noch schwerer, der Therapie treu zu bleiben. Am häufigsten treten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes Depressionen und Angststörungen auf.

Depressionen erkennen

Das Depressionsrisiko bei Typ-2-Diabetes ist höher als bei Gesunden. Charakteristisch bei dieser psychischen Erkrankung ist eine anhaltende gedrückte Stimmung. Sie kann sich durch Traurigkeit und Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Teilnahmslosigkeit äußern. Chronische Müdigkeit sowie Schlaflosigkeit sind weitere Anzeichen. Der Unterschied zu einer Verstimmung oder schlechter Laune ist die Dauer: Wenn der Zustand länger als zwei Wochen anhält, sollten Sie nicht zögern, einen Facharzt oder Therapeuten aufzusuchen. Eine gezielte Behandlung mit Medikamenten (sogenannten Antidepressiva) kann gute Erfolge erzielen.

Für eine langfristig effektive Behandlung müssen aber zugrunde liegende Mechanismen aufgedeckt und Veränderungen im Umgang mit der Erkrankung angestrebt werden. Sinnvoll ist hierfür eine psychotherapeutische Begleitung. Aber auch Sie selbst können viel für Ihre Stimmung tun: Bewegung, vor allem im Freien, wirkt sich stimmungsaufhellend aus. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihren Angehörigen oder in Selbsthilfegruppen über Ihre Erkrankung zu sprechen - das kann Missverständnissen oder einem Rückzug in soziale Isolation vorbeugen.

Angststörungen verstehen

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben nicht häufiger Angststörungen als Gesunde. Bei ihnen gibt es aber den direkten Bezug zur Krankheit. Im Vordergrund stehen Ängste um die Blutzuckereinstellung und Folgeerkrankungen. Die Angst zuzunehmen lässt bei manchen Patienten eine Essstörung entstehen. Eher selten ist eine starke Angst vor den Insulinspritzen. Auch Angststörungen sind mit Medikamenten und mit Psychotherapie behandelbar. Ebenso wichtig wie bei der Depression ist hierbei, mit dem Arzt zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Hier finden Sie Rat und Hilfe

  • Für einen ersten Selbstcheck bietet die Stiftung Deutsche Depressionshilfe einen anonymen Online-Test mit zehn Fragen an.
  • Bei Psychotherapeuten sind die Wartezeiten für eine Behandlung oft lang. Versuchen Sie, über die Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Ihres Bundeslandes, einen Therapeuten mit freien Kapazitäten zu finden.
  • Die Bundespsychotherapeutenkammer unterstützt die Ausbildung spezieller Diabetes-Psychotherapeuten und hilft bei der Suche nach diesen Psychodiabetologen.
  • Auch über die Deutsche Diabetes Gesellschaft können Sie Psychodiabetologen suchen.
  • Die Techniker bietet einen DepressionsCoach an, mit dem Sie sich online in etwa sechs Wochen einen neuen Umgang mit ihrer Depression erarbeiten können.