Diabulimie ist eine Wortkombination aus "Diabetes" und "Bulimie" (Ess-Brechsucht). Bei dieser Essstörung haben die Betroffenen Angst, durch die regelmäßigen Insulingaben zuzunehmen. Sie lassen deshalb notwendige Insulininjektionen aus oder spritzen gezielt zu wenig vom Blutzuckersenker. Dieses bewusste Weglassen von Insulin wird auch als "Insulin-Purging" bezeichnet.

Wer ist betroffen?

Essstörungen sind bei Typ-1-Diabetes sehr häufig und betreffen vor allem junge Frauen. Die Diabulimie steht dabei erschreckend weit vorne: Etwa ein Drittel der Patientinnen mit Typ-1-Diabetes um die 20 Jahre lässt notwendige Insulingaben zumindest gelegentlich nach Essanfällen bewusst weg, um abzunehmen.

Zudem muss man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Diabulimie ist wie jede andere Essstörung mit Scham besetzt. Viele Betroffenen halten ihr "Insulin-Purging" geheim, weil sie keinen anderen Ausweg sehen, ihr Gewicht zu regulieren. Außerdem wird Diabulimie oft nicht richtig erkannt - sie tarnt sich leicht als "schlecht eingestellter Diabetes" mit ähnlichen Symptomen (siehe Kasten).

Was weist auf Diabulimie hin?

Bestimmte Anzeichen lassen auch an eine Diabulimie denken: Die Person

  • nimmt trotz normaler oder sogar erhöhter Nahrungsaufnahme ab,
  • trinkt sehr viel und geht häufig auf die Toilette,
  • ist oft müde und wirkt schlapp und ausgelaugt,
  • möchte nicht (mehr) über ihren Diabetes reden und verdrängt das Thema,
  • vernachlässigt das regelmäßige Messen der Blutzuckerwerte und die Kontrolltermine.

Der Körper reagiert mit Fettabbau

Wenn der Körper das notwendige Insulin bei Diabetes nicht oder unregelmäßig erhält, bleibt zu viel Zucker im Blut. Dieser wird durch die Nieren über den Urin ausgeschwemmt. Damit der Körper trotzdem die lebensnotwendige Energie bekommt, muss er seine Fettreserven anzapfen. Die Folge ist auf Dauer eine Gewichtsabnahme - aber um den hohen Preis der eigenen Gesundheit.

Die Folgen sind gefährlich

Wird der erhöhte Blutzucker zum Dauerzustand, hat das zum Teil lebensgefährliche Konsequenzen. So kann der gesamte Stoffwechsel entgleisen (diabetische Ketoazidose), was sich unter anderem mit Bauchschmerzen, Erbrechen, Fieber und Bewusstlosigkeit äußern kann, bis hin zu Schock und Koma. Auch Organe, Nerven und Blutgefäße können erheblich geschädigt werden, teils mit nicht wieder gut zu machenden Langzeitfolgen.

Hilfe und Umgang mit Diabulimie

Obwohl die Betroffenen in der Regel gut über ihren Diabetes Bescheid wissen, ist der verführerische Sog stark, mit dem Weglassen von Insulin das Gewicht zu regulieren. Daher benötigen sie gezielte Hilfe und zuverlässige Begleitung von Ärzten und professionellen Beratern. Diese beziehen - neben einer stabilen Einstellung des Diabetes - auch Gewichts- und Ernährungsfragen in die Behandlung mit ein. Vor allem aber beleuchten sie gemeinsam mit den Betroffenen den ganzen Hintergrund der Essstörung - damit das Verhältnis zum Essen und zum eigenen Körper trotz Diabetes wieder ins Gleichgewicht kommt.