Seit Jahren arbeiten Diabetes-Experten und Medizintechnikunternehmen daran, eine "künstliche Bauchspeicheldrüse" zu verwirklichen, um Diabetes-Patienten den Alltag zu erleichtern und die Blutzuckereinstellung zu verbessern.

Eine "künstliche Bauchspeicheldrüse" besteht im Prinzip aus vier Elementen:

  • einem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) im Unterhautfettgewebe,
  • einem Blutzuckermessgerät zur Kalibrierung des Sensors,
  • einer Insulinpumpe sowie
  • einem Computerprogramm, das die automatische Steuerung der Insulinpumpe übernimmt.

Anhand der gemessenen Glukosewerte reguliert die Insulinpumpe die Insulinabgabe in kontinuierlichen Abständen automatisch und bedarfsgerecht. Dieser geschlossene Regelkreis wird auch als "Closed Loop" bezeichnet.

Closed Loop - in den USA seit 2016 im Einsatz

Als die Firma Medtronic 2016 in den USA ein erstes hybrides Closed-Loop-System (MiniMed 670 G) auf den Markt brachte, erregte das viel Aufmerksamkeit. Dieses System ahmt einige wichtige Funktionen einer gesunden Bauchspeicheldrüse nach. Ein Sensor misst in der Haut über mehrere Tage den Gewebezucker, wobei eine integrierte Technologie die einwandfreie Funktion überwacht. Die Insulinpumpe gibt auf der Basis dieser Messwerte automatisch angepasste basale Insulindosen ab. Ziel ist es, die Blutzuckerwerte möglichst im Bereich zwischen 70 bis 180 mg/dl zu halten.

Der MiniMed 670 G funktioniert allerdings noch nicht ganz automatisch: Nach einer Mahlzeit müssen die Patienten noch die geschätzte Kohlenhydratmenge eingeben und die von der Insulinpumpe vorgeschlagene Bolus-Korrektur bestätigen. Und zweimal am Tag sind konventionelle Blutzuckermessungen erforderlich, um den Sensor zu kalibrieren.

Jetzt auch in Deutschland verfügbar

Das Closed-Loop-System wurde in mehreren Studien mit Erwachsenen und Kindern untersucht. Dabei konnte eine Senkung der HbA1c-Werte und eine verbesserte Stoffwechseleinstellung nachgewiesen werden. Seit kurzem steht der MiniMed 670G auch in Deutschland zur Verfügung. Im September 2019 wurde das Insulinpumpensystem in das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes eingetragen und ist somit Bestandteil des GKV-Leistungskatalogs. Das System kann für die Behandlung von Patienten mit Typ-1-Diabetes, die mindestens sieben Jahre alt sind, eingesetzt werden. Die Technologie des Systems wird nach Angaben des Herstellers kontinuierlich weiterentwickelt.

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie die Voraussetzungen für eine mögliche Nutzung der neuen Insulinpumpe erfüllen.

Weitere Systeme werden erwartet

Mehrere Medizintechnikunternehmen arbeiten derzeit an verschiedenen Varianten einer "künstlichen Bauchspeicheldrüse". Diabetes-Experten gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren verschiedene Closed-Loop-Systeme auf den Markt kommen und in Deutschland rasche Verbreitung finden werden.