Durch die moderne Insulintherapie genießen Menschen mit Typ-1-Diabetes große Freiheiten: Sie können so oft Pasta, Pizza, Brot oder Kartoffeln essen wie sie möchten, wenn sie sich vor dem Essen die passende Dosis Insulin spritzen. Der US-amerikanische Diabetes-Experte Richard Bernstein - selbst Typ-1-Diabetiker - fordert in seinem Buch "Diabetes Solution" eine radikale Abkehr von diesem Ansatz. Er empfiehlt stattdessen eine eigens entwickelte kohlenhydratarme Diät namens "Very-Low-Carb-Diet".

Eine kürzlich im Fachmagazin "Pediatrics" veröffentlichte Studie hat nun die Wirksamkeit und Folgen der Diät getestet. Dazu baten die Forscher um Bernstein rund 500 Anhänger der Diät, die sich in der Facebookgruppe "TypeOneGrit" austauschen, einen Onlinefragebogen zu Ernährung und Insulinbedarf auszufüllen. 316 Patienten füllten den Fragebogen aus. 

Blutzuckerlangzeitwert unter sechs Prozent

Demnach lag der Blutzuckerlangzeitwert HbA1c der im Schnitt seit 11 Jahren an Typ-1-Diabetes erkrankten Patienten bei 5,67 Prozent und damit unter dem Grenzwert von 6,5 Prozent. Logischerweise mussten die Patienten auch weniger Insulin spritzen. Laut Umfrage lag die durchschnittliche Tagesmenge bei 0,40 Insulineinheiten pro Kilogramm Körpergewicht. 

Nur 36 Gramm Kohlenhydrate pro Tag

Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass die Teilnehmer im Schnitt nur 36 Gramm Kohlenhydrate pro Tag zu sich nahmen. Das sind umgerechnet drei Broteinheiten (BE) oder 3,6 Kohlenhydrateinheiten (KHE), entsprechend einem Anteil an der gesamten Ernährung von gerade mal fünf Prozent. Zum Vergleich: Die amerikanische Diabetes-Gesellschaft empfiehlt einen Anteil von 45 Prozent, da ausreichend Kohlenhydrate für die kindliche Entwicklung notwendig seien. 

Auch für Typ-1-Diabetiker in Deutschland gelten keine besonderen Ernährungseinschränkungen oder Diäten für Kohlenhydrate, so dass sie sich fast wie Nicht-Diabetiker ernähren können. Hier liegt der empfohlene Kohlenhydratanteil bei mindestens 50 Prozent. 

Komplikationen

Insgesamt zeigt die Befragung, dass wenige Komplikationen aufgetreten sind, so die Autoren. Dennoch heben sie explizit hervor, dass man bisher vor allem bei Kindern auf extrem kohlenhydratarme Diäten verzichtet hat - aus Sorge vor Unterzuckerung, Nährstoffmangel, möglichen Wachstumsstörungen oder einem potentiell höheren Ketoazidose-Risiko.

Leichte Unterzuckerungen waren insgesamt erwartungsgemäß weit verbreitet: Sie traten bei 205 Teilnehmern auf. Sieben Patienten wurden wegen viel zu niedriger Blutzuckerwerte (schwere Hypoglykämie) im Krankenhaus behandelt. 

In ihrem Fazit weisen die Forscher nochmal darauf hin, dass sämtliche Ergebnisse auf den Angaben der Patienten (oder ihrer Eltern) beruhen, damit subjektiv und nicht nachprüfbar seien. Jedoch seien die Ergebnisse so vielversprechend, dass sie zu objektiven Tests in klinischen Studien raten.