Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kostet nicht nur die Behandlung der Erkrankung selbst Geld. Auch die Komplikationen, die durch die Zuckerkrankheit entstehen, sind finanziell nicht außer Acht zu lassen. Die Kosten-Auswirkungen sind noch Monate bis Jahre später zu spüren, so das Fazit einer Untersuchung eines Forscherteams um Katharina Kähm vom Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen des Helmholtz Zentrums München (HMGU). 

Anonymisierte Daten von 316.220 TK-Versicherten analysiert

Kähm hat für ihre Untersuchung die anonymisierten Daten von 316.220 TK-Versicherten mit Typ-2-Diabetes ausgewertet. 37 Prozent von ihnen waren Frauen, 63 Prozent Männer. Das Team analysierte unter anderem die Kosten für Diagnosen und Behandlungen im Krankenhaus sowie im ambulanten Bereich. Außerdem schauten sie sich die Kosten für Medikamente, Heil- und Hilfsmittel und Rehabilitation an.

Im Schnitt waren die Teilnehmer 65,9 Jahre alt und die Forscher analysierten, welche Kosten zum Beispiel durch Folgeerkrankungen wie Augenleiden, diabetischer Fuß, Nierenkrankheiten, Herzschwäche oder Schlaganfall entstanden sind. Für eine Patientin im Alter zwischen 70 und 79 Jahren entstehen zum Beispiel an zusätzlichen Kosten je Quartal: 

  • Diabetischer Fuß: circa 640 Euro im ersten Quartal der Neudiagnose und etwa 360 Euro pro Quartal im ersten und zweiten Jahr nach der Diagnose.
  • Nichttödliche Herzinfarkte: 7.400 Euro im ersten Quartal und 820 Euro pro Quartal im ersten Jahr sowie 220 Euro je Quartal im zweiten Jahr.

Um den zeitlichen Verlauf der Kosten einer Folgekrankheit besser zu veranschaulichen, entwickelten die Forscher einen sogenannten relativen Kostenfaktor. Dazu teilten sie die Gesamtkosten eines Typ-2-Diabetikers mit Komplikationen (je Quartal) durch die Kosten in einem Quartal ohne Komplikationen. Dafür liegt der Wert bei durchschnittlich 700 Euro.

Sie ermittelten für den diabetischen Fuß viermal so hohe Kosten im ersten Quartal der Neudiagnose, die sich in den folgenden Quartalen auf den Faktor drei einpendelten, sprich die Kosten waren im Schnitt dreimal so hoch. Eine Amputation verursachte im ersten Quartal 25-mal so hohe Kosten. Dieser Wert sinkt jedoch schnell auf den Wert fünf ab.

Folgen durch Versorgungsprogramme vermeiden

Aus Sicht der Wissenschaftler sprechen die Daten aus Kostensicht, aber natürlich auch im Sinne der Patienten dafür, mehr Betroffene in Versorgungsprogramme für Typ-2-Diabetes zu integrieren. Deren Ziel solle es sein, Folgeerkrankungen zu vermeiden und Risikopatienten noch enger zu betreuen, sodass es gar nicht erst zu schweren Komplikationen komme.