Wer an Diabetes erkrankt ist und unter Schulterschmerzen leidet, sieht darin meist keinen Zusammenhang. Das Gegenteil ist aber der Fall: Jeder fünfte Diabetiker leidet an Schulterschmerzen und kann die Schultern vorübergehend oder dauerhaft nur eingeschränkt bewegen. Auf dem aktuellen Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin stellten Experten jetzt wissenschaftlich geprüfte Erkenntnisse über Diabetes und Schulterschmerzen vor. 

Typisch Diabetes: Schultersteife

Diabetiker neigen vor allem dazu, das Krankheitsbild der eingefrorenen Schulter - englisch: "frozen shoulder" oder auch "Schultersteife" - zu entwickeln. Hierbei schrumpft die kapselartige Gelenkhülle so stark, dass jede Bewegung zu Schmerzen führt. Latente Entzündungen, Diabetes bedingte Durchblutungsstörungen und das Anlagern von Zuckermolekülen an Bindegewebsfasern sind mögliche Erklärungen dafür. 

Symptome & Diagnostik 

Liegt keine Verletzung oder Ähnliches vor, spricht man von einer "primären frozen shoulder". Die Erkrankung kann individuell sehr verschieden ausgeprägt sein, aber typischerweise verläuft sie in drei Phasen:  

  • Phase 1: Die betroffene Schulter verursacht Schmerzen, die vor allem nachts auftreten, und führt immer mehr zu Bewegungseinschränkungen. 
  • Phase 2: Die Schmerzintensität nimmt langsam ab, aber die betroffene Schulter "friert ein", ist also weitgehend unbeweglich. 
  • Phase 3: Nach und nach erweitert sich der Bewegungsradius und die Schulter wird wieder schmerzfrei. 

Bildgebende Verfahren werden nur eingesetzt, um andere Erkrankungen auszuschließen. Die Diagnose wird in erster Linie durch eine ärztliche Untersuchung gestellt. Je nach Phase müssen folgende Symptome vorhanden sein:

  1. aktive und passive Bewegungseinschränkungen
  2. Beginn mit akuten Schmerzen und deutlichen Entzündungszeichen

Therapie 

Wenn Sie unter den oben beschriebenen Symptomen leiden, sollten Sie nicht lange abwarten, sondern zum Arzt gehen. Hier kann nach der Untersuchung sofort mit der Therapie begonnen werden. Dazu gehören beispielsweise entzündungshemmende Kortisoninjektionen, die oft mit einem Lokalanästhetikum kombiniert werden. Damit Sie Ihre Schulter möglichst bald wieder voll bewegen und belasten können, müssen Sie laut Experten kontinuierlich und aktiv mitarbeiten. Anfangs unterstützt Sie dabei eine mobilisierende Physiotherapie. Sie hilft das "eingefrorene Gelenk" wieder beweglich zu machen und dies reduziert automatisch die Schulterschmerzen. 

Lassen Sie es nicht so weit kommen 

Mit Diabetes sollten Sie Schulterschmerzen vorbeugen, indem Sie verstärkt die stabilisierende Muskulatur um das Schultergelenk herum trainieren. Zusätzlich zum musklären Kraftaufbau sollten Sie immer auch gezielte Dehnungs- und Lockerungsübungen durchführen. Fragen Sie Ihren Hausarzt, Physiotherapeuten oder einen qualifizierten Fitnesstrainer, welche Übungen für Sie sinnvoll sind. 

Wichtig zu wissen:

Die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule zu trainieren und die Dehnung verspannter Körperfaszien (Bindegewebsstränge) gehört zu einer effektiven Vorbeugung von Schulterproblemen immer mit dazu.