Kinder aus Familien, die regelmäßig zusammen essen, ernähren sich vermutlich gesünder und haben seltener Übergewicht. Um dies näher zu prüfen, haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Mannheim jetzt kürzlich 50 Studien zu Familienmahlzeiten ausgewertet und in der Fachzeitschrift Health Psychology veröffentlicht. Die Ergebnisse liefern wertvolle Tipps für Eltern und Erzieher, auch von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes.

Neue Studie: Sechs entscheidende Faktoren 

Damit gemeinsames Essen langfristig gesund und froh macht, reicht es nicht aus, einfach nur miteinander am Tisch zu sitzen. Laut Max-Plank-Institut sind für ein gutes Gelingen sechs Faktoren entscheidend, die Sie als Eltern bewusst einführen und einfordern müssen: 

  • Sorgen Sie für eine angenehme, respektvolle Atmosphäre 
  • Lassen Sie Ihre Kinder mit kochen oder vorbereiten
  • Bevorzugen Sie gesunde, naturbelassene Lebensmittel 
  • Gehen Sie bei der Auswahl des Essens mit gutem Beispiel voran 
  • Nehmen Sie sich Zeit, um in Ruhe zusammen zu essen
  • Digitale Medien, Radio und Fernsehen sollte die absolute Ausnahme bleiben 

Diabetes schützt nicht vor Essstörungen

Im Gegenteil, wer Diabetes Typ 1 hat, entwickelt in schwierigen Zeiten häufiger eine Essstörung. Nach Studien des Deutschen Diabetes-Zentrums zeigt sogar jede dritte Diabetikerin ein auffälliges Essverhalten. Gerade Mädchen und junge Frauen mit Diabetes erkranken öfter als Jungen an Bulimie oder lassen heimlich ihr lebenswichtiges Insulin weg, um abzunehmen (Insulin-Purging). Insofern ist es für Sie als Eltern besonders wichtig, mit ihrem Kind oder Jugendlichen im Kontakt zu bleiben und eine Essstörung schon in den Anfängen zu erkennen. Dafür sind gemeinsame Mahlzeiten eine gute Gelegenheit. 

Hierbei sollten Sie hellhörig werden: 

Wenn Ihre Tochter oder Ihr Sohn mit Diabetes abnimmt (BMI < 18,5), achten Sie darauf, ob am Tisch mehr "gefastet" als gegessen wird oder ob bei normalem Essenverhalten anschließend kein oder zu wenig Insulin gespritzt wird. Bei Übergewicht (BMI > 30) ist es sinnvoll, Heißhungerattacken auf die Spur zu kommen. Dazu sollten Sie einen Überblick haben, was im Kühlschrank oder in der Vorratskammer steht. Äußert Ihr Kind beim Essen ständig die Sorge, zu dick zu sein, kann dies auch ein Hinweis auf eine Essstörung sein. In diesem Fall sollten Sie Ihren Haus- oder Kinderarzt kontaktieren und sich eine Beratungsstelle für Essstörungen empfehlen lassen, wenn möglich mit Spezialisierung auf Diabetes. 

Problemthemen sind tabu 

Jede Mahlzeit dient dazu, sich zu stärken und zur Ruhe zu kommen. Durch Diabetes wird das gemeinsame Essen, schnell zum Ort von Sorgen oder Diskussionen. Versuchen Sie deshalb anstehende Probleme vor oder nach dem Essen zu klären. Am Tisch selbst sollten Sie dann ganz bewusst den Genuss in den Vordergrund stellen. Das Essverhalten ihres Kindes aufmerksam wahrzunehmen ist in Ordnung, aber ansonsten sollten Gesundheitsthemen, vor allem über Diabetes, während der Familienmahlzeiten tabu sein. Pflegen Sie stattdessen die Freude darüber, zusammen zu sein und sich auszutauschen oder zu entspannen. 

Diese positiven Erlebnisse in der Familie haben eine wichtige Funktion: Sie stärken Ihr Kind oder Jugendlichen auch im übertragenen Sinne und machen es weniger anfällig gegenüber Essstörungen.