Die meisten Gallensteine sind zum Glück harmlos. Aber wenn Symptome oder Komplikationen auftreten, dann bleibt kaum eine andere Wahl als zu operieren. Eingriffe an der Gallenblase zählen in Deutschland zu den häufigsten Operationen, jährlich werden etwa 175.000 Frauen und Männer operiert. Dies sollte für Gesunde, aber vor allem für Menschen mit Typ-2-Diabetes Grund genug sein, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen.

Diabetes-Betroffene neigen zu Gallensteinen

Gallensteine bilden sich, wenn die Zusammensetzung der in der Leber produzierten Gallenflüssigkeit aus dem Gleichgewicht geraten ist. Es kommt zur Kristallbildung. Die Symptome sind individuell verschieden und abhängig von Größe und Lokalisation der Steine. Viele Gallensteine werden zufällig bei einem Ultraschall entdeckt, sie können sich aber auch durch krampfartige Oberbauchschmerzen bemerkbar machen und Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit oder Erbrechen auslösen. 

Bislang galten nur die beiden für Typ-2-Diabetes typischen Faktoren Übergewicht und fettreiche Ernährung als anerkannte Ursachen für Gallensteine. Wissenschaftler in den USA fanden jetzt heraus, dass außerdem noch die Insulinresistenz bei der Entstehung von Gallensteinen eine große Rolle spielt. Die fehlende Wirkung von Insulin gehört zu den Merkmalen des Typ-2-Diabetes. Bewegungsmangel, Übergewicht und ein Hang zu fetthaltigem Fast Food verschlechtern die Insulinreaktion der Zellen. Umgekehrt - und das ist die Chance zur Vorbeugung - können Menschen mit Diabetes durch eine Umstellung ihrer Ernährung und mit ausreichender körperlicher Aktivität Gallensteinen nachweislich vorbeugen und oft eine Operation vermeiden. 

Wichtig zu wissen: Frauen leiden häufiger an Gallensteinen als Männer, was sich vermutlich auf das Geschlechtshormon Östrogen zurückführen lässt. Das Risiko für Gallensteine steigt durch Schwangerschaften und die Einnahme von Verhütungspillen oder Hormontherapien in den Wechseljahren. Aus diesem Grund sollten Diabetikerinnen besonders gut auf ihre Lebensweise achten.

Prävention: Was kann man selber tun?

Fette reduzieren

Wie die US-Studie gezeigt hat, spielt fetthaltige Nahrung eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Gallensteinen. Fast 75 Prozent aller Gallensteine bei Menschen bestehen aus Cholesterin. Aus diesem Grund sollten sich Menschen mit Diabetes möglichst fettarm ernähren, aber vor allem die schädlichen Fette weglassen. Dabei handelt es sich um gesättigte Fettsäuren und Transfette, wie sie beispielsweise in frittierten Lebensmitteln enthalten sind. Nahrungsmittel mit ungesättigten Fettsäuren dagegen stellen keine Probleme dar, im Gegenteil, sie sind in Maßen sogar gesund. Dazu zählen Oliven-, Raps- oder Leinöl.  

Gesunde Kohlenhydrate

Fettreiche Nahrungsmittel aber auch Kohlenhydrate steigern die Cholesterinproduktion und können so Gallensteine fördern. Doch nicht alle Kohlenhydrate sind "böse": Ballaststoffreiche Kohlenhydrate, wie Vollkornprodukte oder Haferkleie senken das schädliche LDL-Cholesterin und fördern das "gute" HDL-Cholesterin. Sie beugen dadurch Herzerkrankungen, aber auch Gallensteinen vor. 

Bewegung

Besonders wichtig ist ausreichend Sport. Die Insulinsensitivität wird durch aktivierte Muskeln verbessert und gleichzeitig wird der Risikofaktor "Übergewicht" minimiert. Im Frühling eignen sich besonders gut Sportarten an der frischen Luft, wie Joggen oder Radfahren, denn die ersten Sonnenstrahlen locken nach draußen und stärken so die Motivation. 

Wichtig zu wissen: Ernährung und Sport sollten langsam an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Erfolgt der Wechsel zu plötzlich, reagiert der Körper möglicherweise wie im Notfall-Modus und eine zu große Menge an Fett wird zum Fettabbau in die Leber transportiert. Dadurch steigt die Konzentration an Cholesterin, die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit gerät aus dem Lot und in Folge davon erhöht sich das Risiko für Gallensteine. Insofern sollten Diabetes-Betroffene ihre Lebensweise Schritt für Schritt in einem guten Tempo gesünder gestalten. 

US-Studie: Gallensteine und Insulinresistenz

Bei einem zu hohen Blutzuckerspiegel löst das Hormon Insulin normalerweise durch Bindung an Rezeptoren eine Signalkette aus, wodurch die Blutzuckerwerte wieder in den Normbereich sinken. Bei Menschen mit Diabetes ist dieser Mechanismus teilweise oder vollständig blockiert. Die Folge der fehlenden Insulinreaktion, auch Insulinresistenz genannt, haben Forscher aus den USA an Leberzellen von gesunden und genetisch veränderten Mäusen ohne Insulinrezeptoren erforscht. Alle Mäuse bekamen eine Woche lang und anschließend drei Monate die gleiche, stark fetthaltige Nahrung. Das Ergebnis: Schon nach einer Woche hatten sich bei jedem dritten Tier ohne Rezeptoren Gallensteine entwickelt, nach drei Monaten wiesen alle Mäuse dieser Gruppe Gallensteine auf. In der Vergleichsgruppe traten bei den gesunden Mäusen im gesamten Zeitraum keine Gallensteine auf. 

Die Wirkung der Insulinresistenz auf die Entstehung von Gallensteinen konnten die Wissenschaftler auf das sogenannte Eiweiß FOXO1 zurückführen. Dieses Protein wird erst durch eine Insulinresistenz aktiviert. Es erhöht die Bildung von Glukose in der Leber und blockiert gleichzeitig die Gallensäurebildung, wodurch mehr Cholesterin in die Gallenblase gelangt. Dieses Ungleichgewicht der Gallensäuren mit zu viel Cholesterin führt je nach Veranlagung früher oder später zur Bildung von Gallensteinen.  

Fazit: Die experimentelle Studie zeigt einen starken Zusammenhang zwischen der für Diabetes typischen Insulinresistenz und Gallensteinen. Die Forscher vermuten, dass eine Verbesserung der Insulinsensitivität Gallensteinen vorbeugt, aber dazu sind weitere Studien erforderlich. Weitere Untersuchungen zum Mechanismus von FOXO1 wären der erste Schritt für neue Therapiemöglichkeiten.