Rund 80 Prozent der Menschen mit Diabetes leiden unter Hautveränderungen, aber häufig lässt sich die genaue Ursache trotz Diagnostik nicht feststellen. Die Spanne an möglichen Reaktionen reicht von Rötungen der Haut, Juckreiz, Nesselsucht und Durchblutungsstörungen bis zum anaphylaktischen Schock.

Die Haut gilt zwar zurecht als Spiegel der Seele, aber bei Diabetes zählen Medikamente und ein schlecht eingestellter Blutzucker zu den wahrscheinlichsten Ursachen. 

Wichtig zu wissen:

In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass bei Diabetes häufige Blutzucker-Schwankungen und zu hohe HbA1c-Werte oft mit Irritationen der Haut einhergehen. Ein optimales Blutzuckermanagement mit gesunder Ernährung, Bewegung und immer wieder Entspannung, lohnt sich insofern doppelt. Als grobe Faustregel sollte der Blutzuckerwert bei Typ-1 Diabetes unter 135 mg/dl (7,5 mmol/l) liegen. Der HbA1c-Zielwert sollte zwischen 6,5 und 7,5 Prozent (47,5 und 58,5 mmol/mol) liegen. 

Wenn die Haut auf Insulin reagiert 

Da die Bauchspeicheldrüse bei Typ-1-Diabetes kein oder kaum Insulin produziert, benötigen Betroffene jeden Tag Insulingaben, denn nur mit Hilfe von Insulin kann über die Nahrung aufgenommener Zucker vom Blut ins Zellinnere gelangen und dort als Energie zur Verfügung stehen. Wie bei fast allen Medikamenten kann es auch bei zugeführtem Insulin zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Folgende Hautprobleme können durch Insulin auftreten: 

  • Bei der "Lipodystrophie" ist das Fettgewebe betroffen, das sich direkt unter der Haut befindet. Meist kommt es im Bereich der Einstichstelle zu einer Verdickung und Verhärtung des Fettgewebes. 
  • Bei der "Kutanen Amyloidose" lagern sich Bestandteile von Insulin (Insulinfibrillen) nahe der Einstichstelle in der Haut an. 

Beide Hautreaktionen können die richtige Einstellung der Blutzuckerwerte beeinflussen, indem sie die Aufnahme von Insulin in den Körper verändern. Diese für Menschen mit Typ-1-Diabetes wichtige Information wurde deshalb 2020 in die Fachinformation aller insulinhaltigen Arzneimittel aufgenommen. Denn fehlt Insulin, bleiben die Blutzuckerwerte hoch und dies erhöht unter anderem das Risiko für weitere Hautveränderungen. 

Wichtig zu wissen:

Vorbeugend sollte die Einstichstelle systematisch, also mit einem klaren Tages- und Wochenplan, regelmäßig gewechselt werden. So bildet das gespritzte Insulin keine Ablagerungen und das Risiko für eine Lipodystrophie sinkt. Liegen aber an den Einstichstellen bereits erste Veränderungen vor, ist es wichtig die Körperregion nicht plötzlich zu wechseln. Denn dies kann möglicherweise eine Unterzuckerung zur Folge haben, da betroffene Hautstellen das gespritzte Insulin anders aufnehmen. 

Basics: Haut & Blutzucker 

Um Hauterkrankungen vorzubeugen, sollte der Blutzucker möglichst gut eingestellt sein. Gleiches gilt für Blutfette (Triglyzeride) und LDL-Cholesterin, da zu hohe Werte in Gefäßen Ablagerungen begünstigen und so die Durchblutung erschweren. Jährliche Kontrollen der Blutfette und Cholesterin-Werte sind deshalb wichtiger Bestandteil des Hautschutzes. 

Mit Typ-1-Diabetes ist es sinnvoll, die Haut täglich zu pflegen und aufmerksam zu beobachten, besonders wenn die optimale Blutzucker-Einstellung gerade Probleme macht. Je früher Hautveränderungen entdeckt werden, desto besser lassen sie sich behandeln. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt im Zweifel um Rat, denn durch die richtige Therapie lassen sich Komplikationen vermeiden. Um Druckstellen und Verletzungen am Fuß rechtzeitig zu erkennen, kann eine medizinische Fußpflege die beste Lösung sein. 

Pflegetipp

Gereizte, trockene Haut sollte nur mit Produkten gepflegt werden, die keine irritierenden Zusatzstoffe und Parfüm enthalten. Die Haut benötigt ein Pflegemittel, das Fett enthält und gleichzeitig auch Feuchtigkeit spendet.