Jeder Diabetiker kennt das unangenehme Gefühl, wenn der Blutzucker zu niedrig ist. Ab einem Wert unter 65 mg/dl (3,6 mmol/l), spüren Betroffene anfangs Beschwerden wie Schwitzen und Herzklopfen. Das liegt daran, dass der Körper in dieser Situation möglichst rasch seine Zuckerreserven aus der Leber mobilisieren will und deshalb das Notfallhormon Adrenalin ausschüttet. Bei einer leichten Unterzuckerung können Diabetiker mit einem Stück Traubenzucker oder anderen schnell wirkenden Kohlenhydraten selbst gegensteuern. Anders sieht es bei den seltenen, aber schweren Unterzuckerungen aus. Hier sind Diabetiker auf kompetente Hilfe von Angehörigen oder Ersthelfern angewiesen.

Notfall Unterzuckerung

Sinkt der Blutzucker sehr stark ab, kann es zu Konzentrationsproblemen, Sprach- oder Sehstörungen, Schwindel oder sogar Bewusstlosigkeit kommen. In diesem Fall muss die Freisetzung von Glukose aus der Leberreserve durch das Hormon Glukagon angeregt werden, das bislang im Notfall in den Muskel gespritzt wurde. Diese Form der Darreichung stellte häufig ein Problem dar, denn nicht alle Angehörigen oder Kollegen trauen sich eine solche intramuskuläre Injektion zu. Insofern stellt das erste Glukagon-haltige Nasenspray für Typ1-Diabetiker eine wichtige, lebensrettende Neuerung dar. Zugelassen wurde es von der EU-Kommission zur Therapie von schweren Unterzuckerungen bei Erwachsenen und Kindern ab vier Jahren mit Typ 1-Diabetes. Glukagon kann nun zum ersten Mal ganz einfach als Nasenspray verabreicht werden. Um es im Notfallset mitzunehmen, ist es in Einzeldosen verfügbar. 

Wichtig zu wissen:

Eine verstopfte Nase durch Erkältungen oder Allergien stellt kein Problem dar, denn das Glukagon-Spray kann zusammen mit einem abschwellenden Nasenspray verabreicht werden. 

Erste Hilfe bei schwerer Unterzuckerung

  • Notarzt verständigen (112) 
  • Stabile Seitenlage
  • Nicht festsitzende Zahnprothesen oder Speisereste entfernen
  • Falls vorhanden: Glukagon einsetzen

Sobald der Betroffene wieder zu sich gekommen ist: 

  • sofort 2 bis 4 schnell verfügbare Kohlenhydrate (KHE) zu sich nehmen (2 bis 3 KHE entsprechen 8 Stück Würfelzucker, 20 g Traubenzucker, 200 ml zuckerhaltige Limo - z.B. Cola, Fanta - 200 ml Fruchtsaft)
  • danach komplexe Kohlenhydrate wie Brot zur Stabilisierung essen
  • Blutzucker messen 

Wichtig zu wissen:

Diät- oder Light-Produkte und fetthaltige Nahrungsmittel wie Schokolade sind nicht sinnvoll, denn Fett verzögert die Aufnahme des Zuckers in die Blutbahn.