Mehr als zehn Prozent der Deutschen sind von Inkontinenz betroffen, aber die Dunkelziffer liegt laut Experten deutlich höher. Inkontinenz zählt zu den peinlichen, stark Angst besetzten Beschwerden und deshalb vermeiden Betroffene das Gespräch darüber. 

Medizinische Fakten: 

Eine Inkontinenz liegt vor, wenn jemand ohne es zu wollen Urin (Harninkontinenz) oder Darminhalt (Stuhlinkontinenz) verliert. Bei der sehr viel häufigeren Harninkontinenz gibt es drei verschiedene Hauptformen: 

  • Stressinkontinenz: Urinverlust durch Belastung z.B. beim Husten oder Sport 
  • Dranginkontinenz (überaktive Blase): plötzlicher starker Harndrang mit Urinverlust  
  • Mischformen 

So entsteht eine diabetische Harninkontinenz 

Als Diabetiker sorgen Sie dafür, den Blutzucker möglichst konstant zu halten. Zu große Schwankungen wirken sich bekanntermaßen auf andere Organe, wie Nieren und Augen aus. Oft wird vergessen, dass sich Diabetes auch auf die Ausscheidungsfunktion von Harnblase und Darm auswirkt:

Hohe Zuckerwerte schädigen auf Dauer das Nervensystem. Betroffen können davon unter anderem Nerven sein, die das Signal "Blase gefüllt" an das Gehirn weitergeben. Als Folge davon wird die Blasenwand überdehnt und dies schwächt irgendwann die Kraft des Blasenmuskels. Nach dem Gang zur Toilette bleibt dann immer noch etwas Urin in der Blase, der sogenannte "Restharn". Harnwegsinfektionen und vermehrter Harndrang sind typische Folgen, was wiederum eine beginnende oder bestehende Inkontinenz verschlechtert. Hinzukommt eine altersbedingte Schwäche aller Schließmuskel und des Beckenbodens, aber auch eine erhöhte Zuckerausscheidung durch bestimmte Medikamente wie Antidiabetika. 

Auf einen Blick: Mögliche Ursachen für Harninkontinenz 

  • Nervenschädigung, zum Beispiel durch Diabetes
  • Übergewicht
  • Beckenbodenschwäche 
  • Östrogenmangel bei Frauen in den Wechseljahren 
  • Medikamente wie Schmerzmittel und Psychopharmaka, beispielsweise Amitriptylin oder Duloxetin, können die Blasenentleerung verschlechtern und so zu Restharnbildung führen.
  • Harnröhrenverengungen, zum Beispiel durch eine vergrößerte Prostata bei Männern
  • Neurologische Störungen

Nur Mut: Sprechen Sie Ihre Probleme an

Bei Diabetikern, die beim regulären Kontrollbesuch nicht von sich aus über Blasenfunktionsstörungen klagten, hatten laut Studien 40 bis 80 Prozent überraschenderweise einen auffälligen urologischen Befund. Erst auf Nachfragen des Arztes erwähnten die befragten Teilnehmer dann die typischen Inkontinenz-Symptome. Eine nicht ausreichend behandelte Blasen- oder Darmentleerungsstörung kann auf Dauer ernste Folgen, wie einen gefährlichen Harnstau haben. Bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen im Rahmen Ihrer Diabetesbehandlung sollten Sie sich deshalb nicht scheuen, auch die Ihnen möglicherweise "peinlichen" Beschwerden anzusprechen. Durch eine gezielte urologische Diagnostik kann die Ursache geklärt und behandelt werden. 

Wichtig zu wissen: Entscheidend ist für Diabetiker, dass ein gut eingestellter Blutzucker die beste Therapie und auch Vorbeugung der Inkontinenz darstellt. Je nachdem welche Inkontinenzform bei Ihnen vorliegt, helfen außerdem Beckenbodenübungen, Medikamente, bei Frauen in den Wechseljahren lokal verabreichtes Östrogen oder im Zweifel ein operativer Eingriff.