Brot, Reis und Nudeln sind klassische kohlenhydratreiche Lebensmittel, die heute längst keine "Sättigungsbeilage" mehr darstellen, sondern oft die Hauptmahlzeit. Wer sich überwiegend von Kohlenhydraten ernährt, verschlechtert aber nachweislich den Stoffwechsel und nimmt oft an Gewicht zu. 

Überflüssige Kohlenhydrate

Der Körper speichert die nicht benötigte Energie aus zu viel aufgenommenen Kohlenhydraten als Glykogen in den Muskeln oder in der Leber. Sind dann immer noch Kohlenhydrate übrig, aktiviert sich die Synthese von Fett, das u.a. in der Leber gelagert wird. Um diese Reaktion in Gang zu setzen, braucht der Stoffwechsel Insulin. Die Forschung bezeichnet diese Kopplung von Leber und Bauchspeicheldrüse als Doppelzyklus oder "Twin-Cycle". 

Das ständig erhöhte Insulin bewirkt mit der Zeit, dass die Empfindlichkeit der Zellen auf Insulin nachlässt. Es kommt zur Insulinresistenz. Diesen Teufelskreis machen Forscherteams, u.a. am Deutschen Herzzentrum in München, für die Entstehung und Verschlechterung von Typ-2-Diabetes verantwortlich. 

Nur durch einen gezielten Abbau von Fettdepots in der Leber und Bauchspeicheldrüse, kann sich offenbar die Insulinproduktion und Empfindlichkeit der Zellen wieder normalisieren. Das teilweise Einsparen von Kohlenhydraten soll auch für Menschen mit Diabetes klare Vorteile haben. Zur eigenen Sicherheit sollen Betroffene kontinuierlich den Blutzucker messen, um Unterzuckerungen durch den Verzicht schnell zu erkennen. 

Wichtig zu wissen: Nach aktuellen, neuen Empfehlungen dürfen Menschen mit Typ-2-Diabetes zeitweise die Zufuhr von Kohlenhydraten einschränken, wenn sie abnehmen wollen. Mittlerweile haben die europäischen und amerikanischen Diabetes-Fachgesellschaften EASD und ADA dies in ihre Diätempfehlungen aufgenommen. Außerdem empfehlen sie die mediterrane und vegetarische Ernährung und das intermittierende Fasten, auch Intervallfasten genannt, als sinnvoll und wirksam.

Entscheidend bleibt das richtige Maß 

Kritische Studien zeigen, dass der langfristige Verzicht auf Kohlenhydrate mit einem Anteil von unter 30 Prozent die Lebenszeit deutlich verkürzt. Deshalb warnt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie vor einer dauerhaften Low-Carb-Kost. Gleiches gilt aber auch für eine Ernährung, bei der täglich 70 Prozent der Kalorien und mehr aus Lebensmittel wie zum Beispiel Backwaren, Nudeln, Reis und Kartoffeln stammen.

Ein Kohlenhydratanteil von ca. 50–55 % an der täglichen Energiezufuhr ist offenbar mit dem geringsten Sterblichkeitsrisiko verbunden und entspricht den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). 

Fazit: Nach ärztlicher Rücksprache können sich Menschen mit Typ-2-Diabetes vorrübergehend nach dem Low-Carb-Prinzip ernähren und von den Vorteilen profitieren. Gemeinsam sollte über den individuell sinnvollen Grad von "Low-Carb" bis "Moderate-Low-Carb" entschieden werden. Dabei spielen persönliche Ernährungsgewohnheiten eine Rolle und die Frage, wie der tägliche Energiebedarf alternativ gedeckt werden kann. Ein zu hoher Anteil an Eiweiß oder Fetten stellt keine Lösung dar, insofern sollte man auch bei einer Low-Carb-Diät stets die Gesamtmenge an Kalorien im Blick behalten.

Und die Qualität…

Ob eine Low-Carb-Ernährung gesundheitsförderlich ist oder nicht, muss laut Experten individuell abgeklärt werden. Bei dieser Entscheidung kommt es aber nicht nur darauf an, ganz allgemein Kohlenhydrate zu reduzieren. Nach den Ergebnissen beispielsweise der PURE-Studie standen vor allem die ungesunden Kohlenhydrate aus Weißbrot, weißem Reis und Lebensmitteln mit zugesetztem Zucker auf dem Speiseplan der teilnehmenden Diabetiker.

Einig sind sich die Fachgesellschaften darin, dass die Qualität und die Quelle der Kohlenhydrate entscheidend für die positive Wirkung sind. Um den Blutzucker langfristig zu stabilisieren sind naturbelassene, vollwertige Kohlenhydrate und ein hoher Anteil aus Obst, Salat, Gemüse deutlich besser geeignet und insgesamt gesünder.

Genau hingeschaut: Definition von "Low-Carb" 

Liegt die tägliche Menge an Kohlenhydraten (KH) bei rund 50 Prozent, sprechen Fachleute von einer kohlenhydratreichen Kost, auf Englisch "High Carb". Eine kohlenhydratreduzierte Ernährung oder Diät wird nach der Definition der National Lipid Association in drei verschiedene Kategorien eingeteilt: 

  • Very Low Carb: < 10 % der täglichen Energiemenge (z.B. 50 g KH bei 2000 kcal) 
  • Low Carb: 10-25 % der täglichen Energiemenge (50-125 g KH) 
  • Moderate Low Carb: 26-44 % der täglichen Energiemenge (130-220 g KH) 
  • High Carb: 45-65 % der täglichen Energiemenge (220-325 g KH)