Wieviel man wiegt und was auf den Tisch kommt spielt bei der Entstehung von zahlreichen "Zivilisationskrankheiten" eine große Rolle. Typ2 Diabetes gehört dazu. Aber sich fettarm und gesund zu ernähren fällt oft genauso schwer, wie abzunehmen und dauerhaft ein normales Gewicht zu halten. Um Patienten den Weg zu einem gesunden Lebensstil zu erleichtern, sind Forscher nun der Frage nachgegangen, wie es wider besseren Wissens zu dem unstillbaren Appetit auf zu viel fettreiches Essen kommt. 

Hirnforschung: Fettreiche Ernährung 

Forscher am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln fütterten Mäuse mit einer besonders fettreichen Nahrung. Bereits nach drei Tagen fanden sie heraus, dass bestimmte Nervenzellen deutlich aktiviert waren. Diese "Nozizeptin-Neurone" im Hypothalamus der Mäuse beeinflussten negativ, wieviel und wie fetthaltig die Mäuse unter Laborbedingungen aßen. Offenbar kommt es laut Forschern durch eine fettreiche Ernährung bei den Mäusen schon nach kurzer Zeit zu einer Art Teufelskreis und die Lust auf noch mehr Fetthaltiges steigt. Durch die Aktivierung der Nozizeptin-Neuronen wird außerdem das Sättigungsgefühl ausgebremst und die Tiere nehmen mehr Nahrung zu sich, als sie brauchen. Ob sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, soll in weiteren Studien untersucht werden. 

So fördert das Nervensystem Übergewicht 

Aus verschiedenen Studien wissen wir heute, dass Übergewicht sich nicht einfach nur mit "Mangel an Disziplin" oder ähnlichen Vorurteilen erklären lässt. Nach Ansicht von Forschern der Universität Lübeck sieht die Erklärung für die ungeliebten Zusatzkilos anders aus:  

In Notzeiten, wie zum Beispiel bei Hungersnöten, geben alle Organe bis zu 40 Prozent ihres Gewichts ab, mit Ausnahme des Gehirns. Es hat in unserem Körper eindeutig Priorität und das gilt auch bei Stress. In diesem Moment essen wir zuviel, weil unser Gehirn bei Stress zusätzliche Energie anfordert und braucht. Deshalb schüttet das Nervensystem das Signal "Hunger" aus, obwohl wir eigentlich satt sind.  

Stress erschwert Abnehmen

Vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen: Süßigkeiten, aber auch fettreiche Fertigpizza und Pommes frites haben in Stresszeiten Hochkonjunktur. Das Übergewicht ist dann schnell vorprogrammiert, wenn die Belastung anhält. Dieser Hype auf "süß und fett" hat folgenden Grund: 

Nervennahrung: Selbst in normalen Zeiten werden rund zwei Drittel des Blutzuckers dem Gehirn zur Verfügung gestellt und nur ein Drittel dem Körper. Unter Stress sieht die Situation anders aus: Jetzt braucht das Gehirn noch mehr Zucker bzw. Energie, die es auch bekommt. Bis zu 90 Prozent des Blutzuckers verbraucht dann das Gehirn. Die Forschung nennt diesen Mechanismus "Selfish-Brain" oder "egoistisches Gehirn" und davon profitiert nicht nur das Gehirn, sondern auch die Nahrungsindustrie. Heute ist in westlichen Industrieländern das Angebot an schnell verfügbaren Kalorien enorm groß und die Werbung dazu flächendeckend. Bei Stress können wir also sofort auf fettreiche, hochkalorische Nahrungsmittel zurückgreifen, die in kurzer Zeit Energie liefern. 

Wichtig zu wissen:

Noch ist nicht belegt, dass eine fettarme Ernährung die Aktivierung der Nervenzellen wieder rückgängig macht und damit die Lust auf fettes Essen reduziert. Aber es ist wissenschaftlich anerkannt, dass fettarme Ernährung insgesamt für den Organismus gesund ist. Belegt ist außerdem die Wirkung von Sport und Entspannung auf das Essverhalten und das natürliche Sättigungsgefühl. Um Abzunehmen sollten Sie als Diabetiker deshalb das Wissen der Hirnforschung nutzen und sich bewusst um ein gutes Stressmanagement kümmern.