Vielleicht aus Trägheit, aber auch aus Sorge vor Blutzuckerentgleisungen bewegen sich viele Typ-2 Diabetiker deutlich weniger, als ihnen gut täte. Dies muss laut Experten nicht sein, denn mit Hilfe des "Metabolischen Äquivalents" lässt sich der Kalorienverbrauch beim Sport und damit ein gesundes, für Diabetiker sicheres Maß an Bewegung relativ einfach bestimmen.

Energieverbrauch richtig einschätzen 

Diabetiker sollten bei Sport und Bewegung relativ exakt kalkulieren, wie viele Broteinheiten (BE) - also blutzuckerwirksame Kohlenhydrate - und wie viele Kalorien sie verbrauchen. Nur mit beiden Werten zusammen können sie Blutzuckerschwankungen durch ihre Ernährung oder medikamentös optimal ausgleichen, so lautete das Fazit der Experten auf dem Symposium der AG Bewegung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DGG). 

Grundsätzlich gilt natürlich: Je intensiver man sich körperlich betätigt, desto mehr Kalorien braucht der Körper. Jede Bewegung erfordert Energie, aber wie viele Kalorien genau verbrannt werden, hängt immer auch von der Intensität und Dauer, aber auch vom Körpergewicht ab. Genau dies errechnet sich mit dem MET-Wert. 

Wichtig zu wissen: Noch fehlen Studien, in denen der MET-Wert speziell für Frauen oder Männer verschiedenen Alters berechnet wird. 

Das Metabolische Äquivalent 

Das Metabolische Äquivalent - kurz MET - ist eine Maßeinheit für die Intensität von Bewegung oder Sport. Experten haben sie zur besseren Einschätzung des Kalorienverbrauchs entwickelt und um pro Woche ein gesundes Bewegungsmaß bestimmen zu können. 

Im Unterschied zum Ruheumsatz bezeichnet das Metabolische Äquivalent - "Metabolic Equivalent of Task" - den Leistungsumsatz, also wieviel Energie der Körper bei einer Aufgabe (Task) bzw. Aktivität benötigt. Der MET-Wert wird definiert als der Sauerstoffverbrauch eines 40-jährigen Mannes mit 70 kg in Ruhe. Das metabolische Äquivalent kann alternativ auch über den Kalorienverbrauch definiert werden. 

1 MET = 3,5 ml Sauerstoff / pro kg Körpergewicht / pro Minute bei Männern und 3,15 ml bei Frauen
oder: 1 MET = 1kcal / pro 1kg Körpergewicht / pro 1 Stunde Sport

Konkretes Beispiel: Je höher der MET-Wert für eine Sportart oder körperliche Aktivität, desto mehr Energie wird dabei verbraucht. Eine Stunde Rasenmähen verbraucht rund 3,5 MET, eine Stunde Joggen oder Tanzen dagegen zwischen 7 und 12 MET. Bei einem Gewicht von 80 kg werden dann beim Joggen rund 10x80, also 800 kcal in der Stunde verbraucht, beim Rasenmähen 280kcal. 

Wieviel Bewegung ist gesund?

Eine Meta-Analyse, also eine umfangreiche Auswertung von Studien, die im medizinischen Fachmagazin British Medical Journal veröffentlicht wurde, berücksichtigte nun erstmals das Gesamtmaß an Bewegung von Haushalt bis Freizeitsport und nutzte dazu das Metabolische Äquivalent. 

Die Ergebnisse: Ein höheres Maß an Bewegung geht mit einem geringeren Risiko für Diabetes, aber auch Brustkrebs, Darmkrebs, Herzkrankheiten und Schlaganfall einher, wobei das beste Ergebnis durch eine Gesamtaktivität von 3000-4000 MET-Minuten pro Woche erzielt wird. Laut Forschern ist damit das von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Mindestniveau von 600 MET-Minuten deutlich zu niedrig. Das gilt laut Experten auch für Typ-2 Diabetes. 

Auf der Seite Deutsche Diabetes Hilfe finden Sie Beispiele für MET-Werte.

Wer unter den empfohlenen 3000 MET liegt, sollte je nach Konstitution das Sportprogramm langsam, aber kontinuierlich steigern.