Metformin ist ein blutzuckersenkender Wirkstoff, der schon lange bei Typ-2-Diabetes verwendet wird. Er ist gut untersucht und gilt unter Typ-2-Diabetikern als gut verträglich. 

Zu den Nebenwirkungen zählen - besonders zu Beginn der Einnahme - Magen-Darm-Beschwerden. Außerdem berichten gelegentlich Betroffene von Nervenschmerzen, die während der Behandlung auftreten.

Wissenschaftler sind in einer ersten Untersuchung der Frage nachgegangen, ob und falls ja in welchem Ausmaß Metformin Nervenschmerzen auslösen kann und welcher Mechanismus dahintersteckt. Ihre Vermutung: Metformin blockiert die Aufnahme von Vitamin B12 und löst so einen Mangel des Vitamins aus, der seinerseits zu Nervenschmerzen führt.

Vitamin-B12-Mangel unter Metformin doppelt so häufig

Die Forscher stellten fest, dass alle Patienten, die Metformin einnahmen, einen Vitamin-B12-Mangel hatten. Außerdem bekamen mehr als doppelt so viele von ihnen Nervenschmerzen - im Vergleich zu der Gruppe, die kein Metformin einnahm. 

Sie erkannten zudem einen Dosis-Wirkung-Effekt. Das bedeutet: je größer die eingenommene Metformin-Menge, desto häufiger und stärker die Nervenschmerzen. Ein Ergebnis, das mittlerweile durch weitere Studien bestätigt wurde. 

Andere Analysen zeigten, dass sich das Risiko eines Vitamin-B12-Mangels nach mehr als drei Jahren Metformin-Einnahme verdoppelt und pro Gramm Metformin am Tag sogar verdreifacht. Offenbar wirkt Metformin dabei indirekt auf die Nervenzellen, indem es die Vitamin-B12-Aufnahme aus der Nahrung in den Körper stört. 

Die normale Nahrung hält - außer bei streng vegan lebenden Menschen - ausreichend Vitamin B12 bereit. Milchprodukte, Eier, Fisch und rotes Fleisch gehören zu den guten Vitamin-B12-Lieferanten. Das Vitamin ist dabei immer an ein Nahrungseiweiß gebunden, von dem es abgespalten werden muss, bevor es an ein spezielles, körpereigenes Transporteiweiß gebunden und vom Körper aufgenommen werden kann. 

So stört Metformin die Vitaminaufnahme

Experten mutmaßen, dass Metformin die Vitaminaufnahme auf verschiedenen Wegen beeinflusst: Es verändert die Darmflora und ist ein wichtiger Gegenspieler von Calcium. Dieses wiederum bewirkt, dass sich Vitamin B12 mit seinem Transportprotein an die Darmwand anheften und in den Körper aufgenommen werden kann. Der letzte Effekt könne durch Calcium als Nahrungsergänzungsmittel rückgängig gemacht werden.

Nicht jeder Typ-2-Diabetiker, der Metformin nimmt, bekommt gleich Nervenschmerzen. Besonders sensibel sind Patienten, die zusätzlich Medikamente gegen Sodbrennen, sogenannte H2-Blocker oder Protoneninhibitoren, einnehmen. Diese können den Effekt noch verstärken. Gefährdet sind zudem Patienten, die ausgesprochen wenig Fleisch und Milchprodukte essen. 

Ähnliches gilt für Menschen, die eine Leberzirrhose ("Schrumpfleber") haben. Dabei handelt es sich um das Endstadium verschiedener Lebererkrankungen. Die normale, gesunde Leber wird zerstört und durch funktionsloses Gewebe ersetzt. Sie verhärtet, vernarbt und schrumpft. 

Nahrungsergänzung mit Vitamin B12

Wer Metformin einnimmt und unter Nervenschmerzen leidet, der kann den behandelnden Arzt auf einen möglichen Vitamin-B12-Mangel als Ursache hinweisen. Eine entsprechende Nahrungsergänzung mit Vitamintabletten ist dann nach Maßgabe des Arztes möglich.