Bislang wissen Forscher noch relativ wenig darüber, wie Nervenschäden bei Diabetes entstehen und warum manche Menschen stärker daran erkranken als andere. Aber die Diabetische Neuropathie gehört zu den häufigsten Komplikationen bei Diabetes und kann die Lebensqualität stark belasten. Kribbelnde, brennende oder taube Füße sind häufig erste Symptome, die aber auch fehlen können. Obwohl Neuropathien laut Studien bei mindestens 30 Prozent der Diabetiker vorliegen, bleiben sie häufig unerkannt. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, die weit über 30 Prozent liegt. Denn selbst bei Nicht-Diabetikern und kurz vor Beginn eines Diabetes im Prädiabetes-Stadium konnten sie erste Nervenschäden nachweisen. 

Wichtig zu wissen: Offenbar gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Typ-1 Diabetes, schlechten Blutzuckerwerten und Nervenschäden. Eine optimale Einstellung des Blutzuckers und rechtzeitige Kontrollen der Nervenfunktion sind deshalb der beste Weg vorzubeugen. 

PROTECT-Studie Diabetes 

Die  PROTECT-Studie am Institut für Klinische Diabetologie der Universität Düsseldorf fand im Rahmen der nationalen Aufklärungsinitiative "Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?" statt. Bei 1850 Menschen mit und ohne bekannten Diabetes wurde die Nervenfunktion in den Füßen getestet. Das alarmierende Ergebnis: Rund zwei Drittel der Teilnehmer mit Nervenschäden wussten trotz Fußsymptomen nichts von ihrer Erkrankung. Bei Betroffenen ohne typische Missempfindungen war die Rate erwartungsgemäß noch viel höher. Je länger man an Diabetes erkrankt ist, desto grösser ist das Risiko. Ein gut eingestellter Blutzucker wirkt aber nachweislich "neuroprotektiv", also schützend. 

Vorbeugen und rechtzeitig behandeln lohnt sich 

Experten sind sich aufgrund der vorliegenden PROTECT-Studie einig, dass die Aufklärung über Nervenschäden verbessert werden sollte. Nach der aktualisierten Leitlinie Diabetes sollten Typ-1 Diabetiker folgendes beachten: 

  1. Risiko senken, gesund leben: Zu den negativen Risikofaktoren für Nervenschäden gehören auch bei Diabetes unter anderem eine ungesunde Ernährung, Vitamin-B1-Mangel, wenig Bewegung, Übergewicht, regelmäßiger Alkoholkonsum, Rauchen und hoher Blutdruck. Ein gesunder Lebensstil und eine angemessene Behandlung, senken das Risiko und helfen so vorzubeugen. 
  2. Frühzeitig erkennen, rechtzeitig reagieren: Patienten mit Typ-1 Diabetes sollten spätestens 5 Jahre nach der Erstdiagnose zu einem Neuropathie-Screening gehen. In dieser neurologischen Basisuntersuchung überprüft der Arzt die Funktion der Fuß- und Beinnerven. Gibt er Entwarnung, kann die nächste Untersuchung im Abstand von einem Jahr erfolgen. Bei einem positiven Befund sollten sich ausführlichere Tests anschließen, um die endgültige Diagnose zu stellen und rechtzeitig eine Therapie zu starten. 
  3. Therapie nach neuesten Erkenntnissen: In einer früheren Studie konnte die Zahl der Nervenschäden nach fünf Jahren durch eine optimale Diabeteseinstellung (Blutzucker, Blutfette, Normgewicht) um 69 Prozent verglichen mit der Kontrollgruppe erreicht werden. Bestehende Neuropathien konnten bei rund 60 Prozent deutlich verlangsamt werden, entscheidend war dabei ein HbA1c-Wert im empfohlenen Zielbereich. Deshalb gehören zu einer effektiven Therapie von Nervenschäden immer drei Elemente: 
  • Behandlung der Grunderkrankung Diabetes
  • Beschwerden lindern, unter anderem durch eine individuelle Schmerztherapie
  • Mögliche Defizite ausgleichen, beispielsweise durch eine Einnahme von Vitamin B1    

Weitere Informationen:  Diabetische Neuropathie