Bei Typ-1 Diabetes greift der Körper fälschlicherweise die eigene Bauchspeicheldrüse an. Mediziner bezeichnen dies als Autoimmunerkrankung. Die Fehlsteuerung des Abwehrsystems setzt bei Diabetes meist bereits im frühen Kindesalter oder bei jungen Erwachsenen ein und kann mit der Zeit auch andere Organe als die Bauchspeicheldrüse betreffen. Besonders häufig kommt es bei erwachsenen Diabetikern zu einer Autoimmunentzündung von Schilddrüse und Darm.

Hashimoto Thyreoiditis: Wenn sich die Schilddrüse entzündet

Rund ein Drittel aller Menschen mit Typ-1 Diabetes entwickelt eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung, die "Hashimoto-Thyreoiditis". Vor allem Frauen sind betroffen: Jede dritte Diabetikerin mit Kindern muss nach der Entbindung damit rechnen. 

Diese Schilddrüsenentzündung macht sich meist durch eine Unterfunktion bemerkbar. Die Beschwerden sind unspezifisch und individuell verschieden. Eine Ultraschall-Untersuchung und folgende Blutwerte bestätigen die Diagnose: 

  • TSH-Wert erniedrigt - Die Hirnanhangdrüse produziert das Thyroidea-stimulierende-Hormon (TSH), das die Schilddrüse aktiviert.
  • Schilddrüsen-Antikörper erhöht - Der Körper produziert verschiedene Antikörper, die sich gegen die Schilddrüse richten und im Blut messbar sind. Verlaufskontrollen berücksichtigen meist zwei Werte, die sich gegen ein Enzym der Schilddrüse (TPO-AK) oder das Schilddrüseneiweiß Thyreoglobulin (Tg-AK) wenden. 

Zöliakie: Wenn der Körper den Darm angreift

Zehn Prozent der Typ-1-Diabetiker erkranken an einer autoimmunen Darmentzündung, der "Zöliakie". Wer eine erbliche Neigung dazu hat, entwickelt eine Immunreaktion auf das Klebereiweiß Gluten. Es ist in vielen Getreidesorten und besonders in Weizen enthalten. 

Laut Experten sind in Deutschland 0,5 Prozent der Bevölkerung davon betroffen, oft ohne es zu wissen. Die Dunkelziffer scheint enorm hoch zu sein. Typische Beschwerden sind Verdauungsstörungen, Blähungen und allgemeine Symptome, von Migräne bis Müdigkeit. Eine Untersuchung plus Blutwert bringt Klarheit: 

  • Transglutaminase-IgA-Antikörper (Tg-IgA-Ak)

Wichtig zu wissen: Die Symptome von Autoimmunerkrankungen sind oft nicht eindeutig zuzuordnen und stellen deshalb für Ärzte eine Herausforderung dar. Mögliche Beschwerden können bei verschiedenen Krankheiten auftreten, aber auch durch Blutzuckerschwankungen eines unzureichend eingestellten Diabetes verursacht sein. Deshalb werden begleitende Autoimmunerkrankungen oft übersehen oder erst spät entdeckt. 

Der Gemeinsame Bundesausschuss, als wichtigste Instanz für die Bewilligung von Leistungen der Krankenkasse, hat deshalb in seiner überarbeiteten, neuen Version das DMP-Programm Typ-1 Diabetes aktualisiert und um die Diagnostik von Autoimmunerkrankungen erweitert: Diagnostisch wichtige Schilddrüsenwerte im Blut oder ein Test auf die autoimmune Darmerkrankung Zöliakie sollen bei einem Verdacht möglichst frühzeitig angeordnet werden, vor allem bei Frauen nach Geburten und auch bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes. 

So beeinflusst die Schilddrüse den Stoffwechsel von Menschen mit Diabetes

Bei Unterzuckerungen ohne erkennbare Ursache sollte immer auch an eine Schilddrüsenstörung gedacht werden. Denn eine gestörte Schilddrüsenfunktion wirkt sich bei Diabetes immer auch auf den Zuckerstoffwechsel aus und umgekehrt: 

  • Unterfunktion: verstärkte Neigung zu Unterzuckerung, sinkender täglicher Insulinbedarf, gesteigerte Insulinsensitivität/verminderte Insulinresistenz, herabgesetzte Verdauungsaktivität und Glukoseaufnahme. 
  • Überfunktion: verstärkte Insulinresistenz, verminderte Insulinsensitivität in der Peripherie, Hemmung der Insulinsekretion, vermehrte Glukoseaufnahme im Darm, pathologische Glukagonfreisetzung, verstärkte Glykogenolyse in der Leber.

Wichtig zu wissen: Diabetiker können Autoimmunerkrankungen unter anderem vorbeugen, in dem sie Blutzuckerentgleisungen möglichst vermeiden. Ein gut eingestellter Blutzuckerspiegel beugt wiederum einer Schilddrüsenerkrankung vor. Regelmäßige Entspannung und eine gesunde, ausgewogene Ernährung unterstützen den Körper in einer angemessenen Immunreaktion, die schützt und nicht schadet.