Diabetes zählt genauso wie Herzkreislauf-Erkrankungen oder Krebs zu den nicht übertragbaren Krankheiten, den "Noncommunicable diseases" (NCDs). Nach der bisherigen medizinischen Definition spielen bei diesen Erkrankungen genetische Faktoren eine Rolle, Giftstoffe aus der Umwelt und der Lebensstil, aber keine von Mensch zu Mensch übertragbare Ursache. An dieser Definition zweifelte jetzt ein Forscherteam vom Canadian Institute for Advanced Research (CIFAR).

Darmflora als Indikator für Diabetes? 

Die Zusammensetzung der Darmbesiedelung - die "Darmflora" - ändert sich laut aktueller Studien auch bei nicht übertragbaren Erkrankungen. Dadurch kommt das gesunde Verhältnis aus 80 Prozent nützlichen und 20 Prozent schädlichen Darmorganismen aus dem Gleichgewicht. Verwundert hat die Forscher, dass solche "dysbiotischen" Störungen der Darmflora noch vor dem Ausbruch eines Typ-2 Diabetes nachgewiesen werden konnten.  

Auf der Grundlage dieser Studien führten die Forscher jetzt im Tiermodell für NCDs eine Transplantation von krankhaft veränderter Darmflora in gesunde Tiere durch. Das Ergebnis: Selbst eine nicht übertragbare Erkrankung wie Diabetes kann durch die Transplantation der Darmflora auf einen gesunden Organismus übertragen werden. Die Darmorganismen von übergewichtigen Mäusen führten nach der Transplantation zu einer Gewichtszunahme von ursprünglich schlanken Tieren.  

Wichtig zu wissen: Die Übertragbarkeit von NCDs konnte aber bislang nur im experimentellen Versuch nachgewiesen werden. Insofern spricht viel dafür, dass es bei Typ-2 Diabetes einen Zusammenhang zur Darmflora gibt, aber die Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch ist damit noch lange nicht gesichert. Dennoch lohnt es sich für Diabetiker, auf die Darmgesundheit zu achten. 

Darmbakterien in Balance 

Heute sind mehr als 400 verschiedene Darmbakterienarten bekannt, die meist an der Darmwand im Dickdarm angesiedelt sind. Schützende Darmbakterien haben für die Gesundheit wichtige Funktionen: Je mehr verschiedene Bakterienarten, desto besser. Denn sie verdauen je nach Bakterientyp nicht nur die unterschiedlichen Bestandteile der aufgenommenen Nahrung, sondern sie halten auch schädliche Darmbakterien in Schach, vorausgesetzt die "guten Bakterien" sind deutlich in der Überzahl. 

Wichtig zu wissen: Das blutzuckersenkende Medikament Metformin hat laut Studien eine positive Wirkung auf die Darmbesiedelung. Es macht die bei Typ-2 Diabetes oft vorhandene Störung der Darmflora rückgängig oder verbessert sie. Dies konnte ein internationales Team nachweisen, zu denen auch Forscher des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie in Heidelberg gehören. Metformin darf allerdings nicht bei eingeschränkter Nierenfunktion oder schweren Herz- und Lebererkrankungen eingenommen werden. Allein zur Verbesserung der Darmflora ist der Einsatz deshalb nicht sinnvoll. 

Unser Tipp: Um die Darmflora zu stärken oder wiederaufzubauen, sollten Sie sich grundsätzlich gesund und ausgewogen ernähren, aber auch krankmachende Faktoren im Blick behalten. Dazu gehören Antibiotika, Alkohol, Fast Food und Dauerstress. 

So reguliert der Darm das Immunsystem

Um die Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems gut zu regulieren, zum Beispiel auf Keime und Allergene von außen, ist eine gute Darmflora ebenfalls entscheidend. Mediziner sprechen hier von der "immunologischen Toleranz". Das bedeutet: Spezielle Regulationsmechanismen im Darm sorgen dafür, dass Keime bekämpft werden, es aber nicht zu einem Angriff der Abwehrzellen auf den eigenen Körper kommt, wie dies bei Allergien oder Autoimmunerkrankungen der Fall ist. An dieser Toleranz sind schützende Darmbakterien beteiligt.