Von den Augen bis zu den Nieren, vom Herz bis zur Haut kann sich Diabetes im Laufe der Zeit auf verschiedene Organe auswirken. Die Diagnose Diabetes Typ 2 bedeutet deshalb lebenslange Sorge um die eigene Gesundheit und natürlich immer wieder Verzicht. Das ist für Betroffene belastend. Aber je besser der Blutzucker im Griff ist, desto weniger ausgeprägt sind die Folgeschäden. Angesichts der Einschränkungen und Sorgen bei Diabetes ist es nachvollziehbar, was internationale Forscherteams jetzt herausfanden. Gleichzeitig bedeutet es aber für die Betroffenen, die große Chance ungenutzt zu lassen, trotz Diabetes möglichst lange und gut zu leben. 

Typ-2-Diabetes erhöht das Krebsrisiko 

Laut aktueller Forschung wurden die Herzkreislauf-Erkrankungen auf Platz 1 der Todesursachen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes abgelöst von den Krebserkrankungen. Möglicherweise sind verbesserte kardiologische Therapien mit ein Grund dafür. Aber verschiedene Studien der letzten Jahre konnten eine weitere Ursache nachweisen: Bei Typ-2-Diabetes besteht grundsätzlich ein erhöhtes Risiko, Krebs zu entwickeln und daran zu sterben. Dieses Ergebnis wurde aktuell im renommierten Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht und bestätigt u.a. eine Diabetes-Follow-up-Studie in Schottland (2020), eine australische umfangreiche Studie (Metaanalyse 2018) sowie eine Studie aus Japan (2017).

"Wie groß der Einfluss von Übergewicht und Adipositas auf die Entstehung von Krebserkrankungen im gesamten Körper ist, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Studien zeigen ganz klar, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Denn durch Früherkennung, aber vor allem durch einen gesunden Lebensstil und ein normales Gewicht, lässt sich Krebs vorbeugen." 

Gastroenterologe Prof. Dr. Hans Scherübl, Vivantes Klinikum Berlin

Übergewicht & Co.

Typ-2-Diabetes wird häufig durch das "metabolische Syndrom", auch als "Insulinresistenz-Syndrom" bezeichnet, hervorgerufen. Dieses beschreibt das gleichzeitige Auftreten verschiedener stoffwechselrelevanter Faktoren. Hierzu gehören Übergewicht - vor allem im Bauchbereich -, erhöhter Blutdruck, erhöhter Blutzucker und ein zu hoher LDL-Cholesterin-Wert. Diese 4 Faktoren begünstigen über Botenstoffe aus dem Fettgewebe, wie Adipokine und Zytokine, Entzündungen und schwächen die Wirkung von Insulin. Das metabolische Syndrom führt dadurch im Laufe der Zeit nicht nur zu Typ-2-Diabetes, sondern begünstigt neben Herz-Kreislauferkrankungen auch die Entstehung bösartiger Tumore. Bauchfett ist hormonell aktiv und fördert dadurch zusätzlich hormonabhängige Krebsarten, zum Beispiel der Brust und der Gebärmutter. Zudem zeigen Studien, dass Fettleibigkeit das Risiko für aggressiven Prostatakrebs erhöht.

Wichtig zu wissen:

Frauen mit Diabetes hatten in der Diabetes-Studie aus Schottland bzw. Australien durchschnittlich ein höheres Krebsrisiko als männliche Diabetiker. Die in den Studien erhobenen Unterschiede zwischen Männern und Frauen deuten darauf hin, dass Diabetikerinnen von einem gesunden Lebensstil umso mehr  profitieren. 

Fakt ist: Der schädigende Prozess durch das metabolische Syndrom lässt sich in jedem Lebensalter aufhalten und sogar teilweise  rückgängig machen. Je mehr Sie für Ihre Gesundheit tun, desto besser stehen Ihre Chancen auch im Kampf gegen Krebs. Dazu gehört vor allem Lebensfreude, nicht rauchen, sich bewegen und gesund ernähren. Wer übergewichtig ist, sollte abnehmen und das Gewicht normalisieren. Falls dies mit Diabetes schwer fällt, kann eine professionelle Beratung sinnvoll sein. Sprechen Sie Ihre behandelnde Praxis auf eine geeignete Schulungsmöglichkeit an!

Früherkennung rettet Leben 

Laut aktueller Studien vernachlässigen viele Menschen mit Typ-2-Diabetes bei ihrer Gesundheitsvorsorge einen wichtigen Aspekt: Die Früherkennung von Krebs. Obwohl diese kostenlosen Untersuchungen nachweislich das Risiko an Krebs zu sterben verringern und die Prognose durch einen frühzeitigen Start der Therapie verbessern, nutzen Menschen mit Diabetes diese Chance deutlich zu selten. Die aktuellen Zahlen sprechen eine klare Sprache: 

Typ-2-Diabetes erhöht das Darmkrebsrisiko. Das ist schon länger belegt. Dennoch wurden die angebotenen Tests zur Früherkennung von Darmkrebs von Menschen mit Diabetes seltener genutzt als von der Allgemeinbevölkerung. Zu diesem Ergebnis kam jetzt eine Langzeitstudie in England. Gleiches gilt übrigens auch für Deutschland.

 "Die Darmkrebsvorsorge ist für Menschen mit Diabetes mellitus besonders wichtig. Kaum eine Früherkennungsmaßnahme ist so wirksam und erfolgreich wie die Darmspiegelung. Männer und Frauen sollten diese Chance gleichermaßen nutzen."  

Gastroenterologe Prof. Dr. Hans Scherübl, Vivantes Klinikum Berlin 

Wichtig zu wissen:

Eine Krebsdiagnose muss heute kein Todesurteil mehr sein, vorausgesetzt der Tumor wird rechtzeitig genug entdeckt. Wenn sich Krebs durch Symptome bemerkbar macht, ist es aber oft schon zu spät. Genau deshalb ist das Screening zur Früherkennung von Krebs so entscheidend und "überlebenswichtig". Gleiches gilt für die Vorbeugung durch einen gesunden Lebensstil, vor allem bei Diabetes.

Früherkennung von Krebs ist bei Diabetes besonders wichtig 

Die Angst vor Krebs ist groß, aber heute bietet die moderne Medizin Betroffenen auf Basis ständig neuer Forschung erprobte und wirksame Therapien an. Je früher sie zum Einsatz kommen, desto größer ist die Chance auf ein längeres Leben oder im Frühstadium sogar auf Heilung. 

Deshalb dürfen in Deutschland alle Menschen im Laufe ihres Lebens regelmäßig an bestimmten kostenfreien Untersuchungen auf Krebs teilnehmen. Diese so genannten "Screenings" werden durch die Krankenkassen finanziert und testen auf die häufigsten Krebserkrankungen (Darm-, Brust-, Gebärmutterhals-, Prostata- und Hautkrebs).

Ab wann welche Untersuchungen anstehen, können Sie hier nachlesen oder bei Ihrer Arztpraxis erfragen. Sprechen Sie beim Arzt Ihre Bedenken oder Fragen offen an. So können Ängste vor den Früherkennungsuntersuchungen in den allermeisten Fällen ausgeräumt werden.