Im Verlauf der Zeit erkrankt fast jeder dritte Typ-1 Diabetiker an einer Neuropathie, die oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird. Am häufigsten kommt es zu einer so genannten "distalen sensomotorischen Polyneuropathie", bei der die Extremitäten betroffen sind und Reize aufgrund von geschädigten Nerven immer schlechter wahrgenommen werden. Zu den typischen Symptomen zählen beispielsweise ein reduziertes Druck- und Temperaturempfinden, abgeschwächte Reflexe oder auch Muskelkrämpfe. In einem späteren Stadium können Schmerzen hinzukommen und dadurch bedingt auch Schlafstörungen. 

Wichtig zu wissen: Die Risikofaktoren für eine diabetische Nervenschädigung ähneln den Faktoren, die zu einem Vitamin-B1-Mangel führen können: Übergewicht und ungesunde Ernährung, aber auch Alkohol und Nikotin. Nach neuen Erkenntnissen der Forscher am DDZ ist diese Ähnlichkeit nicht zufällig, sondern es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen einer diabetischen Neuropathie und einem Vitamin-B1-Mangel. Da Nervenschädigungen auch schon in einem frühen Stadium auftreten können, sollten Diabetiker einen Vitamin-B1-Mangel rechtzeitig erkennen und gezielt ausgleichen. Zusätzlich spielt offenbar die genetische Veranlagung eine Rolle, ob sich Nervenschäden ausbilden oder nicht. 

Diese Funktion hat Vitamin B1 bei Diabetes 

Der Körper braucht Vitamin B1 für zahlreiche Nervenfunktionen und um Kohlenhydrate in Energie umzuwandeln. Forscher des DZZ fanden heraus, dass Vitamin B1 an der Aktivierung eines wichtigen Schlüsselenzyms im Stoffwechsel beteiligt ist, der Transketolase. Dieses Enzym sorgt bei zu hohen Blutzuckerwerten dafür, dass der Körper mehr Glukose abbauen kann. Durch den oft erhöhten Blutzucker brauchen deshalb viele Menschen mit Diabetes mehr Vitamin B1 zur Aktivierung des Enzyms. Zusätzlich scheidet die Niere mehr Vitamin B1 aus, wodurch das Risiko für einen Vitamin-B1-Mangel bei Diabetes noch verstärkt wird.

Der Verzehr von rohem Fisch, schwarzem Tee, aber auch der regelmäßige Konsum von Alkohol und Tabak blockiert die Aufnahme von Vitamin B1 aus dem Darm und kann zur Deaktivierung des Vitamins führen. Diese Kombination aus ungünstiger Ernährung und Stoffwechsel fördert einen Vitamin-B1-Mangel und indirekt damit auch eine diabetische Neuropathie. Damit es gar nicht erst soweit kommt, sollten Menschen mit Diabetes diesen "essbaren Nervenschutz" nutzen und auf eine Ernährung wertlegen, die reich an Vitamin B1 ist. Denn Vitamin B1 kann das Nervensystem schützen und Symptome einer bestehenden Neuropathie nachweislich verbessern. 

Spürbar: Vitamin-B1-Mangel bei Diabetes

Die Folgen eines Vitamin-B1-Mangels zeigen sich meist schon nach wenigen Wochen, denn nur etwa 30 mg des Vitamins können unter anderem im Gehirn, in den Muskeln oder in der Leber als Reserve gespeichert werden. Bei einem längeren Mangel an Vitamin B1 kann es vor allem zu Nervenschäden kommen, beispielsweise in Form einer diabetischen Neuropathie. Weitere Folgen eines Vitamin-B1-Mangels sind Kopfschmerzen, Schwächegefühl, Magen-Darm-Probleme, eine Erkrankung des Herzmuskels oder Herzrasen. 

Wichtig zu wissen: Zur Behandlung der diabetischen Neuropathie verordnet der Arzt verschiedene Medikamente. Rezeptfrei können nach Rücksprache mit dem Arzt unter anderem die Vitamin-B1-Vorstufe Benfotiamin oder Alpha-Liponsäure zum Einsatz kommen. 

Entscheidend für eine erfolgreiche Linderung der Symptome ist jedoch die Kombination aus Medikamenten und einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten. Alle Vollkornprodukte wie Müsli und Brot, sind reich an B-Vitaminen, Obst und Gemüse dagegen weniger. Da das Risiko für eine Neuropathie bei Diabetes hoch ist, sollten Betroffene auf eine ausreichende  Vitamin-B1 Zufuhr achten und "Vitamin-B1-Räuber" wie Alkohol oder Tabak meiden. Liegt ein nachgewiesener Mangel vor, kann es nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sinnvoll sein, Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin-B1 einzunehmen. 

Vitamin-B1 reiche Nahrungsmittel

  • Sonnenblumenkerne
  • Kürbiskerne 
  • Leinsamen 
  • Nüsse
  • Mageres Fleisch (vor allem Schweinefleisch)
  • Fisch (vor allem Scholle)
  • Vollkorngetreide
  • Hülsenfrüchte
  • Gemüse wie z.B. Spargel, Kartoffeln, Spinat