Eine eigene Familie gründen und ein Kind bekommen gehört für Frauen mit Diabetes zu den Themen, die immer wieder diskutiert werden. Das hat einen Grund, denn das Risiko für die Schwangere, aber auch für das Baby ist mit Typ-1-Diabetes deutlich erhöht. Ein internationales Forscherteam fand jetzt heraus, wie sich dieses Risiko senken lässt.

Das sollten Frauen mit Kinderwunsch beachten

Entscheidend für die Gesundheit von Mutter und Kind ist laut aktueller Studien eine intensive, gemeinsame Betreuung vor und während der Schwangerschaft, in der Geburtsphase und kurz danach durch folgende drei Fachdisziplinen: 

  • Diabetologie  
  • Geburtshilfe
  • Kinderheilkunde mit Schwerpunkt Neugeborene

Mit Typ-1-Diabetes sollte eine Schwangerschaft sorgfältig vorbereitet und geplant werden. Das Ziel besteht darin, bereits vor und dann während der gesamten Schwangerschaft den Stoffwechsel zu stabilisieren und so anzupassen, dass der Blutzuckerspiegel dem Stoffwechsel von Schwangeren ohne Diabetes entspricht. 

Das bedeutet konkret: 

  • Optimalen Blutzuckerspiegel anstreben (HbA1c  < 6,5 % /Messung alle 4-6 Wochen /  Alternatives Ziel: HbA1c < 6,5-7,0 % falls die Gefahr schwerer Unterzuckerungen besteht)
  • Empfohlenes Blutzuckerziel in mindestens 70 % der täglichen Blutzuckermessungen erreichen. Der Zielbereich liegt bei 63-140 mg/dl (3,5-7,8 mmol/l)  
  • Folsäureprophylaxe vor und nach der Schwangerschaft durchführen

So verändert sich der Insulinbedarf

Der Insulinbedarf steigt meist ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel deutlich an (um 50 bis 200 % bis zur Geburt). Drei bis vier Wochen vor der Geburt fällt der Tagesbedarf dann häufig wieder leicht ab und nach der Geburt muss die Insulindosis innerhalb weniger Tage neu angepasst werden. Im Kreißsaal sollte nur kurzwirksames Insulin verabreicht werden, weil die Regulierung des Blutzuckers damit leichter ist. 

Fällt der Insulinbedarf plötzlich um mehr als 15 Prozent am Tag ab, sollte möglichst schnell eine Schwangerschaftsvergiftung (Gestose) ausgeschlossen werden. Die Hauptsymptome sind Kopfschmerzen, eine verschwommene Sicht, das Anschwellen der Füße, Bluthochdruck und Eiweiß im Urin. 

Wichtig zu wissen: Laut CONCEPTT-Studie können Schwangere durch eine kontinuierliche Glucosemessung (CGM) den Blutzucker besser stabilisieren. Je mehr Zeit der Blutzucker während der Schwangerschaft im Zielbereich lag, desto mehr verbesserte sich die Gesundheit der Schwangeren selbst und die des neugeborenen Kindes. Keinen Nutzen erbrachte die CGM vor einer geplanten Schwangerschaft. 

Fehlbildungen vorbeugen

Frauen mit Typ-1-Diabetes bringen ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen des Kindes mit. Herz- und Gefäßfehler, aber auch ein "offener Rücken" (Neuralrohrdefekt) treten häufiger bei Kindern betroffener Mütter auf. Starkes Übergewicht der Schwangeren sowie ein Folsäuremangel zählen zu den teilweise vermeidbaren Risikofaktoren. 

Die Fehlbildungen hängen offenbar mit dem HbA1c-Wert vor der Schwangerschaft zusammen. Die Forschenden fanden heraus, dass das Risiko für Fehlbildungen im Vergleich mit Frauen ohne Diabetes um 8,8 Prozent erhöht ist und ab einem HbA1c-Wert von 6,3 Prozent noch steigt.  

Die gute Nachricht: Die Rate an Fehlbildungen sinkt durch die ärztlich begleitete Optimierung des Stoffwechsels und die gezielte Einnahme von Folsäure. Am größten ist der Nutzen, wenn Folsäure-Präparate schon vor der Schwangerschaft eingenommen werden. 

Rund um die Geburt 

Eine Terminüberschreitung ist mit Diabetes nicht ratsam. Schwangere sollten sich deshalb spätestens bis zur 36. Woche in der Klinik vorstellen, wo sie entbinden wollen. Eine spezielle Geburtseinleitung ist aber nicht nötig. 

Eine halbe Stunde nach der Geburt wird das Kind gefüttert und dann alle zwei bis drei Stunden. Noch im Kreißsaal erfolgt die erste Messung des kindlichen Blutzuckers, um Unterzuckerungen rechtzeitig zu erkennen. In einem so genannten "Perinatalzentrum" stehen für die Betreuung des Neugeborenen spezielle Fachärzte zur Verfügung, was bei Müttern mit Typ-1-Diabetes sinnvoll ist. 

Darf ich stillen?

Wer sein Kind stillen kann und möchte, braucht in der Regel rund 25 Prozent weniger Insulin, so die Forschenden vom Diabeteszentrum. Weil viele Frauen das Stillen als schön empfinden und es außerdem noch für das Kind gesünder ist, sollten es Frauen mit Diabetes zumindest ausprobieren. Bei Problemen oder Fragen stehen heute in vielen Kliniken spezielle Stillberaterinnen zur Verfügung.