Wie sehr jemand durch eine chronische Krankheit wie Diabetes im Alltag eingeschränkt wird, zeigt der "Grad der Behinderung" (GdB) an, der offiziell durch einen Amtsarzt festgestellt werden muss. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für eine Bewilligung oder Ablehnung eines Schwerbehindertenausweises, den man alle fünf Jahre beim zuständigen Amt neu beantragen muss. 

Diabetes ist nicht gleich Diabetes

Da Sie als Typ 1 Diabetiker insulinpflichtig sind, haben Sie automatisch einen Grad der Behinderung von 20.  Schwerbehindert sind Sie nach dem Gesetz aber erst ab einem GdB von 50. Damit Sie sich als Diabetiker selbst einschätzen können, gibt es die folgenden vier Kategorien von 0 bis 50:  

  • GdB 0 → Diabetes, dessen Therapie keine Unterzuckerung auslösen kann und der Sie im Alltag nicht beeinträchtigt.
  • GdB 20 → Diabetes, dessen Therapie eine Unterzuckerung auslösen kann und der Sie im Alltag belastet.
  • GdB 30 bis 40 → (zusätzlich zum GdB 20) Diabetes, bei dem Sie  mindestens 1-mal täglich den Blutzucker selbst messen.
  • GdB 50 → Diabetiker, die sich mindestens vier Mal täglich Insulin spritzen, die Insulindosis selbstständig anpassen und im Alltag gravierend beeinträchtigt sind. 

Tipp: Für die Beantragung des Schwerbehindertenausweises müssen Ihre Blutzuckermessungen und die jeweilige Insulindosis gut dokumentiert sein. Dafür eignet sich ein Blutzucker-Tagebuch, das Sie mindestens drei Monate geführt haben. 

Das spricht für einen Schwerbehindertenausweis 

Mit einer anerkannten Schwerbehinderung erhalten Betroffene einen so genannten "Nachteilsausgleich", der handfeste Vorteile hat. Dazu können beispielsweise Steuererleichterungen, ein besserer Kündigungs- und Arbeitsschutz, Sonderurlaub für Berufstätige und eine kostenlose Beförderung im öffentlichen Nahverkehr gehören, aber auch die Möglichkeit vorzeitig in Rente zu gehen oder für junge Menschen u.a. Erleichterungen bei der Vergabe von Studienplätzen mit Zulassungsbeschränkung. 

Machen Sie sich klar, dass Ihnen diese Vorteile mit einem GdB von 50 gesetzlich zustehen. Insofern muss es Ihnen nicht peinlich sein, einen Antrag auf Schwerbehinderung zu stellen. 

Es gibt aber auch Nachteile

Anders sieht es mit den tatsächlichen Nachteilen aus. Bevor Sie einen Antrag stellen, sollten Sie sich deshalb intensiv mit möglichen Nachteilen beschäftigen. Informieren Sie sich, welche "Nachteilsausgleiche" Ihnen in Ihrem Bundesland als Typ 1 Diabetiker auch ohne Schwerbehindertenausweis zustehen, zum Beispiel an Schulen bei Abschlussprüfungen oder an Hochschulen im Rahmen der Härtefallregelung. 

Wägen Sie sorgfältig ab, ob Sie folgende Nachteile durch eine offiziell anerkannte Schwerbehinderung in Kauf nehmen möchten: 

  • In Bewerbungen müssen Sie die Schwerbehinderung erwähnen, was einen Arbeitgeber zum Beispiel wegen des erweiterten Kündigungsschutzes abschrecken könnte. 
  • Beim Abschluss von Versicherungen ist der Schwerbehindertenausweis nachteilig.  

Wichtig zu wissen: Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass Sie mit einem Schwerbehindertenausweis automatisch auch Behindertenparkplätze nutzen dürfen. Dies ist nur dann erlaubt, wenn Sie zusätzlich noch einen speziellen Parkausweis haben. 

Das Kleingedruckte

Auf dem Ausweis sollten außer dem Grad der Behinderung falls zutreffend noch weitere Merkzeichen stehen, die für spezielle Fördermaßnahmen wichtig sind, die Sie beantragen können: 

  • G für erheblich gehbehindert
  • aG für außergewöhnlich gehbehindert
  • H für hilflos. Das bedeutet, der Betroffene ist dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen
  • BL für blind
  • GL für gehörlos
  • B bedeutet, dass Begleitung bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel erforderlich ist
  • RF Bei diesem Vermerk ist eine Rundfunkgebühren-Befreiung und Telefonermäßigung möglich. 
  • Für kriegsgeschädigte Personen gibt es ein Sondermerkzeichen