Autoimmunerkrankungen - häufiger als gedacht

In Deutschland sind ungefähr 10 bis 15 Millionen Menschen von sogenannten Autoimmunerkrankungen betroffen. Bei dieser Art von Krankheiten werden die körpereigenen Abwehrzellen fehlgeleitet und greifen den eigenen Körper an. Dadurch kommt es zu dauerhaften, also chronischen Entzündungen im betroffenen Gewebe. Ohne Behandlung oder eine geänderte Lebensführung besteht die Krankheit im Regelfall ein Leben lang. Auch der Typ-1-Diabetes gehört zu den Autoimmunerkrankungen.

Wer und was wurde in der US-Studie untersucht?

US-Amerikanische Wissenschaftler gingen in einer langjährigen Studie der Frage nach, ob bestimmte Gruppen von Menschen mit Typ-1-Diabetes ein höheres Risiko aufweisen, weitere Immunerkrankungen zu bekommen. Die Altersspanne der 1.212 Teilnehmer - alle Typ-1-Diabetiker - reichte von 19 bis 96 Jahren. Bei ihnen wurde der Diabetes durchschnittlich im Alter von etwa 21 Jahren festgestellt.

Risikofaktoren: Alter, Zeitpunkt des Krankheitsausbruchs und Krankheitsdauer

Aus der Studie konnte abgeleitet werden, dass drei Faktoren ausschlaggebend für das Auftreten weiterer Autoimmunerkrankungen waren: Je älter die Betroffenen waren, je später der Typ-1-Diabetes bei ihnen erkennbar wurde und je länger Typ-1-Diabetes bereits bestand, desto höher war das Risiko, dass eine weitere Autoimmunerkrankung auftrat. Frauen zeigten dabei ein größeres Risiko als Männer, weitere Autoimmunkrankheiten auszubilden. Ebenso war für Frauen das Risiko höher, mehrere zusätzliche Erkrankungen zu erwerben. Dabei wurden bei Frauen häufiger ganz bestimmte Autoimmunerkrankungen festgestellt, während bei Männern keine der Autoimmunstörungen vorrangig auftrat.

Häufig ist die Schilddrüse betroffen

Bei 35 Prozent der Studienteilnehmer wurde mindestens eine weitere Autoimmunerkrankung festgestellt. Die häufigste war eine Funktionsstörung der Schilddrüse: 22 Prozent der Teilnehmer hatten eine Schilddrüsenunterfunktion, bei fünf Prozent war es eine Schilddrüsenüberfunktion. Weniger häufig trat die sogenannte perniziöse Anämie auf, eine Blutarmut, die vermutlich durch Vitamin-B12-Mangel ausgelöst wird. In wenigen Fällen wurde auch Rheuma, also eine dauerhafte Entzündung der Gelenke, oder die Schuppenflechte (eine entzündliche Erkrankung der Haut und anderer Organe) beobachtet.

Die genannten Autoimmunstörungen brachen meist aus, nachdem der Typ-1-Diabetes erkennbar geworden war. Dabei konnten durchaus auch zehn und mehr Jahre zwischen den Krankheitsausbrüchen liegen.

Als Schlussfolgerung ihrer Studie schlagen die Autoren vor, bei Betroffenen, besonders Frauen, bei denen der Typ-1-Diabetes zu einem späteren Zeitpunkt als gewöhnlich ausbricht, aufmerksam gegenüber weiteren Autoimmunkrankheiten zu sein.