Die genauen Gründe für die Entstehung eines Typ-1-Diabetes liegen bis heute im Dunkeln. Möglicherweise spielt die familiäre Veranlagung eine Rolle. Experten vermuten auch, dass bestimmte Virusinfektionen eine Fehlsteuerung des Immunsystems auslösen. Sie könnte eine Ursache dafür sein, dass der Körper die eigenen insulinproduzierenden Zellen angreift und zerstört. Untersuchungen konnten zudem zeigen, dass kuhmilchhaltige Babynahrung das Risiko für Typ-1-Diabetes zu erhöhen scheint. Selbst der Diabetesinformationsdienst des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) weist in seinen Patienteninformationen darauf hin.

Studie mit 2.159 Kindern findet allerdings keinen Zusammenhang

Möglichweise ist diese Einschätzung überholt: Eine große Studie mit 2.159 Säuglingen aus 15 Ländern - sie hatten alle eine entsprechende genetische Veranlagung und mindestens ein Familienmitglied war bereits an Typ-1-Diabetes erkrankt - hat gezeigt, dass eine spezielle, kuhmilchfreie Babynahrung bei den Kindern nicht das Risiko gesenkt hat, Typ-1-Diabetes zu bekommen.

Der Studienansatz geht auf die Vermutung zurück, dass die "Basis" für einen späteren Typ-1-Diabetes schon im Säuglingsalter gelegt wird. Forscher fanden heraus, dass viele Diabetiker in den ersten Lebensjahren bestimmte Autoantikörper bilden. Das sind Abwehrstoffe, die sich gegen eigene Zellen richten. Und genau diese Autoantikörper leiten die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse ein.

Bestimmte Autoantikörper erhöhen Erkrankungsrisiko deutlich

So bekommen 70 Prozent der Säuglinge in den folgenden zehn Jahren Typ-1-Diabetes, wenn sich in ihrem Blut zwei oder mehr dieser Autoantikörper finden. Eine Reihe von Untersuchungen hatte Anfang der 2000er-Jahre zu der Vermutung geführt, dass Kuhmilch-Proteine in der Babynahrung diese Autoantikörperbildung mit auslösen können.

Das Forscher-Team um Prof. Mikael Knip von der Kinderklinik der Universität Helsinki (Finnland) wollte dieser Vermutung auf den Grund gehen. Dazu hatte das Team die Säuglinge in zwei gleichgroße Gruppen eingeteilt: Die eine Gruppe bekam nach dem Abstillen der Mütter die kuhmilchfreie Babynahrung, die andere Gruppe erhielt herkömmliche Säuglingsnahrung mit Kuhmilchproteinen. Die Mütter begannen im Alter von zwei Monaten mit dem Zufüttern und verwendeten die Babynahrung für etwa zehn Wochen.

Kinder im Schnitt 11,5 Jahre nachbeobachtet

Die Kinder wurden für durchschnittlich 11,5 Jahre “nachbeobachtet”, um zu sehen bei welchen Kindern und wie oft sich in den beiden Gruppen Typ-1-Diabetes entwickelte.

In der Gruppe mit der speziellen, kuhmilchfreien Säuglingsnahrung bekamen 8,4 Prozent der Kinder Typ-1-Diabetes, in der Kontrollgruppe mit Kuhmilch-Säuglingsnahrung waren es nur 7,6 Prozent. In der Gruppe mit Kuhmilch-Säuglingsnahrung erkrankten also nicht wie erwartet mehr, sondern etwas weniger Kinder. Im Schnitt erkrankten die Kinder im Alter von sechs Jahren und ungefähr vier Jahre nach dem Auftreten der ersten Antikörper. Die Studie liefere keine Hinweise, dass Kuhmilch-Antigene für die Entstehung von Typ-1-Diabetes entscheidend seien, resümieren die Autoren.