Behandlungsleitfäden - medizinisch auch als "Leitlinien" bezeichnet - sind für ältere Menschen mit Diabetes wichtig. Jeder zweite Diabetiker in Deutschland ist mittlerweile älter als 70 Jahre. Und die Diabetes-Therapie für ältere Menschen unterscheidet sich mitunter deutlich von der Behandlung jüngerer Patienten.

Experten aus sieben medizinischen Fachgesellschaften haben sich zusammengesetzt, um Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Sie haben Studien und Untersuchungen der vergangenen zehn Jahre recherchiert, gesichtet und analysiert und ihre Erkenntnisse in entsprechende Empfehlungen zur Diagnose und Behandlung von älteren Diabetikern gegossen.

Behandlungsziele je nach Fitnesszustand

Ihre Empfehlungen orientieren sich vor allem am Fitnesszustand des Patienten und nicht am chronologischen Alter. Sie unterscheiden vier Gruppen: 

  • Gruppe 1: funktionell unabhängige Senioren. Sie sind fit, brauchen keine Unterstützung und können eine intensive Diabetes-Behandlung bekommen, die auf einen Langzeitblutzuckerwert (HbA1c-Wert) zwischen 6,5 und 7,5 Prozent abzielt. Die Blutzuckerwerte vor dem Essen sollten zwischen 100 und 125 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) liegen, entsprechend 5,6 bis 6,9 Millimol pro Liter (mmol/l).
  • Gruppe 2: funktionell leicht abhängige Senioren. Sie sind weitgehend fit, benötigen jedoch gelegentlich Unterstützung. Für sie sieht der Behandlungsleitfaden einen HbA1c-Wert von unter acht Prozent vor. Sie sind besonders durch Unterzuckerungen und Stürze gefährdet. Als Blutzucker-Bereich vor der Mahlzeit empfehlen sich Werte zwischen 100 und 150 Milligramm pro Deziliter (mg/dl), entsprechend 5,6 bis 8,3 Millimol pro Liter (mmol/l).
  • Gruppe 3: funktionell stark abhängige Senioren. Sie sind wenig beweglich, pflegebedürftig und meistens geistig senil. Ihr Blutzucker sollte vor den Mahlzeiten zwischen 110 und 180 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) liegen, entsprechend 6,2 bis 10,1 Millimol pro Liter (mmol/l). 
  • Gruppe 4: Senioren, die kurz vor dem Lebensende stehen. Hier sollten Arzt und Patient gemeinsam die Behandlungsziele abstecken und festlegen. Wichtigstes Ziel: die Beschwerden minimieren.

In der neuen Behandlungsleitlinie rückt außerdem die Lebensqualität in den Vordergrund. Akute Komplikationen wie Unterzuckerungen sollen effektiver vermieden werden. Der behandelnde Arzt soll nur so viele Medikamente verordnen wie unbedingt nötig, auch um Nebenwirkungen niedrig zu halten. Senioren, die geistig oder körperlich eingeschränkt sind, sollten eine Behandlung bekommen, die diese Einschränkungen möglichst gering hält.

Blutzuckersenker Metformin bleibt erste Behandlungswahl

Auch für Senioren gilt: Der blutzuckersenkende Wirkstoff Metformin bleibt die erste Wahl. Der Behandlungsleitfaden empfiehlt, die Dosis langsam und stetig zu steigern, um Magen-Darm-Beschwerden so gering wie möglich zu halten. Das Medikament sollte abgesetzt werden, wenn sich die Nierenfunktion stark verschlechtert, etwa bei schweren Infektionen oder starkem Flüssigkeitsverlust, zum Beispiel durch gestörtes Durstempfinden, starkes Schwitzen oder Durchfall.