Nicht alle Typ-2-Diabetiker entwickeln dieselben Spätschäden. Eine neue Klassifikation unterscheidet fünf Diabetestypen mittels sechs unterschiedlicher Laborwerte. Sie soll Krankheitsverlauf und Spätfolgen für jeden Patienten genauer voraussagen und so helfen, den Behandlungserfolg zu verbessern. 

Typ 2, Typ 1 - oder beides?

90 Prozent aller Diabetes-Erkrankungen treten bei Erwachsenen auf. Sie werden in der Regel als Typ-2-Diabetes bezeichnet. Er entsteht durch die Resistenz gegen das körpereigene Hormon Insulin, das eigentlich den Blutzucker senken soll. Eine bestimmte Form des Erwachsenendiabetes - der sogenannte LADA ("latent autoimmune diabetes in adult"), zu Deutsch "unterschwelliger Autoimmundiabetes bei Erwachsenen" - startet zunächst als Typ-2-Diabetes und wird dann später immer mehr zum Typ-1-Diabetes. 

Beim Typ-1-Diabetes bildet der Körper Antikörper gegen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse und zerstört sie. In der Folge versiegt die Insulinproduktion immer mehr. Im Gegensatz zu Typ-2-Diabetikern müssen sich Menschen mit Diabetes Typ 1 immer Insulin spritzen. 

Blutzuckergrenzwert zu grob

Die Diagnostik des Diabetes bezieht sich hauptsächlich auf den Blutzuckergrenzwert - dieser ist vielen Diabetesexperten aber mittlerweile zu grob. Beim Diabetes gibt es große Unterschiede: Einige Menschen sind unempfindlich gegen das eigene Insulin geworden, aber auch ihre insulinproduzierenden Zellen stellen mehr und mehr die Arbeit ein. Sie brauchen ziemlich schnell Insulin, wogegen andere Diabetespatienten lebenslang ohne Insulin auskommen. 

Einige Patienten bekommen frühzeitig Nierenprobleme, andere haben eher Augenschäden während wieder andere Patienten vor allem ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Amputationen haben.

Ein Team schwedischer Forscher schlägt nun eine neue Einteilung vor, die auf dem Alter bei Krankheitsbeginn, dem Body-Mass-Index (BMI) sowie sechs Laborwerten basiert, die beim Arzt gemessen werden können. Demnach gibt es fünf Formen:

  • SAID ("severe autoimmune diabetes"): bedeutet "schwerer Autoimmundiabetes". Typisch ist ein früher Krankheitsbeginn, hohe Blutzuckerwerte, eine gestörte Insulinproduktion und das Vorhandensein bestimmter Abwehrstoffe. 6 bis 15 Prozent der Diabetiker gehören zu dieser Gruppe.
  • SIDD ("severe insulin-deficient diabetes"): bedeutet "schwerer Insulinmangel-Diabetes". Charakteristisch sind hohe Blutzuckerwerte, eine gestörte Insulinabgabe und eine mittelmäßige Resistenz gegen Insulin. 9 bis 20 Prozent der Diabetiker zählen zu dieser Gruppe, die oft Augenschäden entwickeln. 
  • SIRD ("severe insulin-resistant diabetes"): bedeutet "schwerer insulinresistenter Diabetes" und ist gekennzeichnet durch starkes Übergewicht und schwere Insulinresistenz. 11 bis 17 Prozent gehören zur SIRD-Gruppe, die oft Herz- und Nierenschäden haben.
  • MOD ("mild obesity-related diabetes"): bedeutet "leichter Diabetes im Zusammenhang mit Fettsucht". Kennzeichnend sind junge, übergewichtige Patienten, die 18 bis 23 Prozent der erwachsenen Diabetiker ausmachen.
  • MARD ("mild age-related diabetes"): bedeutet "milder altersbedingter Diabetes" Die MARD-Gruppe macht mit 39 bis 47 Prozent die größte Gruppe aus und besteht vor allem aus Menschen, die erst im höheren Alter erkranken.

Die Forscher empfehlen, die neue Klassifikation in der Praxis zu testen, um herauszufinden, ob sie die Therapie verbessern kann. Menschen mit SIDD könnten sich zum Beispiel häufiger augenärztlich untersuchen lassen. Und SIRD-Patienten könnten gemeinsam mit ihrem Arzt Maßnahmen finden, um Herz, Kreislauf und Nieren besser zu schützen.