Mit Diabetes erhöht sich bei beiden Geschlechtern das Risiko für eine zusätzliche Herzerkrankung, vor allem im Alter und wenn der Blutzucker nicht gut eingestellt ist. Allerdings ist das Risiko von Diabetikerinnen höher: Laut einer großen Übersichtsstudie sind vor allem Frauen mit Typ 1-Diabetes häufiger gefährdet, zum Beispiel eine Herzschwäche mit zunehmender Kurzatmigkeit zu entwickeln. Hier müssen Ärzte, aber auch die betroffenen Diabetikerinnen umdenken und geeignete Strategien entwickeln, um das Herz zu schützen und mögliche Erkrankungen rechtzeitiger als bisher zu erkennen.  

Achten Sie auf Ihr Herz

Die Kardiologin und führende Gendermedizinerin Prof. Vera Regitz-Zagrosek (Charité Berlin) rät Frauen mit Diabetes, Anzeichen für eine Herzschwäche ernst zu nehmen und auf folgende Geschlechterunterschiede zu achten: 

  • Geraten Sie bei kleinen Belastungen außer Atem und sind schnell erschöpft, bitten Sie Ihren Arzt, einen Ultraschall des Herzens vorzunehmen. Gleiches gilt, wenn Sie Wassereinlagerungen in den Beinen haben und sich oft müde und schwindelig fühlen. 
  • Lassen Sie regelmäßig Blutdruck, Blutzucker, Körpergewicht und Blutfette kontrollieren. Eisenmangel kann ein Indiz für eine Herzschwäche sein. Außerdem sind bei der Herzschwäche zwei wichtige Marker, die natriuretischen Peptide ANP und BNP, erhöht. Bei Frauen sind auch leicht erhöhte Werte bereits ein Warnzeichen.
  • Medikamente: Frauen benötigen niedrigere Dosen von ACE-Hemmern und Betablockern als Männer. Digitalis verursacht möglichweise mehr Komplikationen. Die Gabe von Arzneien gegen Herzrhythmusstörungen sollte gut mittels EKG überwacht werden. Fragen Sie Ihren Arzt, ob die empfohlene Arznei an Frauen erprobt worden ist und ob spezielle Dosierungen angeraten sind. Nebenwirkungen sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen und nicht das Medikament eigenständig absetzen oder die Dosis reduzieren.

Wichtig zu wissen:

Frauen haben kleinere Herzen als Männer. Die geringere Größe wird dadurch ausgeglichen, dass ihre Herzen mit jeder Pumpaktion prozentual mehr Blut in den Körper pumpen. Diese höhere 'Auswurffraktion' wird aber bei der Diagnose einer Herzschwäche nicht berücksichtigt. Bisher orientiert man sich bei Frauen an dem Mindestwert für Männern. Dies führt laut Experten dazu, dass bei Frauen normale Werte ermittelt werden, obwohl sie längst an einer Herzschwäche leiden.

Studie 1: Frauenherzen und Diabetes

Ein internationales Forschungsteam wertete 14 Bevölkerungsstudien mit insgesamt mehr als 12 Millionen Patientinnen und Patienten aus. Diese Studien wurden im Zeitraum von 1966 bis 2018 durchgeführt und untersuchten den Zusammenhang von Diabetes und dem Auftreten einer Herzschwäche.

Das Ergebnis:  Frauen mit Typ-1 Diabetes erkranken deutlich häufiger als Frauen mit Typ-2 Diabetes oder Männer an einer Herzschwäche, die Mediziner "Herzinsuffizienz" nennen. Ihr Risiko ist den Forschern zufolge um 47 Prozent höher als bei Männern. Der Genderfaktor betrifft allerdings auch die Koronare Herzerkrankung (KHK), woraus sich eine Herzschwäche entwickeln kann. Aber auch unabhängig von einer KHK kann sich durch Diabetes eine Schädigung des Herzmuskels entwickeln, die zu einer chronischen Herzschwäche führt. Das Forscherteam fordert aufgrund aller bisher vorliegenden Ergebnisse, die Diabetes-Forschung und die Behandlung von Diabetikerinnen bewusst geschlechtersensibel auszurichten. Nur so könnten Frauen mit Typ-1 Diabetes rechtzeitig und damit optimal behandelt werden. 

Studie 2: Frauenherzen und Lebensstil 

Bei der Entstehung einer Herzschwäche spielen für beide Geschlechter bestimmte Risikofaktoren eine Rolle, die Mediziner als "Lebensstilfaktoren" bezeichnen. Dazu gehören Rauchen, Übergewicht, Ernährung und das Maß an körperlicher Aktivität. Ob das Geschlecht einen Einfluss auf diese Faktoren hat, untersuchte jetzt ein britisches Forscherteam der Universität Glasgow. Sie werteten Daten von 468 941 Teilnehmern aus und fanden Folgendes heraus: Ein zu hoher Cholesterinwert als klassischer Risikofaktor, aber auch Lebensstilfaktoren wie "mehr als 3 Stunden pro Tag Fernsehen" und "weniger als 7 Stunden Schlaf pro Nacht" führten bei Frauen öfter als bei Männern zu einer Herzschwäche. 

Das Fazit für Diabetikerinnen:

Aktuelle Studien über Diabetes und Herzkrankheiten bilden ein statistisches Risiko ab. Das bedeutet, nicht alle Frauen mit Diabetes müssen eine Herzerkrankung entwickeln. Die Ergebnisse zeigen aber auch, wie wichtig es gerade für Diabetikerinnen ist, auf einen gut eingestellten Blutzucker, niedrige Blutdruck- und Fettwerte zu achten. Mit einer ausgewogenen, gesunden Ernährung und einem aktiven Lebensstil mit Sport und Bewegung können Frauen diese Werte und damit ihr Risiko selbst positiv beeinflussen. Die Studien machen darüber hinaus deutlich, dass Diabetikerinnen die angebotenen Vorsorge-Checkups ernst nehmen sollten, bei denen die Blutfette und der Blutdruck überprüft werden. Das gilt natürlich auch für Männer mit Typ-1 Diabetes. Denn: Je früher die richtige Behandlung beginnen kann, desto besser stehen die Chancen für den weiteren Verlauf und damit für Ihre Lebensqualität.