Mit Diabetes müssen bestimmte Organe besonders gut geschützt werden, denn sie können im Laufe der Zeit durch Blutzuckerschwankungen Schaden nehmen. Dabei spielt es eine entscheidende Rolle, wann und wie konsequent möglichen Schäden vorgebeugt wird. Je früher und dauerhafter Sie hier aktiv werden, desto besser stehen Ihre Chancen, lange weitgehend gesund zu leben. 

Basiswissen von A-Z 

Gezielte Vorbeugung ist die beste Strategie. Stellen sich aber doch Schäden ein, vergeht meist zu viel Zeit bis erste Warnzeichen und Beschwerden wirklich ernst genommen werden. Mit einer frühen Diagnose können diese Schäden am effektivsten behandelt werden. 

Hier finden Sie die wichtigsten Zielorgane, die von Diabetes betroffen sein können, und Tipps, was Sie vorbeugend tun können:  

Augen

Schon die kleinsten Blutgefäße im Auge reagieren auf zu hohen Blutzucker. Dies kann Sehstörungen verursachen, Entzündungen am Ober- oder Unterlid und bis zur Netzhautablösung führen. Grauer Star (Linsentrübung) und grüner Star (erhöhter Augeninnendruck) tritt bei Diabetes ebenfalls häufiger auf. 

Das können Sie vorbeugend tun:

Achten Sie auf unscharfes Sehen als erstes Anzeichen und sorgen Sie für eine gute Lidrandhygiene.

Achtung Notfall: Plötzliche Blitze, Sehstörungen oder ein Rußregen können auf eine Ablösung der Netzhaut hindeuten. Wenden Sie sich direkt an einen Augenarzt! 

Wichtig: Lassen Sie Ihre Augen regelmäßig kontrollieren! Menschen mit Diabetes Typ 1 sollen ab dem 11. Lebensjahr oder spätestens 5 Jahre nach Diagnosestellung die Augen untersuchen lassen. Danach ist - je nach Befund und Risiko - eine Kontrolluntersuchung alle ein bis zwei Jahre, oder häufiger vorgesehen. 

Füße

Diabetes schädigt auf Dauer die Nerven der Füße und erschwert die Durchblutung. Verletzungen heilen deshalb schlechter und werden oft nicht rechtzeitig entdeckt. Die Folge ist das Diabetische Fußsyndrom. 

Das können Sie vorbeugend tun:

Tragen Sie bequemes Schuhwerk, das den Fuß schützt. Pflegen Sie Ihre Füße sorgfältig oder gehen Sie regelmäßig zur Fußpflege. Untersuchen Sie Ihre Füße täglich auf kleine Wunden, Druckstellen oder Entzündungen. 

Achtung Notfall: Gehen Sie mit schlecht heilenden, entzündeten Stellen im Zweifel lieber zu früh als zu spät zum Arzt.
Die Fußinspektion gehört im DMP zu den regelmäßigen Untersuchungen durch die Ärztin oder den Arzt. Sie erfolgt mindestens einmal pro Jahr.

Gehirn und Psyche

Eine Diabetes-Erkrankung kann für Sie mit erhöhtem Stress verbunden sein und zu Depressionen, Gedächtnisproblemen oder Ess-Störungen führen. 

Das können Sie vorbeugend tun:

Seien Sie mit sich "gnädig", das nimmt viel Druck raus und entlastet. Gehen Sie so mit sich um, wie Sie es auch mit einem geliebten Menschen tun würden. Psychische Probleme sind kein Versagen, sondern eine Krankheit, die so frühzeitig wie möglich erkannt und behandelt werden sollte. 

Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Arzt, wenn Sie sich psychisch belastet fühlen!

Achtung Notfall: Wenn Sie Gedanken an Selbstmord haben, vertrauen Sie sich Angehörigen und der behandelnden Arztpraxis an! 

Haut

Veränderungen der Haut kommen bei etwa 30 Prozent aller Menschen mit Diabetes vor und können in unterschiedlicher Form und Ausprägung auftreten. Verdickungen, Blasenbildung oder verfärbte Areale können auf spezielle Hauterkrankungen hinweisen.

Das können Sie vorbeugend tun:

Pflegen Sie Ihre Haut von Anfang an mit einer guten, allergiearmen Feuchtigkeitscreme oder -Lotion. Oft ist die Haut bei Diabetes sehr trocken. Duschen oder baden Sie deshalb möglichst nur mit lauwarmem Wasser. Das vermeidet ein zusätzliches Austrocknen der Haut und lindert den Juckreiz. Achten Sie auf Anzeichen von Infektionen, Pilzerkrankungen wie Fuß- oder Nagelpilz, sowie auf Zeichen für allergische Reaktionen der Haut. 

Herz-Kreislauf

Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen unter anderem durch eine Gefäßverkalkung der Arterien. Sie gelten als häufigste Folgeerkrankung von Diabetes. Der schleichende Prozess macht sich oft erst relativ spät durch Beschwerden bemerkbar.

Das können Sie vorbeugend tun:

Je gesünder Sie insgesamt leben, desto besser sehen Ihre Gefäße aus. In erster Linie spielt hierbei eine ausgewogene, naturbelassene Ernährung eine Rolle sowie Sport. Sie sollten mindestens 2 Mal pro Woche ein Ausdauertraining einplanen. Zudem ist der Verzicht auf Nikotin sehr wichtig.

Achtung Notfall: Luftnot und linksseitige Brustschmerzen, die in den Arm oder Kiefer ausstrahlen, aber auch plötzliche Übelkeit und Schwindel sind Symptome für einen Herzinfarkt, der sich aus einer Arteriosklerose entwickeln kann. Plötzliche Lähmungen oder Sprachstörungen deuten auf einen Schlaganfall hin, der die zweite häufige Komplikation der verkalkten Gefäße darstellt. In beiden Fällen zählt jede Sekunde! Rufen Sie oder Ihre Angehörigen sofort einen Notarzt. 

Wichtig zu wissen:

Studien zeigen: Frauen mit Herzinfarkt kommen häufig deutlich später in die Klinik als Männer. Ein Grund dafür ist, dass Frauen oft nicht die klassischen Infarktsymptome haben. Deshalb sollten Frauen bereits bei ungewöhnlichen, starken Bauchschmerzen und plötzlicher Luftnot, Übelkeit oder Erbrechen an die Möglichkeit  eines Herzinfarkts denken.

Nerven

Das Nervensystem leitet Sinnesinformationen aus allen Regionen des Körpers bis zum Gehirn und zurück. Sind die Nerven durch Diabetes geschädigt (Neuropathie) kann dies zu falschen Informationen, wie Schmerzen oder Kribbeln führen, oder zu fehlenden Signalen mit gestörter Wahrnehmung.

Das können Sie vorbeugend tun:

Verzichten oder beschränken Sie Ihren Alkoholkonsum, denn Alkohol kann auch ohne Diabetes zu einer Neuropathie führen. Nach derzeitiger Forschung beugen B-Vitamine und insgesamt ein gesunder Lebensstil den Nervenschäden vor. 

Nieren

Die Schädigung der Nieren tritt bei 20 bis 40 Prozent der Menschen mit Typ-1-Diabetes auf. Hier sind die kleinsten Gefäße und die Nierenkörperchen so verändert, dass die Nieren nur noch schlecht oder gar nicht mehr arbeiten. Dadurch reichern sich Abfallprodukte im Körper an, die sonst durch die Nieren ausgeschieden würden. 

Das können Sie vorbeugend tun:

Trinken Sie genug Flüssigkeit wie Wasser und reduzieren Sie alle Risikofaktoren für eine Schädigung der Nieren. Dazu gehören Übergewicht, erhöhte Fettwerte, Bluthochdruck und Rauchen. 

Zähne

Bei Diabetes entzündet sich häufig das Zahnfleisch und als Folge davon und durch Ablagerungen am Zahnhals kommt es ohne Behandlung zu einer Parodontose, die eine Lockerung der Zähne verursacht, bis hin zum Zahnverlust. 

Das können Sie tun:

Entscheidend sind eine gute "Mundhygiene", also die mindestens 2 mal tägliche Reinigung der Zähne mit einer guten Zahnbürste sowie die mindestens einmal tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zwischenraumbürsten. Vermeiden Sie Ablagerungen durch Rotwein, Kaffee und Tee, indem Sie beispielsweise nach dem Genuss ein Glas Wasser trinken und den Mund damit ausspülen. Nutzen Sie eine weiche Zahnbürste, um das empfindliche Zahnfleisch nicht zu verletzen. 

Gehen Sie mindestens einmal pro Jahr zur zahnärztlichen Kontrolle!